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Wenn ihr in diesen drei westdeutschen Bundesländern lebt, ist euer Risiko, arm zu werden, am größten

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 17.08.2020 Joana Lehner
© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland

Im Westen Deutschlands gibt es immer mehr Menschen, die von Armut bedroht sind. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist die Armutsgefährdungsquote zwischen 2009 und 2019 in allen westlichen Bundesländern und in Berlin angestiegen. Nur im Osten ist die Quote in den letzten zehn Jahren zurückgegangen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Bremen führt die Länder an, in denen der Anteil armutsgefährdeter Menschen am höchsten ist. Fast jeder Vierte (24,9 Prozent) hat das Risiko in Armut abzurutschen. 2009 waren es noch gut ein Fünftel. Auch in Hessen (2019: 16,1 %, 2009: 12,4 %) und Nordrhein-Westfalen (2019: 18,5 %, 2009: 15,2 %) ist die Zahl der Menschen mit einem Armutsrisiko seit 2009 stark angestiegen.

NRW, Hessen und Bremen hinken der Einkommensentwicklung hinterher

„Alle drei Länder mit starkem Anstieg", erklärt Christoph Schröder, Experte für Einkommenspolitik am Institut der deutschen Wirtschaft, „hinken der durchschnittlichen Einkommensentwicklung in Deutschland hinterher", sagt er zu Business Insider.

Zum Kontext: Als Vergleichsgröße des durchschnittlichen Einkommens dient der Median. Auf einer Liste mit den Einkommen aller deutschen Haushalte beziffert er das Einkommen, das genau in der Mitte steht. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert für einen Einpersonenhaushalt bei 1074 Euro. In der Statistik sind dann diejenigen armutsgefährdet, die ein monatliches Pro-Kopf-Einkommen haben, das höchstens 60 Prozent des sogenannten Medians beträgt.

In Hessen, NRW und Bremen war der Anteil der Menschen dieser Menschen besonders hoch. Doch jedes dieser Länder hat mit ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen.

Zuwanderung und der Niedergang der Industrie begünstigen das Armutsrisiko

Nordrhein-Westfalen kranke an seiner strukturschwachen Region, dem Ruhrgebiet, so Schröder. Es sei von Deindustrialisierungsprozessen, aber auch vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffen. „Das zieht das Land in seiner Wachstumsdynamik hinunter", erklärt er.

Ein alter Mann mit grauen Mann besucht eine Essens-Tafel © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Ein alter Mann mit grauen Mann besucht eine Essens-Tafel

Ähnlich sei es in Bremen: Es leide noch immer unter dem Niedergang der Großindustrie. Nur in Hessen scheint es noch andere Gründe für eine hohe Armutsgefährdung zu geben: "Im Westen erfolgte mehr Zuwanderung als Osten", sagt Schröder. „Dort gibt es viele Menschen, die es möglicherweise schwerer hatten Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden." Nicht alle Menschen seien schon voll integriert.

Der Faktor Zuwanderung beeinflusst auch bundesweit den Anstieg der Armutsgefährdung: Während sich die Quote bei Menschen ohne Migrationshintergrund von 2009 auf 2019 nicht veränderte (11,7 Prozent), stieg sie bei Menschen mit Migrationsgeschichte über ein Prozent an. (27,8 Prozent).

Mit diesem Einfluss haben die ostdeutschen Länder – bis auf Berlin – jedoch weniger zu kämpfen. Sie profitieren stattdessen von ihrer älteren Bevölkerung.

Die ostdeutschen Länder profitieren vom demografischen Wandel

Die Altersstruktur spiele den ostdeutschen Ländern in die Karten, sagt Eric Seils von der Hans-Böckler-Stiftung. Er forscht zur Einkommensverteilung und Problemen des Arbeitsmarkts. „Der demografische Wandel im Osten ist stärker ausgeprägt als in den westlichen Bundesländern", erklärt er. Es gäbe mehr Menschen, die in Rente gingen.

In der Folge nähme die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ab und damit auch die Zahl der Arbeitslosen. Für weniger Menschen blieben mehr Arbeitsplätze. „Dadurch sind die privaten Einkommen der gewöhnlichen Leute in den ostdeutschen Ländern stärker angestiegen“, sagt Eric Seils. Zeitgleich wanderten viele junge Menschen ab. Für die gesamte Entwicklung keine besonders gute Aussicht – aber positiv für die Statistik.

Mittlerweile hat sich die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern sogar von 13 Prozent auf 6,4 Prozent halbiert, führt Schröder außerdem an. Das und die Einführung des Mindestlohns habe geholfen die Armutsgefährdungsquote zu senken.

„Trotzdem ist die Armutsgefährdung in den westlichen Ländern im Durchschnitt noch immer niedriger als in den ostdeutschen Ländern", sagt Schröder. Mit den Folgen der Corona-Maßnahmen könnte sich das ändern.

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Für die Zeit im Herbst prognostiziert Schröder: „Die Arbeitslosigkeit wird steigen und damit auch die Armutsgefährdungsquote". Denn insbesondere Arbeitslose hätten ein sehr hohes Risiko in die Armut abzurutschen. Andererseits sagt er: „Wenn jeder Einkommensbußen hat, wird auch das mittlere Einkommen sinken". Im Ergebnis läge die "Latte für den Schwellenwert dann tiefer". Das könne den Anstieg der Quote dämpfen.

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