Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Digitale Geräte im Corona-Zeitalter: Wie viel Fernsehen, Zocken und Youtube für Kinder jetzt ok sind

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 23.03.2020 Moritz Meyer
© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland

Unser Autor Moritz Meyer ist Vater von zwei Kindern im Grundschulalter, gibt Kurse für Eltern, wie man mit digitalen Medien zu Hause umgeht und arbeitet mit Kindern und Jugendlichen in Medienprojekten. Hier teilt er einige seiner Erfahrungen. 

In vielen Familien sind sie sicher bereits in vollem Gange: Diskussionen darüber, wie viel Fernsehen, Zocken, Youtube Gucken und Smartphone jetzt OK sind. 

Eine Sache muss ich vorweg schicken. Bewegung an der frischen Luft (immer im Rahmen der geltenden Einschränkungen), erstmal die Schularbeiten machen, auch mal ein Buch lesen, sind super sinnvoll für Kinder und Jugendliche in jedem Alter. Das versteht sich von selbst. 

Mit diesem Text möchte ich konkrete Tipps für einen bewussten Umgang mit digitalen Geräten geben. Das heißt nicht, dass ich dafür bin, Kids einfach vor dem Bildschirm zu parken. 

Die Eltern sind Vorbilder

Bevor Eltern sich Gedanken über ihre Kinder machen, sollten sie auf sich selber schauen. Gerade in Krisenzeiten achten Kinder genau drauf, was die Eltern machen und orientieren sich daran. 

Aktualisiert Papa wie ein Süchtiger selbst beim Essen noch den Corona-Liveticker? Checkt Mama nervös alle zwei Minuten WhatsApp-Chats ab, ob es auch allen gut geht? Dann darf man sich nicht wundern, wenn sich dieses Medienverhalten auf die Kinder überträgt. Auch für Eltern gilt: die Screentime im Griff haben.

Gemeinsam gucken statt alleine

Wenn überall Social Distancing passiert, sollte man sich zu Hause nicht auch noch aus dem Weg gehen. Morgens zusammen mit der Familie das Sportprogramm von ALBA Berlin auf Youtube zu absolvieren, tut sowieso allen gut. Abends müssen die Eltern nicht alleine The Walking Dead bingen, sondern die ganze Familie kann sich wie zu besten "Wetten, dass…?"-Zeiten vor Netflix, Amazon oder den Mediatheken versammeln.

Und natürlich zockt der 14-Jährige Sohn am liebsten mit den Kumpels Fortnite. Aber ich glaube, so manche Eltern werden eine positive Überraschung erleben, wenn sie fragen, ob man nicht mal gemeinsam im Wohnzimmer eine Runde FIFA spielen wolle? 

Tipps für Screentime bei Kita- und Vorschulkindern

In diesem Alter können Kinder sich noch nicht lange alleine beschäftigen. Wenn die einstündige Videokonferenz mit dem Team ansteht, ist die Verlockung darum besonders groß, den Kurzen einfach Handy oder Tablet in die Hand zu drücken und gut ist. 

Länger als zwanzig bis dreißig Minuten sollte man ein Kind in dem Alter eigentlich nicht alleine mit digitalen Medien lassen. Dann lieber die Kollegen bitten, das Meeting zu verkürzen. In der aktuellen Situation müssen alle Opfer bringen. Da darf auch die Firma flexibler sein. 

Lest auch: Um zu glücklichen Erwachsenen zu werden, brauchen Kinder keine Konsequenzen — sondern etwas ganz anderes

Wer mal länger Zeit für sich braucht: Audible hat eine ganze Menge Hörspiele für Kids kostenlos bereitgestellt. Auch die Öffentlich-Rechtlichen Radiosender bieten viele Hörspiele für Kinder als Podcast an. Wenn es gar nicht anders geht, sollte man die Inhalte für lange Video-Sessions aber besonders sorgfältig aussuchen. 

Zwei Regeln: genau hinschauen — und nicht das eigene Smartphone geben

Grundsätzlich sollten in dem Alter die Mediatheken des Kikas und den Angeboten anderer Kindersender ausreichen, um den Bedürfnissen und Sehgewohnheiten der ganz jungen Zuschauer zu entsprechen. Kindgerechte Apps wie “Die Raupe Nimmersatt” oder die “Maus-App” eignen sich, um erste Versuche mit Apps und Spielen zu machen. 

Wer kleine Kinder Youtube gucken lässt, sollte unbedingt die spezielle, kostenlose Youtube Kids App nutzen, in der nur Inhalte sind, die für Kinder geeignet sind. Das heißt nicht, dass sie pädagogisch wertvoll sind. Aber zumindest sind sie nicht gefährlich oder verstörend. Die Nutzungsdauer lässt sich außerdem mit einem Timer einstellen, so dass nichts aus dem Ruder laufen kann, falls man selber mal die Zeit vergisst. 

