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Zu viel Müll vom Essen: Wirtin setzt sich für Mehrwegsystem in Erftstadt ein

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 23.01.2021 Ulla Jürgensonn
Bistrobetreiberin Karin Will gibt ihren Kunden Porzellanteller mit oder füllt Suppe in Schraubgläser. © Will Bistrobetreiberin Karin Will gibt ihren Kunden Porzellanteller mit oder füllt Suppe in Schraubgläser.

Essen abzuholen oder bringen zu lassen statt essen zu gehen ist der Trend in Corona-Zeiten. Gut für die Gastwirte, die so wenigstens ein bisschen Umsatz machen können, schlecht für die Umwelt, weil viel Verpackungsmüll anfällt. Und der landet nicht nur in den Mülltonnen, sondern auch am Straßenrand.

Die Erftstädter Grünen haben vor diesem Hintergrund beantragt, die Verwaltung möge prüfen, ob die Gastronomie Mehrwegsysteme für Speisen und Getränke einführen könne. Die städtische Wirtschaftsförderung solle die Wirte dabei beraten.

In Hürth und Brühl gibt es schon Mehrwegsysteme

„Wir Grünen freuen uns sehr, dass die Bürger und Bürgerinnen zu ihren Gastronomen stehen“, sagt Fraktionsvorsitzende Stephanie Bethmann. Schüsseln und Becher, die wiederverwendet würden, könnten helfen, dass nicht noch mehr Müll entstehe – in den Nachbarstädten Hürth und Brühl würden solche Systeme schon eingesetzt.

Karin Will hat das Problem auf ihre eigene Art gelöst. Sie betreibt das Bistro und Café Willkommen am Lechenicher Markt, wo man – nach Bestellung – Essen abholen kann. Suppen beispielsweise füllt sie in Gläser mit Schraubverschluss. „Da passt auch eine Roulade mit Soße rein“, sagt die Gastronomin. Wenn Quiche auf der Speisekarte steht, bekommen Kunden diese auf Porzellantellern. 90 Prozent des Geschirrs komme wieder zu ihr zurück, sagt Karin Will. Manchmal sei der Rücklauf allerdings „langwierig“. Doch der leichte Schwund an Geschirr macht ihr keine Sorgen: Sie holt schon mal bei Haushaltsauflösungen ein ganzes Service ab und hat dementsprechend Vorrat.

Erftstädter Wirtin: Imbissbetreiber könnten auf Pappe oder Bambus umsteigen

Dass nicht alle Gastwirte das so handhaben können, sieht sie ein. „Eine Portion Pommes frites gibt man sicher nicht auf einem Porzellanteller raus.“ Imbissbetreiber könnten aber wenigstens vom Plastik umsteigen auf Pappe oder Bambus. Die Fast-Food-Ketten verkauften Hamburger schon seit langem in Pappschachteln, die in der blauen Tonne entsorgt werden könnten.

Die Idee, dass Kunden eigene Gefäße fürs Essen mitbringen, scheitere wohl an Hygienevorschriften, fürchtet Will. Verboten sei das nicht, klärt die Dehoga, der Hotel- und Gaststättenverband auf. Dort sieht man einen „Zielkonflikt“ zwischen Hygiene- und Umweltbewusstsein. Schließlich könne der Wirt nicht wissen, ob die mitgebrachte Schüssel des Kunden wirklich sauber sei. Ein Problem, das Karin Will bei Stammkunden auch schon mal pragmatisch löst: Die bringen das Geschirr am Vortag, sie packt es in ihre Spülmaschine. Das Argument der Styropor-Anhänger, dass Pappschachteln das Essen nicht warmhalten, überzeugt sie auch nicht: „Die wenigsten haben eine vernünftige Umverpackung dabei.“ Schon eine simple Kühltasche würde genügen.

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