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Weltspartag: Goodbye, Sparbuch!

t3n Magazin-Logot3n Magazin 30.10.2020 Tobias Weidemann
Sparschwein und Sparbuch haben ausgedient. © Shutterstock Sparschwein und Sparbuch haben ausgedient.

Früher feierten die Banken Ende Oktober den Weltspartag. Der sollte den Kunden Sparen und Vorsorge näherbringen. Inzwischen sind es eher die Banken, die sparen müssen – und das nicht nur an den Werbegeschenken.

Heute ist Weltspartag. Die Älteren unter uns kennen das noch – man lief als Kind stolz auf die Bank, die Spardose mit vielen Münzen dabei, und ließ sich das darin befindliche Geld in sein Sparbuch eintragen. Ja, eintragen – mit ratterndem Nadeldrucker, der Zeile für Zeile lautstark darin festhielt. Zusätzlich bekam man noch irgendein nettes Freebie, das damals noch unprätentiös Werbegeschenk hieß.

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert – zum Guten (der Nadeldrucker steht im Museum und unseren Kontostand erfahren wir bestenfalls über ein schicke App), in mancher Hinsicht aber auch zum Schlechten: Denn das Sparbuch, das teilweise dem Tagesgeldkonto gewichen ist, wirft kaum noch Zinsen ab. Teilweise dürfen wir noch froh sein, wenn die Bank nicht Geld dafür verlangt, das sie unser Geld verwahrt.

Und doch, das hat eine Studie des Zahlungsdienstleisters Klarna ergeben, die diese Woche vorgestellt wurde, sparen noch immer 54 Prozent der Deutschen übers Sparbuch oder Tagesgeld. Zinsen weit unterhalb der Prozentmarke zeigen aber eigentlich auf, dass das Tagesgeld eigentlich kaum noch eine wirkliche Berechtigung hat. Es bringt keine Zinsen, den Spargroschen, den wir als eiserne Reserve für drei Monate Gehaltsausfall bereithalten sollen, können wir beim aktuellen Zinsniveau auch aufs Girokonto legen, und auch sonst gibt es eigentlich keine Argumente mehr fürs Tagesgeld, außer dass Banken es noch immer gerne als Einstiegsprodukt nutzen (und deswegen ein paar Monate mehr Zinsen bieten), um den Kunden und Kundinnen aktiv andere Leistungen anzubieten.

Unternehmen wie Weltsparen und Zinspilot versuchen dagegen, wenigstens noch etwas mehr für den Kunden rauszuholen, indem sie auf ausländische Institute setzen – teils im Euroraum, teils darüber hinaus. Das ist löblich und gut für den Kunden, wenn er sich der etwas höheren (aber durchaus vertretbaren!) Risiken bewusst ist. Doch so oder so ist das nicht die Welt.

Banken werden in Zukunft anders Geld verdienen

Doch womit sollen die Banken dann in Zukunft ihr Geld verdienen? Das fragen sich viele Banker auch – denn die Differenz zwischen gezahltem Zins und eingenommenen Renditen, wenn die Bank mit unserem Geld arbeitet, ist dahingeschmolzen, die Monatsgebühren für Girokonto, Echtzeitüberweisung und Co. sind die Kunden immer nur selten bereit, zu zahlen – und die Interchange-Fees tragen kaum dazu bei, dass sich die Banken in Zukunft die gewohnten Hochhäuser aus Chrome und Glas leisten können werden.

Ist der Weltspartag also auch bei den Banken selbst angesagt? In der Tat – es gibt wohl kaum eine Bankengruppe, die derzeit nicht einen rigiden Sparkurs fährt (oder gleich wie die Neobanken N26, Vivid und Co. auf besagte immobile Statussymbole verzichtet): Filialen der klassischen Banken, die anlässlich der Coronakrise vorübergehend geschlossen wurden, bleiben dies oftmals dauerhaft, Workflows, insbesondere, wenn sie mit dem Kunden zu tun haben, werden verschlankt – was geht, wird digitalisiert. Und tatsächlich steckt hierin das größte Einsparpotential für die Banken. Denn betrachtet man die Banking-Welt, wird deutlich, wie viele Prozesse noch mit Formularen ablaufen oder spätestens dann auf Papier abgewickelt werden, wenn Dritte daran beteiligt sind.

Doch Digitalisierung alleine wird nicht ausreichen – denn der Kunde kann sich aussuchen, ob er bereit ist, am Service zu sparen (Stichwort Filialnetz und Beratung) oder ob er die laufenden Kosten, die in der Vergangenheit vor allem über die Differenz zwischen offiziellen Zinsen am Markt und Zins, den der Kunde erhält, beglichen wurden, selbst tragen will. Das bedeutet dann halt, dass eine Logistik für ein Girokonto durchaus einige Euro im Monat kostet.

Neue Erlösmodelle für Banken – der Kunde als Produkt

Die Alternative, das machen schon zahlreiche Banken sowie Unternehmen wie Klarna oder Check 24 mit der neuen C24-Bank vor, ist, dass der Kunde zum Produkt wird: Dann nämlich, wenn das Konto zwar in einer Basisvariante gebührenfrei, ansonsten aber nur die Grundlage für weitere Geschäfte ist – Klarna setzt hier geschickt darauf, als Partner des Handels sämtliche Zahlungssituationen des Kunden abzudecken, die C24-Bank auf die Vermittlung weiterer Services wie Versicherungen, Handyverträge oder Kredite über das hauseigene Vergleichsportal. Das gelingt mit einem Konto vor allem deswegen so gut, weil das Unternehmen bestenfalls um die finanziellen Zusammenhänge beim Kunden weiß, mindestens aber einen Fuß in der Tür hat.

Solche neuen Geschäftsmodelle öffnen aber auch Tür und Tor für Digitalkonzerne, Payment-Dienstleister und sämtliche Non-Bankings, die irgendwie mit Geld zu tun haben (wollen). Den Banken ist das ein Dorn im Auge, sie konkurrieren hier aber (ob sie wollen oder nicht) mit Unternehmen, die einen Teil ihres Geldes auf andere Weise verdienen und somit ganz anders kalkulieren können als Sparkasse, Volksbank oder eine Direktbank.

Der Zahlungsdienstleister Klarna hat übrigens im Rahmen der eingangs erwähnten Studie auch gefragt, wie viel Geld die Deutschen im vergangenen Jahr zur Seite legen konnten: Genau 6.297 Euro waren das im Schnitt, bei den Jüngeren etwas weniger, bei den Älteren etwas mehr. Doch wer das Geld dauerhaft auf dem Tagesgeldkonto oder Sparbuch deponiert hat, dürfte dafür nicht mal den Gegenwert eines Kasten Biers bekommen haben. Umdenken müssen hier also nicht nur die Banken, sondern auch wir Kunden.

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