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Lauf-Kolumnist Mike Kleiß: "Mit dem Laufen lernte ich gut schlafen"

FIT FOR FUN-Logo FIT FOR FUN 25.11.2021 Focus.de Redaktion
© iStockphoto Unter Schlafstörungen hat Kolumnist Mike Kleiß nie gelitten. Dass das Laufen den Körper nachhaltig stärkt, ist nicht neu. Dass es uns gar besser schlafen lässt, hätte er sich nicht vorstellen können.

In der Regel habe ich keine schlaflosen Nächte, es sei denn, meine Hunde müssen mitten in der Nacht mal raus.

Oder der Vollmond scheint mir ins Gesicht.

Schlafen kann ich überall, und das ist ein Segen, denn: In Deutschland leidet jeder zehnte Arbeitnehmer an Insomnien, also schweren Schlafstörungen.

Frauen sind etwas öfter davon betroffen als Männer. Es geht nicht nur darum, nicht ein- oder durchschlafen zu können. Es geht auch und vor allen Dingen um die Schlafqualität. Bevor ich wieder mit dem Laufen anfing, hätte ich gefühlt immer gesagt: Mein Schlaf, meine Schlafqualität ist völlig in Ordnung. Erst das Laufen selbst zeigte mir, wie falsch meine Selbsteinschätzung damals war. Aber von vorn:

Wie ich schlafen lernte

Ich bin so oft gefragt worden: Warum läufst du denn täglich? Wäre nicht mal eine Pause besser? Wovor rennst Du eigentlich jeden Tag weg? Warum tust Du Dir das an? Und spätestens hier hätte ich sagen müssen: Damit ich besser schlafen kann! Also, unter anderem. Ich hätte auch viel einfacher antworten können: Weil es mir irre viel Spaß macht, oder: Weil es gesund ist. Bereits nach wenigen Tagen mit dem persönlichen „Konzept“ täglich zu laufen, stellte ich fest: Mein Schlaf war deutlich tiefer, fester, irgendwie intensiver. Menschen, mit denen ich darüber sprach, sagten: Du bist halt so fertig, dass Deinem Körper nix anderes übrigbleibt als der Schlaf. Ich verstehe den Punkt, das war und ist mir jedoch zu kurz gedacht.

Das tägliche Laufen hat dazu geführt, dass ich massiv Stress abbauen konnte. Mein Kopfkino, mit dem ich sehr oft ins Bett gegangen bin, war plötzlich einfach weg. Aber Vorsicht! Zunächst lief ich nach der Arbeit gegen Abend. Nicht allzu lange danach ging ich schlafen und stellte fest, dass mein Kopfkino größer denn je war.

Auf die Uhrzeit kommt es an

Recht bald wurde mir klar, was der wahre Übeltäter war. Schlicht und einfach der falsche Zeitpunkt des Laufens und des Trainings. Denn: Hierbei steigt der Puls, die Sauerstoffaufnahme steigt und der Körper schüttet Stresshormone aus. Diese sind für die Muskelanspannung verantwortlich, bewirken aber auch körperliche Unruhe. Auch noch mehrere Stunden nach der Belastung zirkulieren die Stresshormone in unserem Körper, die uns nicht schlafen lassen. Laut Experten sollten mindestens zwei bis drei Stunden zwischen Training und dem ins Bett gehen liegen. 

Danach stieg ich auf das Laufen am Morgen oder in der Mittagspause um. Teilweise nahm ich meine Laufsachen einfach mit ins Büro, machte etwas früher Schluss und anstatt mit dem Auto nach Hause zu fahren, lief ich. Der Schlaf wurde fortlaufend mehr und mehr mein zentrales Thema. Es ist kein Geheimnis, dass eben dieser maßgeblich für unsere Gesundheit ist. Nicht alleine die Länge der körperlichen Ruhezeit, auch die Qualität des Schlafes hat unmittelbaren Einfluss auf unsere Gesundheit. Vor allen Dingen unser Immunsystem wird direkt von gutem oder schlechtem Schlaf beeinflusst.

Wer mehr läuft, muss mehr schlafen

Wissenschaftler sind sich allerdings heute auch sicher: Wer zehn Kilometer läuft, braucht an diesem Tag circa 30 Minuten mehr Schlaf. Wer drei Mal die Woche zehn Kilometer läuft, braucht nicht nur mehr Schlaf, man wird auch mit einem deutlich besseren Tiefschlaf belohnt als alle die, die noch nicht so sportlich unterwegs sind.

Ein weiterer Punkt, um den Schlaf deutlich zu verbessern, ist die Ernährung. Alkohol zum Beispiel sorgt für einen oberflächlichen Schlaf. Cola oder Kaffeekonsum sind wahre Störenfriede. Zu spätes Essen macht den Schlaf nicht unbedingt besser. Für alle, die sich durch Zahlen und Fakten besser abholen lassen: In einer Studie wurden mehr als 2600 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 85 Jahren untersucht, die pro Woche insgesamt mindestens zweieinhalb Stunden Sport trieben.

Das Ergebnis sprach eine deutliche Sprache: Die Schlafqualität erhöhte sich um 65 Prozent – im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die sportlich nicht aktiv war. Besonders die Zahl der Leicht- und Tiefschlafphasen hatte sich erhöht. Man ist sich daher sicher: Sport ist nicht nur gut für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Ein moderates Sportprogramm sollte nach Möglichkeit auch Teil einer Therapie bei Schlafproblemen sein. Es muss ja nicht unbedingt jeden Tag sein. So läuft es.

© Mike Kleiß / Mike Meyer

Das ist unser Lauf-Kolumnist Mike Kleiß

Mike Kleiß treibt seit seiner Kindheit Sport. „Wer sich bewegt, erreicht mehr“, ist sein Lebensmotto. Das Laufen war immer sein Lieblingsthema. Seit sieben Jahren läuft er nahezu täglich zwischen 15 und 20 Kilometern, oft Marathon, manchmal Ultra-Marathon.

Bisher hat unser Kolumnist zwei Bücher zum Thema Laufen veröffentlicht. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur GOODWILLRUN. Mike Kleiß lebt mit seiner Familie in Hamburg und in Köln. 

Hier berichtet er von seinen Erfahrungen als Läufer, um andere zum Joggen zu motivieren.

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