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Von Auerhahnjagden, Hippie-Shirts und dem Uli-Hoeneß-Rauswurf: Das bewegte Leben des Trigema-Chefs Wolfgang Grupp

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 17.04.2020 Paol Hergert
Der Trigema-Chef Wolfgang Grupp. © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Der Trigema-Chef Wolfgang Grupp. Sebastian Gollnow/picture alliance via Getty Images

Seine Initialen WG schmücken die Brusttaschen seiner weißen Hemden, ein Kragenstab hält die Krawatte, die farblich stets zum Kavalierstuch im Sakko passt, auf perfektem Abstand: Wolfgang Grupp lässt optisch nichts anbrennen, grinst seit seiner Übernahme Trigemas 1969 immergleich in die Kameras, deren Aufmerksamkeit er sichtlich genießt. Harald Schmidt nannte ihn einmal die "nackte Kanone unter den deutschen Unternehmern", in Unternehmerkreisen gilt er als Ehrenmann.

Auch während der Corona-Krise macht er auf sich und sein Unternehmen aufmerksam, hat die Produktion seiner Fabrik kurzerhand recht medienwirksam umgestellt: von der sonst üblichen Sport- und Freizeitkleidung auf Mundschutzmasken. Die verkauft er nun für 120 Euro das Zehnerpack, erntet dafür nicht nur Lob und Dank, sondern auch Kritik. Ein Profiteur der Krise sei er, würde die Not der Bedürftigen ausnutzen. Er selbst sagte dazu gegenüber Business Insider, dass der Profit mit den Masken eher ein Nebenprodukt sei: "Wir wollten helfen, haben uns dadurch drei Wochen später indirekt auch selbst geholfen."

Doch bis es dazu kam, durchlebten Grupp und sein Unternehmen turbulente Zeiten. So sind Familien- und Firmengeschichte geprägt von NS-Zwangsarbeit, von Tradition, von Macht und Geld. Einmal soll Grupp gar Uli Hoeneß aus seinem Haus geworfen haben, weil der den FC Bayern nicht von Trigema ausstatten lassen wollte.

Arisierung, Zwangsarbeit und Batik-Shirts

Vor etwas mehr als 100 Jahren, im November 1919, gründeten Josef und Eugen Mayer die Firma Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer (daraus leitet sich auch der Name TRIGEMA ab), die Josef bis zu seinem Tod 1956 führte.

Während des NS-Regimes trat Josef Mayer 1937 der NSDAP bei, beteiligte sich im Namen des Unternehmens bereits 1933 an der sogenannten Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft und bereicherte sein gleichgeschaltetes Unternehmen an der Arisierung einer benachbarten Fabrik aus jüdischer Hand. Während des Zweiten Weltkrieges ersetzten Zwangsarbeiter die im Krieg dienenden Mitarbeiter des Unternehmens. Auf der Trigema-Webseite, im Unterpunkt der Unternehmensgeschichte, wird dieses dunkle Kapitel nicht nennenswert erwähnt.

Als Josef Mayer 1956 starb, übernahm der Ehemann seiner Tochter Änne, Franz Grupp, das Unternehmen, leitete es wiederum bis zu seinem Tod 1969, um es dann – mit jede Menge Schulden – an seinen Sohn weiterzugeben. Wolfgang Grupp war gerade einmal 27, als er das Familienunternehmen übernahm, leitet es heute bereits seit 51 Jahren. Genau wie sein Vater vor ihm und sein Großvater zuvor ist auch Wolfgang Grupp Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Während sein Vater das Unternehmen immer mehr diversifizierte und Schulden anhäufte, setzte Wolfgang Grupp auf die Tradition seines Großvaters Josef Mayer, beschränkte sich auf das Kerngeschäft der Sport- und Freizeitbekleidung und zahlte bis 1975 nicht nur alle Schulden ab. Er steigerte auch den Umsatz des Unternehmens von 8,7 Millionen Euro (1969) auf 28,1 Millionen Euro (1975) um mehr als 222 Prozent.

