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Alkoholschäden: Hirn leidet trotz Abstinenz

NetDoktor.de-Logo NetDoktor.de 19.05.2019 Lisa Vogel
Wer daran zweifelt, ob er möglicherweise ein Problem mit dem Konsum von Alkohol hat, sollte sich an Suchtexperten wenden. © dpa Wer daran zweifelt, ob er möglicherweise ein Problem mit dem Konsum von Alkohol hat, sollte sich an Suchtexperten wenden.

Alkohol zerstört weiße Hirnsubstanz

Das fand ein internationales Forscher-Team um Silvia De Santis des Instituto de Neurociencias de Alicante in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim heraus. Dazu durchleuchteten sie die Gehirne von 91 alkoholabhängigen Männern während der ersten sechs Wochen ohne Alkohol. 36 gesunde und nicht abhängige Männer dienten ihnen als Kontrollgruppe.

Mit einer speziellen Methode der Magnetresonanztomografie (MRT) machten die Wissenschaftler die Bewegung von Wassermolekülen im Gehirn sichtbar. Sie kann selbst kleinste Veränderungen in der weißen Substanz aufdecken. Die Untersuchungen zeigten: Alkohol schädigt ebendiese Substanz – sogar dann, wenn die Studienteilnehmer bereits sechs Wochen lang keinen Alkohol mehr getrunken hatten.

Trotz Abstinenz: Schäden schreiten fort

Die weiße Substanz besteht hauptsächlich aus Nervenfasern und verbindet die verschiedenen Hirnareale miteinander. Damit ist sie für die Körpersteuerung genauso wichtig wie für Lernprozesse oder die Gedächtnisbildung.

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Um die bei ihren Probanden registrierten Hirnschäden sicher der Alkoholwirkung zuordnen zu können, untersuchten die Wissenschaftler 36 Ratten mit der gleichen Methode. „Die Tiere zeigten im MRT die gleichen Hirnveränderungen wie unsere Patienten“, sagt Prof. Wolfgang Sommer, stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Psychopharmakologie und Oberarzt an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. Andere Einflussfaktoren wie Erkrankungen, Rauchen oder die Ernährungsweise kommen deshalb als Ursache nicht in Frage.

Gehirn leidet schon nach kurzer Zeit

Und die Schäden entstehen wahrscheinlich schneller als angenommen. Die Ratten im Experiment waren nur über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum dem Alkohol ausgesetzt. Trotzdem schritten die Schädigungen während des Entzugs weiter fort. „Das deutet darauf hin, dass bleibende Gehirnschäden viel früher auftreten können als derzeit angenommen“, sagt Sommer.

Maximal ein Bier pro Tag

Alkohol gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Krebs. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass bereits kleine Mengen großen Schaden anrichten. Das Risiko steigt mit der konsumierten Menge weiter an.

Männer sollten pro Tag nicht mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht etwa zwei kleinen Flaschen (0,33 Liter) Bier. Bei Frauen liegt die Grenze mit 12 Gramm deutlich niedriger. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung empfiehlt zudem, an mindestens zwei Tagen in der Woche komplett auf Bier, Wein und Co. zu verzichten.

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