Auch Angebote wie das (kostenpflichtige) Amazon Freetime geben die Möglichkeit, Nutzungszeit und Inhalte für Kinder sehr einfach zu regulieren.

Wovon ich abrate: Kindern das eigene Smartphone zum Spielen zu geben. Das Elterngerät wird dann zum Kinderspielzeug. Ist das einmal passiert, wird man die Frage: “Mama, Papa, darf ich ein Handy?” nicht mehr los. Besser ist es, gleich ein eigenes Tablet für die Familie anzuschaffen. Darauf lassen sich Accounts für die Kinder einrichten, in denen App-Nutzung oder In-App-Käufe eingeschränkt werden können. 

Tipps für Screentime bei Grundschulkindern

Die Kinder werden größer und selbständiger. Und damit ändert sich auch das Medienverhalten. Manche haben bereits ein eigenes Smartphone. Und wenn man sie in Ruhe lässt, können sie sich stundenlang alleine mit digitalen Geräten beschäftigen. Aber Vorsicht: Was in diesem Alter erlernt wird, das bleibt. Und ist nur mit viel Mühe wieder abzutrainieren.

Lernapps: Anton, Englisch lernen mit Conni oder ein einfacher Schachtrainer: Möglichkeiten, den Kindern mit Apps was beizubringen und Lerninhalte sinnvoll in die Medienzeit zu integrieren, gibt es genug. Das Deutsche Jugendinstitut hat eine gute Datenbank entwickelt, die Eltern dabei hilft, die richtigen Apps für die Kinder rauszusuchen.

Spielraum lassen: Nichts ist nerviger, als jeden Tag aufs Neue zu diskutieren, ob man “was gucken” oder “die Switch darf”. Auch Regeln wie “eine halbe Stunde Konsole pro Tag” können schnell zu endlosen Diskussionen führen (“Nur noch ein Level!”). Kinder leben nicht im gleichen Stundentakt wie Erwachsene. 

Bei uns zu Hause hat es sich bewährt, den Kindern ein Kontingent zu geben, über das sie selbst entscheiden können, zum Beispiel: Drei Stunden Konsole für eine Woche. Sehr hilfreich ist eine Tafel oder Tabelle im Wohnzimmer, auf der die Kinder die gespielte Zeit selber sehen und auch eintragen können. 

Wichtig für die Eltern: Dann muss man auch akzeptieren, dass mal zwei Stunden am Stück gezockt wird. Jetzt muss man nur noch durchsetzen, dass die Konsole dann auch für den Rest der Woche aus bleibt. 

Tipps für Screentime bei Teenagern

Sobald die Kinder im Teenager-Alter sind, ist es Zeit für einen Perspektivwechsel: Nicht die Eltern sind mit ihren Kindern eingesperrt. Die Kinder sind mit ihren Eltern eingesperrt. Jugendliche brauchen Smartphone, Gaming und Social Media jetzt besonders, um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Das sollte man respektieren und unterstützen. Aber die Eltern können aufpassen, dass aus Instagram, Youtube und TikTok kein gefährliches Rabbit Hole wird. 

Lest auch: Wer mental starke Kinder großziehen will, sollte diese 5 Sätze nicht sagen

Über News und Fake-News sprechen: Bei gemeinsamen Mahlzeiten (die sollte es immer geben!) kann man über aktuelle Infos sprechen, zum Beispiel auch, was gerade im Klassenchat geteilt wird. Wenn man das Gefühl hat, dass das in die falsche Richtung läuft, sollte man das nachprüfen und im Ernstfall intervenieren. Spätestens, wenn Verschwörungstheorien die Runde machen, ist es Zeit, trotz Schulschließung den oder die Klassenlehrer*in zu kontaktieren.

Rein in die Welt von TikTok, Youtube & Co.: Welchen TikTok-Stars folgen die eigenen Kids eigentlich? Was sagen Influencer*innen auf Instagram zur aktuellen Situation? Wie äußern sich die Streamer auf Twitch? Wer sich noch nie dafür interessiert hat: Jetzt ist der Zeitpunkt, das zu ändern. 

Und es muss nicht nur Kontrolle sein: Statt abends alle zum Tagesschau gucken zu zwingen oder gar jeden in der Familie alleine auf seinem Handy rumwurschteln zu lassen, kann man sich gemeinsam die Infokanäle junger Menschen reinziehen. Youtuber wie Mr. Wissen2Go oder Kurzgesagt - In a Nutshell bringen genauso zuverlässige Informationen zur aktuellen Lage wie die etablierten Medien. Und sind dabei auch noch sehr unterhaltsam.

Kinder Tablet © ESB Professional/Shutterstock Kinder Tablet
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Business Insider Deutschland

Business Insider Deutschland
Business Insider Deutschland
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon