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USA, China und Russland: Die Großmächte pokern um den Ölstaat Venezuela

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 31.01.2019 Busch, Alexander Ballin, André Hua, Sha
In Venezuela haben die Großmächte äußerst unterschiedliche Interessen. © MERIDITH KOHUT/The New York Time In Venezuela haben die Großmächte äußerst unterschiedliche Interessen.

Die Zukunft des Landes entscheidet sich auch in Washington, Moskau und Peking. Das Kräftemessen könnte den Konflikt zwischen Maduro und Guaidó verlängern.

Die 500.000 Dollar schwere Spende für Donald Trumps Vereidigungsfeier erregte großes Aufsehen. Denn den Scheck hatte Citgo ausgestellt, eine US-Tankstellenkette im Besitz des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA. Neben JP Morgan, Microsoft und Exxon Mobil zählte damit Venezuelas linker Staatspräsident Nicolás Maduro zum wichtigen Sponsor von Trumps Antrittsfest.

Ebenjener Maduro, der die USA regelmäßig als „Reich des Bösen“ und seine Präsidenten als Imperialisten beschimpft. Die Erklärung: Ein paar Monate vor Trumps Vereidigungsfeier war der russische Ölkonzern Rosneft Miteigentümer von Citgo geworden. Rosneft hatte dem maroden venezolanischen Ölkonzern einen Milliardenkredit gegeben – und dafür zur Absicherung 49,9 Prozent an Citgo-Aktien erhalten.

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Die Episode zeigt, wie tief verstrickt die Großmächte Russland, China und die USA mittlerweile in Venezuela sind. Sie alle haben strategische wirtschaftliche und politische Interessen in dem heruntergekommenen karibischen Ölstaat. Allein aus Russland haben Staat und Unternehmen 17 Milliarden US-Dollar in Venezuela investiert. China ist mit mehr als 62 Milliarden Dollar der größte Kreditgeber des Landes.

20 Milliarden an Krediten stehen noch aus, die Venezuela mit Erdöllieferungen begleichen soll. Ein direkter Zugang zu Erdölreserven ist von strategischer Wichtigkeit für den größten Erdölimporteur der Welt. So versuche China, Einfluss zu erlangen auf die politischen und sozialen Strukturen Venezuelas wie auch auf seine Erdölreserven, beschreiben Sarah Baumuk und Moises Rendon, die am amerikanischen Thinktank Center for Strategic and International Studies forschen.

Die Großmächte haben dazu beigetragen, dass Maduro so lange an der Macht bleiben konnte, obwohl er das Land in den sechs Jahren, in denen er an dessen Spitze steht, in den Ruin getrieben hat. Jetzt verfestigen die Interessen der USA einerseits und Russlands und Chinas andererseits den Machtkampf in Venezuela.

Seitdem sich der Oppositionspolitiker Juan Guaidó in Abstimmung mit den USA zum Interimspräsidenten ernannt hat und Diktator Maduro vor sich hertreibt, halten sich die Großmächte untereinander in Schach. „Sie verhindern, dass es zu der längst fälligen Auseinandersetzung kommt zwischen Maduro und den Venezolanern“, kritisiert David Smilde, Lateinamerika-Experte der Universität Tulane. Stattdessen könne Maduro vom inländischen Konflikt nun mit dem Kampf gegen die USA ablenken.

Es geht den Ländern um Öl und um einen strategischen Stützpunkt. Für China ist Venezuela auch ein attraktiver Posten in der Karibik, direkt am Panamakanal, nur drei Flugstunden von den USA entfernt. Auch für Russland bietet Venezuela die erste Chance nach dem Rückzug aus Kuba, in der westlichen Hemisphäre direkt vor den USA einen militärischen und wirtschaftlichen Standort zu unterhalten.

Für die USA und die dortige Ölindustrie geht es vor allem darum, Venezuela wieder in einen verlässlichen Alliierten und Zulieferer von Öl zu verwandeln nach fast zwei Jahrzehnten linker Herrschaft. Deshalb setzt die US-Regierung auf Guaidó. Mit den jüngsten Sanktionen lässt sie alle Zahlungen für Öl aus Venezuela nur noch auf Sperrkonten laufen, deren Zugriff sie Guaidó zubilligt.

Citgo mit Sitz in Houston darf kein Geld mehr an die Regierung Maduros zahlen. Neu sind auch die militärischen Drohgebärden aus Washington: US-Sicherheitsberater John Bolton fügte bei der Erläuterung der Sanktionen drohend hinzu: „Auch die militärische Option ist weiterhin auf dem Tisch.“

Moskaus neues Kuba?

Ähnlich aggressiv tritt Russland auf im Venezuelakonflikt: Der Kreml hatte bereits zu Maduros Vorgänger Hugo Chávez ein freundschaftliches Verhältnis und bezeichnet sich als „strategischer Partner“ Venezuelas. Die Armee ist mit russischen Waffen – größtenteils auf Pump – hochgerüstet: von Kalaschnikows über Panzer bis zu Luftabwehrraketen, Kampfflugzeugen und Hubschraubern.

Russland liebäugelt damit, einen Militärstützpunkt in Venezuela aufzubauen. Quasi als Ersatz für den Wegfall der Anlagen in Kuba. Dennoch ist Moskaus militärisches Drohpotenzial beschränkt, denn zwischen Moskau und Caracas liegen rund 10.000 Kilometer. Eine Militärhilfe wäre auf diese Entfernung kaum möglich. „Russlands Ressourcen in der Region sind sehr begrenzt“, sagt der Moskauer Politologe Fjodor Lukjanow.

Wichtiger für Maduros Überleben sind derzeit ohnehin die Kredite aus Russland. Seit einigen Jahren finanziert Moskau mehr oder weniger offen den Fortbestand des Regimes in Caracas. Wichtigste Geldquelle sind dubiose Öllieferverträge, die der russische Staatskonzern Rosneft mit der PDVSA abgeschlossen hat. Darin hat sich Rosneft verpflichtet, Vorauszahlungen in Höhe von sechs Milliarden Dollar für künftige Öllieferungen zu leisten – und in Folge die Citgo-Aktien in den USA gepfändet.

Durch die neuen US-Sanktionen wird die Lage für Rosneft kompliziert: Der Konzern verarbeitet das venezolanische Schweröl über Citgo in den USA – und in Deutschland. 2010 kaufte Rosneft der PDVSA die Anteile an der Ruhr Oel GmbH für 1,6 Milliarden Dollar ab. So könnte durch den Konflikt in Venezuela auch die deutsche Benzinproduktion betroffen sein: Sollten die Öllieferungen wegen der Zahlung auf Sperrkonten eingestellt werden, wäre das Geschäft der Raffinerien in Karlsruhe, Schwedt und Vohburg bei Ingolstadt bedroht.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der Maduro unterstützt, schlägt eine internationale Vermittlung zwischen Regierung und Opposition in Venezuela vor. China, seit Langem Venezuelas größter Kreditgeber, agiert auffällig vorsichtig und plädiert für gemeinsame Gespräche. „Um sich militärisch im Vorgarten der USA zu betätigen, wie einige Amerikaner vermuten, fehlt es China an Kraft“, sagt Dong Jingsheng, Vizeleiter des Lateinamerika-Zentrums an der Peking-Universität. Außerdem wolle das Land gerade jetzt, während der Verhandlungsphase im Handelskonflikt, die Beziehungen zu Washington nicht gefährden.

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