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Von diesen fünf Therapien rät die Fachgesellschaft ab

Basler Zeitung-Logo Basler Zeitung 12.05.2021 Felix Straumann

Nicht nur Säureblocker werden zu häufig geschluckt: Als Teil der «Smarter Medicine»-Initiative veröffentlichen Allgemeinmediziner eine neue Übersicht.

Sprechstunde beim Arzt: Weniger Medizin kann manchmal auch mehr sein. © Foto: Christian Beutler (Keystone) Sprechstunde beim Arzt: Weniger Medizin kann manchmal auch mehr sein.

Säureblocker werden häufig eingenommen und sind dabei hoffnungslos überverschrieben. Das hat eine neue Studie der Universität Zürich soeben offengelegt und die Magenschutzmedikamente zu einem Paradefall für Überbehandlung gemacht. (Lesen Sie dazu: Schweizer schlucken Säureblocker zu lange und zu hoch dosiert.)

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) setzte die zu hoch dosierte Langzeitbehandlung mit Säureblocker bereits 2014 auf eine schwarze Liste mit fünf medizinischen Interventionen, die vermieden werden sollten. Ebenfalls darauf: voreiliges MRI bei Rückenschmerzen, Prostatakrebs-Screenings sowie Antibiotika bei viralen Infekten. Die Liste ist Teil der Schweizer Initiative «Smarter Medicine», mit der wie in anderen Ländern die medizinischen Fachgesellschaften Über- und Fehlversorgung von Patientinnen und Patienten vermindern wollen.

Vor kurzem hat die SGAIM eine neue Liste mit fünf weiteren Therapien und Untersuchungen veröffentlicht, von denen abgeraten wird:

Ab 75 Jahren keine neuen Cholesterinsenker

Betagte Patientinnen und Patienten ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung sollen nicht neu mit cholesterinsenkenden Statinen behandelt werden. Aus diesem Grund sind ab 75 auch Cholesterinmessungen nicht sinnvoll. «Der Nutzen ist gering oder fehlt sogar ganz, dafür können Muskelschmerzen und seltener schwere Nebenwirkungen auftreten», sagt Stefan Neuner-Jehle vom Institut für Hausarztmedizin an der Universität Zürich, der bei der SGAIM-Liste federführend war.

Bei vorderen Knieschmerzen mit MRI zuwarten

Eine MRI-Untersuchung ändert nichts daran, wie schnell oder gut das Knie heilt. «Es sollte einfach zugewartet oder konservativ therapiert werden», sagt Neuner-Jehle. Eine MRI-Untersuchung hat hingegen das Risiko von falsch positiven Befunden, die unnötige, riskante und kostspielige Eingriffe zur Folge haben. Für Unfallpatienten gilt die Empfehlung nicht.

Zurückhaltung bei Eisenbehandlung und -infusionen

Wenn die Eisenspeicher gut gefüllt sind (Ferritinwert über 15 Mikrogramm pro Liter), keine Blutarmut und keine Symptome vorhanden sind, sollen keine Eisenpräparate verschrieben werden. «Selbst bei Müdigkeit und Leistungsabfall ist der Nutzen fraglich, wenn die Blut- und Eisenwerte stimmen», sagt Neuner-Jehle. Wegen der Risiken und der Kosten sollten Eiseninfusionen erst zum Einsatz kommen, wenn Eisenpräparate in Form von Tabletten oder Tropfen nicht weitergeholfen haben.

«Wenn keine Risiken für einen Vitamin-D-Mangel vorhanden sind, hat eine präventive Einnahme keinen Nutzen», sagt Stefan Neuner-Jehle vom Institut für Hausarztmedizin an der Universität Zürich. © Foto: Keystone «Wenn keine Risiken für einen Vitamin-D-Mangel vorhanden sind, hat eine präventive Einnahme keinen Nutzen», sagt Stefan Neuner-Jehle vom Institut für Hausarztmedizin an der Universität Zürich.

Keine Vitamin-D-Tests bei Personen ohne Risikofaktoren

Die Messungen sind nur sehr selten sinnvoll, verursachen Kosten und haben kaum je einen Einfluss auf das empfohlene Vorgehen beim Arzt. «Wenn keine Risiken für einen Vitamin-D-Mangel vorhanden sind, hat eine präventive Einnahme keinen Nutzen», sagt Neuner.

Keine Gesundheitschecks ohne Symptome

Check-ups bei Gesunden ohne besonderen Verdacht bringen gemäss Studien nichts, haben aber das Risiko von unnötigen Behandlungen und verdächtigen Befunden, die sich nach aufwendigen Abklärungen als Fehlalarm herausstellen. Ausnahme: etablierte Screenings (gewisse Krebsarten, Blutdruck, Cholesterin) und Lebensstilberatungen.

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