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Krebs: Bewegungs-App senkt Rückfallrisiko

NetDoktor.de-Logo NetDoktor.de 15.03.2019 Lisa Vogel
© lamppost - Fotolia

„Internationale Langzeitstudien haben gezeigt, dass körperliche Aktivitäten das Risiko von Krebsrückfällen bis zu 67 Prozent senken kann“, sagt Dr. Thomas Widmann, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Sozialmedizin. Gemeinsam mit Kollegen hat er die Gesundheits-App „movival“ entwickelt.

Bewegung schützt die Gene

Denn Bewegung verhindert einen genetischen Verfallprozess. Stellt man sich Chromosomen als Schnürsenkel vor, wäre die harten Enden die sogenannten Telomere – sie schützen das Chromosom davor auszufransen und bewahren so die gespeicherte Information. Bei jeder Zellteilung werden die Telomere ein Stück kürzer. Sind sie zu kurz geworden, kann sich die Zelle nicht mehr teilen. Sie wird inaktiv oder stirbt ab.

Kritisch scheint eine Phase zu sein, in der die Telomere schon stark verkürzt sind. Dann treten öfter Übersetzungsfehler bei der Zellteilung auf. Die Schreibfehler in den Genen können bewirken, dass die neuen Zellen entarten.

Dagegen hilft Bewegung. Sie aktiviert die sogenannte Telomerase. Das Enzym verlängert die Telomere wieder, verlangsamt so Alterungsprozesse und schützt vor Krebs. Tatsächlich haben frühere Untersuchungen ergeben, dass Menschen mit längeren Telomeren seltener an Krebs erkranken und diesen im Falle einer Erkrankung eher überleben.

Die App spornt an

Diesem Mechanismus nutzen die Macher von movival. Krebspatienten tragen in der App ihr tägliches Bewegungspensum ein. Dafür gibt es Punkte: eine halbe Stunde spazieren gibt 1,5 Punkte, eine Stunde Nordic Walking knapp fünf Punkte.

Auch Alltagsaktivitäten zahlen auf das Punktekonto ein, beispielsweise eine halbe Stunde Rasenmähen (3 Punkte), Bügeln (0,9 Punkte) oder Fensterputzen (1,6 Punkte). Ziel ist dabei, eine festgelegte wöchentliche Punktzahl zu erreichen – eine Herausforderung, die die Nutzer anspornt. Auf einer Skala kann der Nutzer jederzeit sehen, wie viel Prozent seines Zieles er bereits erreicht hat. „Mit insgesamt 25 Punkten pro Woche steigt die Wahrscheinlichkeit, gesund zu bleiben um bis zu 40 Prozent“, schreiben die Forscher und berufen sich auf die Auswertung von insgesamt 71 wissenschaftlichen Studien.

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Daten an die Praxis senden?

Derzeit arbeiten die Entwickler an einer neuen Funktion: Ärzte sollen in Zukunft die Daten aus der App auslesen können. "Gerade im klinischen Umfeld hat das während und nach der Reha den Vorteil, dass der Patient aktiv unterstützt werden kann", sagt Alexander Gehring, Ingenieur aus der Technik-Redaktion von movival gegenüber NetDoktor. Die Zugriffsrechte soll der Nutzer dabei selbst steuern können.

Die App ist als medizinische Produkt zertifiziert und für alle Smartphones erhältlich. Für ein Jahr kostet die Anwendung monatlich knapp 13 Euro. Einige Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten.

Vor dem Training ab zum Arzt!

Die App richtet sich an alle Krebspatienten – egal ob sie noch in Behandlung sind oder die Therapie bereits abgeschlossen haben. Vor dem Trainingsstart empfiehlt das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. „Noch ist nicht vollständig geklärt, welche Art von Training für welchen Krebspatienten in welcher Situation geeignet ist“, schreibt das dkfz.

Krebspatienten: Wann ist Sport tabu?

Wer gerade frisch operiert ist, sollte vorerst auf kräftezehrenden Sport verzichten. Befindet sich ein Patient in einer Strahlentherapie, sollte er mit dem Radiologen besprechen, ob zwischen den Sitzungen Sport zu empfehlen ist. Auch Chemotherapie-Patienten sollten vor Beginn des Sportprogramms Rücksprache halten. Bei Fieber, einem geschwächten Immunsystem, Gerinnungsstörungen und einer sinkenden Zahl roter Blutkörperchen könne körperliche Aktivität sogar gefährlich werden, so das dkfz.

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