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Corona-Infektion: Was bei einem Corona-Kontakt zu tun ist

ZEIT ONLINE-Logo ZEIT ONLINE 25.11.2021 Claudia Vallentin

Die Warn-App springt auf Rot, es gab also einen Risikokontakt: Wir erklären, was genau jetzt zu tun ist, wer Anspruch auf einen Test hat und für wen welche Regeln gelten.

Die Corona-Warn-App tut, was der Name verspricht: Sie warnt, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte. © Kira Hofmann/​dpa Die Corona-Warn-App tut, was der Name verspricht: Sie warnt, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte.

Eigentlich sollte nach fast zwei Jahren Pandemie klar sein, was zu tun ist, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Zumal dies mit steigenden Corona-Fällen immer häufiger der Fall ist. Aber es gibt weder die eine Anlaufstelle zum Anrufen noch eine Anordnung, die für alle gilt. Es gibt Unterschiede zwischen Bundesländern und Stadtbezirken, zwischen Geimpften und Ungeimpften und bei Quarantäneregeln. Vieles liegt im Ermessen des jeweiligen Gesundheitsamtes. Ist man eine laut Robert Koch-Institut "enge Kontaktperson", gelten zwei Dinge aber immer: eigene Kontakte reduzieren und bei Unklarheiten in der Hausarztpraxis, beim Gesundheitsamt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen und fragen. Die Leitung ist besetzt? Für die Wartezeit beantworten wir hier schon einmal die wichtigsten Fragen. 

Was ist eine enge Kontaktperson?

Das Coronavirus verbreitet sich hauptsächlich über die Luft, aber auch über den direkten Kontakt mit dem Sekret der Atemwege – zum Beispiel beim Küssen. Als enge Kontaktperson gilt man, wenn man sich zum Beispiel länger als zehn Minuten direkt im selben Raum mit einer infizierten Person aufgehalten hat oder kurz, nachdem die gegangen ist. Dann kann die Konzentration an infektiösen Aerosolen immer noch hoch sein. Aerosole sind winzige Tröpfchen, die sich nicht einfach absetzen, sondern wie der Geruch eines Parfums oder von frischem Kaffee so lange im Raum bleiben, bis man lüftet. 

Im Freien wiederum gilt: Hält man sich länger als zehn Minuten nahe einer infektiösen Person auf, gilt man ebenfalls als enge Kontaktperson – bei weniger als 1,5 Metern Abstand und ohne korrekt sitzende medizinische oder FFP2-Maske. Führt man darüber hinaus ohne den Schutz einer Maske ein Gespräch mit der Person, ist man, unabhängig von der Dauer des Gespräches, auch eine enge Kontaktperson.

Die Corona-Warn-App zeichnet solche Begegnungen im Hintergrund auf und ermittelt ein Gesamtrisiko für die Nutzerinnen. In diese Berechnung fließt zum Beispiel ein, wie lange man sich in der Nähe von anderen aufgehalten hat, die auch die App benutzen. Ist man in den vergangenen 14 Tagen einer Person begegnet, die einen positiven Corona-Test hatte, und war diese Begegnung lang genug, um sich potenziell zu infizieren, gibt die App die Warnung "erhöhtes Risiko" aus. Allerdings weiß die App nicht, ob man eine Maske getragen hat oder nicht. Außerdem kommt die Meldung oft erst Tage nach der Begegnung, wenn die infizierte Person von ihrer Ansteckung weiß und ihr positives Testergebnis in der App angegeben hat.

Ich glaube, ich bin infiziert – wen rufe ich an?

Wer Corona-Symptome hat oder Kontakt mit einer infizierten Person hatte, sollte sich testen lassen. Anlaufstellen sind sowohl die Hausarztpraxis als auch die Servicehotline der Kassenärztlichen Vereinigung 116117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst) und das zuständige Gesundheitsamt (welches das ist, lässt sich auf den Seiten des RKI abrufen). Die Leitungen sind wegen Überlastung allerdings oft belegt. Es ist dann keine gute Idee, noch schnell Weihnachtsgeschenke einkaufen zu gehen und es danach wieder zu probieren. Wer eine enge Kontaktperson ist, sollte die eigenen Kontakte eigenverantwortlich so weit es geht reduzieren und sich an die AHA+L-Regeln halten: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften. Außerdem sich selbst und mögliche Symptome beobachten und notieren, wen man wo in den vergangenen Tagen nach dem Risikokontakt getroffen hat. Bei Impfdurchbrüchen sind die häufigsten Symptome wahrscheinlich nicht mehr trockener Husten oder Geruchsverlust, Kurzatmigkeit und Fieber, sondern: eine laufende Nase, Kopfschmerz, Niesen und Halsschmerz.

Wer hat Anspruch auf einen kostenfreien Test?

Einen kostenlosen PCR-Test erhalten in jedem Fall alle, bei denen ein positiver Schnelltest vorliegt – dazu zählen auch die Selbsttests. Bei typischen Corona-Symptomen kann die Hausärztin ebenfalls einen PCR-Test anordnen. Ist man enge Kontaktperson oder hat sich in einer Einrichtung wie Schule, Kita, Krankenhaus oder Pflegeeinrichtung aufgehalten, in der eine Person mit Corona infiziert war, hat man auch Anspruch auf einen Corona-Test. Das muss aber nicht zwingend ein PCR-Test sein, sondern gegebenenfalls auch nur ein Antigentest.


Video: Neuer Höchststand bei den Corona-Infektionen in Deutschland (AFP)

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Welcher Test angewendet wird, entscheidet letztendlich die Person, die den Test anordnet, etwa der Arzt oder das Gesundheitsamt. Mit der roten Warnung der Corona-Warn-App kann man darüber hinaus auch selbst in ein Testzentrum gehen und hat den Anspruch auf einen kostenlosen Test. Auf den Seiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes findet man Links zu den Testmöglichkeiten im eigenen Bundesland. Darüber hinaus steht jeder Bürgerin und jedem Bürger seit Mitte November wieder einmal pro Woche ein Schnelltest in einem Testzentrum zu. 

Meine Corona-Warn-App zeigt in Rot "erhöhtes Risiko" – was bedeutet das?

Die App zeigt in zwei Fällen ein "erhöhtes Risiko" an: Entweder gab es in den vergangenen 14 Tagen eine ausreichend lange und nahe Begegnung mit mindestens einer Person, die positiv auf Corona getestet wurde. Oder es gab gleich mehrere Begegnungen mit positiv getesteten Personen in einem kurzen Zeitraum. Und hier reicht es schon, wenn man sie nur kurz getroffen hat oder sie weiter weg waren. Das heißt, eine kurze Begegnung an der Bushaltestelle würde vermutlich nicht zu einer roten Warnung führen, eine Veranstaltung im Freien, bei der mehrere später positiv getestete Personen mit Warn-App anwesend waren, aber schon. Kommt es zu der Warnung, sollte man seine Kontakte reduzieren und sich sobald wie möglich – bei aller gebotenen Vorsicht – im nächsten Testzentrum testen lassen. 

Wann und wie lange muss ich in Quarantäne?

In den meisten Bundesländern verpflichtet schon ein positiver Schnelltest zur Isolation, ebenso ein positiver PCR-Test. Die Länge der Quarantäne bestimmt die jeweilige Verordnung des Bundeslandes, des Landkreises oder des Stadtbezirks. Für Ungeimpfte kann auch bei einem Risikokontakt eine Quarantäne angeordnet werden, ohne dass ein Test vorliegt. Das RKI empfiehlt diese drei Optionen, wenn ein positiver Test, aber keine Symptome vorliegen: zehn Tage ohne abschließenden Test, fünf Tage mit PCR-Test am fünften Tag oder sieben Tage mit Antigen-Schnelltest (nicht Selbsttest). Ausgenommen sind davon Geimpfte und Genesene, sofern sie keine Symptome zeigen oder entwickeln und keinen positiven Test haben. Für positiv getestete Geimpfte kann ebenfalls Quarantäne angeordnet werden. Sollten sie aber keine Symptome haben, fällt diese in der Regel kürzer aus als für Ungeimpfte.

Bekomme ich für die Zeit der Quarantäne eine Krankschreibung?

Ist man Kontaktperson oder gar infiziert und braucht eine Krankschreibung für den Arbeitgeber, entscheiden die Krankheitssymptome über die jeweilige Anlaufstelle. Sind Krankheitszeichen vorhanden, kann die Ärztin ein Attest ausstellen, bei einer leichten Erkrankung momentan sogar telefonisch für bis zu sieben Tage, beziehungsweise 14, wenn die Krankschreibung telefonisch verlängert wird.

Hat man aber keine Symptome, darf der Arzt gar nicht krankschreiben, nicht einmal bei Vorliegen eines positiven Corona-Tests. Hier springt das Gesundheitsamt ein, das bei einem positiven Test eine Quarantäne anordnet und bei Bedarf eine Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellt. Das Gehalt kann dann weiter bezogen werden wie bei einer Krankschreibung. 

Wer zahlt die Tests während der Quarantäne?

Die kostenfreien Bürgertests, also Schnelltests in einem Testzentrum, stehen jeder und jedem einmal in der Woche zu. Gilt man als enge Kontaktperson, hat man ebenfalls Anspruch auf einen Test. Darüber hinaus stattfindende Testungen müssen entweder vom Arzt oder dem Gesundheitsamt angeordnet oder selbst bezahlt werden. Das heißt, ein Freitesten aus der Quarantäne ist nicht automatisch kostenfrei. 

Brauchen Geimpfte überhaupt die Corona-Warn-App?

Derzeit müssen Geimpfte und Genesene, wenn sie eine enge Kontaktperson sind oder ihre Corona-Warn-App in Rot "erhöhtes Risiko" anzeigt, nicht in Quarantäne – sofern sie symptomfrei sind und bleiben und nicht positiv getestet sind. Trotzdem ist die App weiterhin sinnvoll, denn auch Geimpfte und Genesene können sich mit dem Virus infizieren und andere anstecken. Eine freiwillige Kontaktreduzierung oder Quarantäne bei einer Warnung durch die Corona-App schützt in jedem Fall davor, das Virus weiterzutragen – auch bei Geimpften.

Mein Kind muss in Quarantäne – ich auch?

Wenn eine Person aus dem Haushalt in Quarantäne muss, weil sie enge Kontaktperson ist, müssen die anderen Mitglieder des Haushaltes nicht selbst in Quarantäne, egal ob geimpft oder ungeimpft. Das gilt, wenn sie keine Symptome haben und auch keine entwickeln und keinen positiven Test haben. Dennoch ist es zum Schutz anderer sinnvoll, die eigenen Kontakte so weit wie möglich zu beschränken. Wenn Kinder zu Hause betreut werden, weil sie krank oder in Quarantäne sind, können dafür die Kinderkrankentage in Anspruch genommen werden, die auf 30 Tage pro Kind und Elternteil, für Alleinerziehende auf 60 Tage pro Kind aufgestockt wurden. 

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