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„Hirnfressende Amöbe“: Ausbreitung durch Klimawandel vermutet

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 23.09.2022 Peter Stroß
© www.ksta.de

Der Ausgangspunkt war der Tod eines Kindes im Sommer 2022 in Nebraska. Gestorben war es, weil ein winziges Lebewesen in sein Gehirn vorgedrungen war – dort hatte der Einzeller Naegleria fowleri Spuren hinterlassen, die dem Kind keine Überlebenschance ließen.

Der als „hirnfressende Amöbe“ bekannte Parasit befällt Menschen nur selten, Forscher sind allerdings in Sorge. Sie vermuten, dass sich die in warmem, stehendem Wasser wohlfühlende Amöbe durch den Klimawandel ausbreitet.

Naegleria fowleri – die „hirnfressende Amöbe“

Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ mit Bezugnahme auf Wissenschaftler berichtet, unterstreiche der Fall die zunehmende Gefahr, die von Naegleria fowleri ausgehe. „Der Klimawandel begünstigt das Auftauchen der Amöbe in Teilen der Vereinigten Staaten, in denen sie normalerweise nicht vorkommt, wie im Norden und Westen“, sagt Charles Gerba, Mikrobiologe an der University of Arizona.

Der „Guardian“ verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2021, deren Fazit lautet, dass sich der amöbenartige Einzeller von den Südstaaten in die Gebiete des mittleren Westens ausbreitet. Wieso aber begünstigt der Klimawandel angeblich die Lebensumstände von Naegleria fowleri?

Klimawandel: Naegleria fowleri lebt in warmem Gewässer

Charles Gerba gibt die Antwort: „Naegleria wächst am besten in warmen Gewässern bei Temperaturen über 30 Grad und verträgt Temperaturen bis zu 46 Grad.“ Das immer wärmer werdende Klima begünstige demnach die Ausbreitung. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge lebe der Einzeller vornehmlich in Gewässern und Böden der Subtropen und Tropen verbreitet, könne aber auch in gemäßigten Zonen in natürlich oder künstlich erwärmten Süßgewässern auftreten.

Doch nicht nur die globale Erderwärmung an sich, auch die daraus resultierenden zunehmenden Wetterextreme könnten die Verbreitung begünstigen. „In den Dürregebieten konzentrieren sich die Krankheitserreger in den Gewässern, was Dosis von Krankheitserregern erhöhen könnte, wenn Menschen in Kontakt mit den Gewässern kommen“, sagt Yun Shen, Umweltingenieur an der University of California Riverside, dem „Guardian“.

„Hirnfressende Amöbe“ dringt durch die Nase in den Körper ein

Überschwemmungen könnten seiner Meinung nach dazu führen, dass der Erreger aus den Gewässern in Häuser oder ins Abwasser gelange. Eine Infizierung hat für Betroffene dramatische Folgen. Naegleria fowleri kann durch die Nase – beispielsweise beim Schwimmen oder Tauchen – in den Körper eindringen. Wandert der Einzeller dann weiter zum Gehirn, beginnt er Gewebe zu zerstören. Die Folgen sind lebensgefährliche Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten.

Die Erkrankung ist äußerst tödlich. Nach Angabender US-Gesundheitsbehörde CDC haben 1962 und 2020 nur vier von 151 Betroffenen die Infektion überlebt.

Naegleria fowleri bringt meist schnellen Tod – Entwarnung in Deutschland

Eine Hirnhautentzündung, in Fachkreise „Primäre Amöben-Meningoenzephalitis“ bezeichnet, tritt in den meisten Fällen innerhalb einer Woche auf und führt zu massivem Auftreten von Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteifheit. Der Tod tritt nach ersten Beschwerden im Schnitt innerhalb von fünf Tagen ein, Behandlungsmethoden gibt es kaum.

So dramatisch die Verläufe für Infizierte auch sind, Infektionen kommen trotz der Tatsache, dass der Einzeller relativ häufig vorkommt, äußerst selten vor. Die meisten Fälle wurden in den USA, Australien und Frankreich gemeldet, in Deutschland ist bislang kein einziger bekannt. Infektionen durch Verschlucken oder Trinken schließen Experten aus. Der Erreger ist nach bisherigem Wissensstand auch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

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