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Urlaubstage im Durchschnitt: In diesen Jobs gibt es die meiste Freizeit

GQ-Logo GQ 23.03.2020 Georg Steinacher
lifestyle-karriere-urlaubstage.jpg © Getty Images lifestyle-karriere-urlaubstage.jpg

Sie wollen im Job besonders viele Urlaubstage rausholen? Sie sehnen sich nach einem Beruf mit viel Freizeit. Dann sollten Sie Ihre Karriere mit Bedacht planen, denn wieviele Urlaubstage im Durchschnitt Ihnen zustehen, hängt von diversen Faktoren ab. Nicht zuletzt von der Branche, in der Sie arbeiten. 

Wann gibt es die meisten Urlaubstage?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Wieviele Urlaubstage Arbeitnehmern zugestanden werden ist sehr unterschiedlich. Über den gesetzlichen Mindestanspruch hinaus, kann der Arbeitgeber nämlich frei über die Anzahl der Urlaubstage verfügen – aber immer nur zu Gunsten der Beschäftigten. Wieviele Urlaubstage pro Jahr das genau sind, unterscheidet sich von Branche zu Branche – und hängt außerdem davon ab, wie hoch ihr Gehalt ist, in welcher Region Sie arbeiten und wie alt Sie sind. (Auch interessant: Muss ein Job wirklich glücklich machen?)

Durchschnittliche Urlaubstage in Deutschland

Wieviele Urlaubstage Arbeitnehmern zustehen, regelt in Deutschland das Bundesurlaubsgesetz. Im ersten Paragraphen heißt es dort, dass jeder Arbeitnehmer in einem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Urlaub hat. Auch die Anzahl an Urlaubstagen ist darin normiert: Der Gesetzgeber sieht bei einer Sechs-Tage-Woche einen Mindestanspruch von 24 Werktagen vor – oder 2,5 Urlaubstage pro Monat. Da in Deutschland die meisten Arbeitnehmer nur an fünf Tagen in der Woche arbeite, beträgt der gesetzliche Urlaubsanspruch für die Mehrheit der Bevölkerung 20 Tage. Dies entspricht 2 Tagen Urlaub pro Monat. (Lesenswert: Lästern ist hilfreich im Job, wenn Sie diese Regeln befolgen)

Hier handelt es sich jedoch nur um das gesetzliche Minimum, das Ihnen auf jeden Fall zusteht. Die meisten Menschen in Deutschland können sich über deutlich mehr Urlaubstage freuen. Wieviele genau? Das hängt von Ihrem Arbeitgeber ab. (Auch interessant: Willkommen im New-Work-Age! Das sind die neuen Business-Regeln)

Wieviel Urlaub Sie bekommen ist gehaltsabhängig

Im Durchschnitt stehen Arbeitnehmern in Deutschland 27,6 Tage Urlaub im Jahr zur Verfügung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Agentur “Compensation Partner” aus Hamburg. Den meisten Urlaub gibt es demnach in den Branchen, in denen die Jobs ohnehin gut bezahlt sind – zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Autoindustrie.

Laut Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner, liegt das daran, dass viele Industrieunternehmen tariflich geregelt sind. In tariflichen Beschäftigungen ist die Zahl der Urlaubstage im Vergleich zu außertariflichen Verträgen oft höher. (Lesen Sie auch: So gehen Sie sinnvoll mit Kritik um)

Kaum jemand hat mehr als 30 Urlaubstage

Böger hat eine weitere Erklärung für den Unterschied: „Beschäftigte mit höheren Gehältern haben in der Regel mehr Berufserfahrung und damit mehr Vertragsverhandlungen geführt, die sich im besten Fall positiv auf das Gehalt und die Anzahl an Urlaubstagen auswirken.“ (Lesenswert: So viel Gehalt können Sie verlangen)

Ab einem Gehalt von 21.000 Euro bis zu 30.000 Euro im Jahr haben die Beschäftigten der Studie zufolge zum Beispiel im Schnitt 26 Urlaubstage. Wer mehr verdient, bekommt 28 bis 30 Tage Urlaub im Jahr. Mehr als 30 Tage zum Erholen sind dagegen in allen Bereichen selten.

So viel Urlaub könnten sich theoretisch nur Menschen gönnen, die selbst Unternehmer sind und über ihre Urlaubstage frei entschieden – aber gerade sie machen oft nur sehr wenig Urlaub, um ihr Geschäft am Laufen zu halten. (Lesen Sie auch: So gelingt der Small Talk im Büro)

Auch Ihr Wohnort ist entscheidend

Die Zahl der Urlaubstage ist darüber hinaus auch von der Region abhängig: Während sich Beschäftigte in Baden-Württemberg im Schnitt über 28 Urlaubstage im Jahr freuen dürfen, haben Arbeitnehmer in Regionen rund um Berlin, Leipzig und Dresden sowie an der mecklenburgischen Küste im Schnitt nur 26 Tage Jahresurlaub.