Ein Schlüssel zum Erfolg waren Batik-T-Shirts, mit denen Grupp auf den Hippie-Trend aufsprang und mit denen das Unternehmen viel Geld verdiente.

Hochzeit, Kinder und Millionen

Die Familie Grupp. © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Die Familie Grupp.

1986 lernte Grupp auf einer Auerhahnjagd in Österreich Elisabeth Baronesse von Holleuffer kennen, wie die beiden in einem der zahlreichen Talkshow-Auftritte Grupps bei Markus Lanz verrieten. Bei der Hochzeit zwei Jahre später gab die Baronesse ihren Adelstitel auf und nahm den Namen ihres Mannes an.

Bereits im darauffolgenden Jahr kam die Erstgeborene des Ehepaares, Bonita, auf die Welt, zwei Jahre später dann der Sohn: Wolfgang Grupp junior. Das Anwesen der Familie befindet sich im schwäbischen Burladingen, genau gegenüber des Hauptfirmensitzes. Da alle vier für Trigema arbeiten, ist der Weg zur Arbeit dementsprechend schnell gemeistert.

Die Familie Grupp ist vielleicht das Paradebeispiel für ein deutsches Familienunternehmen mit Tradition. Wo Trigema draufsteht, steckt 100 Prozent deutsche Arbeit drin. Das Prädikat "Made in Germany" wird bei Trigema mit Stolz getragen, ist ein Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens. Während die Konkurrenz ihre Fertigungshallen ins meist ostasiatische Ausland verlegte, blieb Grupp im Schwabenländle. Verkörpert zumindest unternehmerisch die für den Südwesten unseres Landes typische Bodenständigkeit: Kredite hat Grupp seit 1975 keine mehr in Anspruch genommen. Trigema kaufe nur das, was das Unternehmen auch bezahlen könne, sagte Grupp jüngst in einem Fernsehinterview.

Vielleicht zählt Grupp auch aufgrund dieser selbst auferlegten finanziellen Unabhängigkeit wirtschaftlich nicht zu den ganz großen Unternehmern Deutschlands. Sein Privatvermögen wird auf knapp über 10 Millionen Euro geschätzt, Trigema macht jährlich rund 100 Millionen Euro Umsatz. Zum Vergleich: Das Privatvermögen des umstrittenen SAP-Gründers Dietmar Hopp wird auf 15 Milliarden Euro geschätzt.

Nach 51 Jahren an der Spitze des 1.200-Mitarbeiter-großen Unternehmens hat Grupp längst die Amtszeiten seines Vaters und seines Großvaters überholt, die die Burladinger Textilfirma zusammengerechnet nur 50 Jahre leiteten.

Wie lange er noch alleiniger Eigentümer und Chef bleiben kann, ist jedoch fraglich, denn Wolfgang Grupp ist zwar fit, jedoch gerade 78 Jahre alt geworden. Wer den Laden dann übernimmt, sei noch nicht festgelegt. "Es kann nur ein Kind die Firma übernehmen", sagte er noch im vergangenen Jahr gegenüber der Zeitung "Die Welt" und schloss so eine Doppelspitze aus.

Ob auf Bonita oder Wolfgang junior die Wahl fällt, ob der Trigema-Affe als Werbe-Ikone bleibt, steht ebenso in den Sternen wie die Frage, ob die beiden weiterhin den Arbeitsplatz des Vaters inmitten des Großraumbüros besetzen werden. Nur eines ist fast sicher: Anders als der Vater wird der nächste Trigema-Chef (oder Chefin) einen Computer am Arbeitsplatz nutzen. Den verweigert Grupp senior bis heute.

© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland
Wolfgang Grupp © Sebastian Gollnow/picture alliance via Getty Images Wolfgang Grupp
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