Grundsätzlich ist aber ohnehin nicht die Zahl der Urlaubstage wichtig, sondern die Zufriedenheit: Wer einen sehr stressigen Job gewählt hat, fühlt sich womöglich auch mit 30 Urlaubstagen im Jahr noch immer ausgelaugt. Wer dagegen das Glück hat, in seinem Job weder unter- noch überfordert zu sein, sondern sich genau auf die richtige Weise gefordert zu fühlen, der ist womöglich auch mit deutlich weniger Jahresurlaub zufrieden. (Lesen Sie auch: Achtsamkeit für Anfänger: Wie Sie es schaffen, Stress zu vermeiden)

Urlaubstage nach Branchen im Vergleich

Wenn es um Freizeit geht, schneidet der Einzelhandel am besten ab. Satte 30,3 Urlaubstage im Durchschnitt gibt es hier für Arbeitnehmer, wie Analysten der Agentur Compensation Partner ermittelten. Auf Platz zwei dahinter landen Verwaltungsmitarbeiter und Banker, die jeweils auf durchschnittlich 29,8 freien Tage kommen. Grundsätzlich stehen Facharbeitern in Industrieunternehmen ebenfalls vergleichsweise viele Urlaubstage zur Verfügung. In der Chemieindustrie 29,5, bei Halbleiter- und Pharmaunternehmen 29,4 und in der Autoindustrie und im Maschinenbau durchschnittlich 29,3. (Lesen Sie auch: Diese 7 New-Work-Trends werden unsere Arbeitswelt für immer verändern){: target="_blank"}

Die wenigsten Urlaubstage im Durchschnitt ermittelten die Analysten für Call-Centern-Mitarbeiter. Beschäftigten stehen hier lediglich 26,3 Urlaubstage zur Verfügung. Ebenfalls eher Mau sieht es mit Urlaubstagen in der Gastronomie aus: Arbeitnehmer im Hotel- und Gaststättengewerbe dürfen durchschnittlich 26,6 Tage Urlaub nehmen. Lediglich knapp einen halben Urlaubstag mehr erhalten Mitarbeiter in Werbe- oder PR-Agenturen, die auf rund 27 Tage Freizeit kommen (Lesenswert: Recruiter packen aus – So bekommen Sie Ihren Traumjob{: target="_blank"})

Spielt das Alter eine Rolle?

Viele fragen sich, ob die Urlaubstage mit dem Alter steigen. Grundsätzlich ist eine Staffelung des Urlaubsanspruchs nach dem Lebensalter der Arbeitnehmer nicht zulässig, wie das Bundesarbeitsgericht befand. Dies verstoße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, urteilte die Kammer. Zumindest darf es keine starre Regelung, etwa durch Tarifverträgen, geben. Allerdings haben Unternehmen hier einen Ermessensspielraum, denn die gleiche Kammer sah es als rechtens an, dass Firmen älteren Angestellten einige Tage Mehrurlaub zur Verfügung stellen, um sie vor körperlicher Überlastung zu schützen. Konkret ging es dabei um den Schuhhersteller Birkenstock, dessen Beschäftigten sich ab dem 58. Lebensjahr an zwei weitere Urlaubstage erfreuen dürfen. (Auch interessant: Duzen oder siezen? Das ist die richtige Anrede im Job{: target="_blank"})

Für Jungendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist eine Staffelung des Urlaubsanspruchs sogar explizit gesetzlich geregelt. Das Jungendarbeitsschutzgesetz sieht für Personen, die zu Beginn des Kalenderjahres noch unter 16 Jahre alt waren mindestens 30 Urlaubstage vor. Für Jugendliche unter 17 ist das Minimum 27 Werktage, für unter 18-jährige 25 Urlaubstage.

Wie sieht es im Vergleich zum Ausland aus?

Mit ihrem gesetzlichen Anspruch auf 20 Urlaubstagen geht es den Beschäftigten in Deutschland übrigens noch deutlich besser als einigen Arbeitnehmern im Ausland. In Kanada und China sind lediglich zehn bezahlte Urlaubstage gesetzlich vorgeschrieben. In den USA gibt es sogar überhaupt keinen rechtlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub – auch wenn die meisten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ebenfalls mindestens zehn arbeitsfreie Tage gewähren. In vielen asiatischen Ländern müssen die Menschen ebenfalls mit deutlich weniger als dem deutschen Urlaubsanspruch auskommen. In Taiwan sind es 15 Tage, in Hongkong und Singapur 14 und in Indien magere 12. (Lesen Sie auch: So lassen Sie sich im Job nicht mehr ausnutzen{: target="_blank"})

In einigen Ländern sieht es allerdings auch deutlich besser aus als in Deutschland. Brasilianer, Franzosen und Finnen dürfen sich an 30 Tagen im Jahr von ihrer Arbeit erholen – so ist es von den dortigen Gesetzgebern vorgeschrieben.

Urlaub nicht genommen: Verfallen meine Urlaubstage automatisch?

Eine Frage, die bei Arbeitnehmern regelmäßig für Unsicherheiten sorgt, lautet: Verfällt Urlaub, den ich nicht genommen habe? Grundsätzlich sind Beschäftigte dazu verpflichtet, ihre Urlaubstage innerhalb eines Jahres aufzubrauchen. Wenn dringende persönliche oder betriebliche Gründe vorliegen, dürfen die Urlaubstage allerdings in das nächste Kalenderjahr übertragen werden. Der Resturlaub muss dann allerdings bis zum 31. März aufgebraucht werden, da er sonst tatsächlich verfällt – allerdings wiederum nicht automatisch. Der Arbeitgeber steht in der Pflicht, seine Mitarbeiter darauf hinzuweisen, wie das Bundesarbeitsgericht urteilte. (Auch interessant: So werden Sie souveräner im Job{: target="_blank"})

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