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Kulinarische Reise daheim: Curry und Bananenblätter gegen das Fernweh

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 28.12.2020 Vera Kraft
Wenn schon das Reisen nicht möglich ist, so doch zumindest das Zubereiten exotischer Gerichte aus aller Welt. © Gräfe Und Unzer/Silvio Kneze/dpa-tmn Wenn schon das Reisen nicht möglich ist, so doch zumindest das Zubereiten exotischer Gerichte aus aller Welt.

Nicht nur das Essen selbst ist unterschiedlich - auch die Rolle von Einkauf, Zubereitung und Gemeinschaft variiert von Kultur zu Kultur. Für viele Reisende gibt es daher kaum etwas Schöneres, als über bunte Märkte zu schlendern, fremde Düfte zu schnuppern und einheimische Gerichte zu probieren.

Drei Kochbuchautorinnen ist es gelungen, neben den Rezepten auch dieses besondere Gefühl festzuhalten. Sie erzählen, warum Reisen und Essen zusammengehören und wie man auch in der eigenen Küche auf kulinarische Entdeckungsreise gehen kann.

Mit Kochlöffel und Kamera quer durch Afrika

Mit dem Geländewagen durch die Wüste rasen, vermeintlich authentische Afrika-Aufnahmen knipsen und anschließend im Luxushotel dinieren: Darauf hat Fotografin Maria Schiffer auf ihren Reisen in Afrika verzichtet. Stattdessen ist sie mit dem Bus gefahren, hat in günstigen Pensionen geschlafen und häufig an fremde Haustüren geklopft und gefragt: „Wollt ihr mit mir kochen?“

bananenblätter gegen fernweh rolle © Maria Schiffer/DK Verlag/dpa-tmn bananenblätter gegen fernweh rolle

Schiffer ist überzeugt: Kaum etwas verbindet die Menschen so sehr wie Essen. In ihrem Kochbuch „Eating with Africa“ hat sie daher nicht nur Rezepte, sondern vor allem Geschichten über Menschen und ihren Alltag gesammelt. Ihr Ziel sei es gewesen, „ein Gefühl für diesen Kontinent“ zu bekommen - 54 Staaten mit etwa 1,3 Milliarden Bewohnern.

Ein Jahr lang flog die deutsch-amerikanische Fotografin immer wieder nach Afrika und kochte mit Menschen in zehn Ländern, von Marokko über Malawi bis Südafrika. „Ich weiß immer noch viel zu wenig über Afrika“, sagt Schiffer. „Aber mit den persönlichen Geschichten lassen sich Vorurteile abbauen - und jeder versteht Essen.“

Eine Art zu reisen und zu speisen, die verbindet

Schiffer hatte lediglich ein Tagesbudget von 80 Euro zur Verfügung und war deshalb auf öffentliche Verkehrsmittel und billige Unterkünfte angewiesen. Doch letztendlich war es genau diese Art zu reisen, die sie wirklich zu den Menschen gebracht hat.

Egal, ob im Zug, Sammeltaxi oder der Pension: Schiffer hat mit den Leuten geredet und nicht selten die nächste Familie kennengelernt, die ihr ein neues Gericht zeigen konnte. „Die Idee von dem Kochbuch kam gut an. Ich wurde immer herzlich empfangen und oft wurde aus dem Kochen ein richtiges Event“, erzählt die Fotografin.

Bei der Zubereitung kann man viel Neues lernen: In Uganda werden beispielsweise viele Eintöpfe in Bananenblätter eingeschlagen und über dem offenen Feuer gegart. Viele der Zutaten bekäme man im normalen Supermarkt oder sonst in einem afrikanischen oder asiatischen Laden, sagt Schiffer. Manches lässt sich aber auch leicht ersetzen: Statt in Bananenblätter kann man den Eintopf auch in Backpapier einschlagen. „Ich habe viel ausprobiert, das Kochen hat mich oft aus meiner Komfortzone gebracht“, sagt Schiffer.

Seit sie wieder in Berlin ist, kocht sie öfters für Freunde als zuvor - sogar ein Online-Kochevent hat sie schon veranstaltet.

Kochen wie in Thailand

Auch in Thailand hat Essen eine andere Bedeutung als in Europa. Man nimmt sich mehr Zeit, sagt Pratina Kross, genannt Meo. Sie kommt aus dem Süden Thailands, ist gelernte Hotelfachfrau und Ernährungsberaterin und betreibt in Berlin das thailändische Restaurant „Dao“ sowie eine Kochschule. Reisen und die Speisen der Welt kennenlernen gehört für sie zusammen: „Mit den kulinarischen Spezialitäten der einzelnen Länder nehmen wir gewissermaßen Kontakt mit den dort lebenden Menschen auf.“

Kross reist selbst gerne, interessiert sich für die lokalen Kulturen und versucht, auf ihren Reisen Inspiration für die eigene Küche zu finden. Besonders stolz macht es sie, wenn es ihr gelingt, in einem Rezept verschiedene Kulturen zu vereinen.

Thailändisches Flair in die eigenen vier Wände bringen

In ihrem Restaurant stillt sie nicht nur ihr Heimweh, sondern vor allem auch das Fernweh der Gäste: „Ich erhalte oft die Rückmeldung, dass der Besuch in meinem Restaurant kurzzeitig ein Thailand-Urlaubsfeeling gebracht hat“, sagt Kross.

Essen ist ein wichtiges kulturelles Erlebnis, findet die Köchin: Jede Kultur identifiziere sich unter anderem über ihre kulinarischen Spezialitäten. „So ist es auch mit der Essenskultur in Thailand. Natürlich müssen wir uns den Gepflogenheiten der Deutschen und Europäer hier in Berlin anpassen.“

kochen gegen fernweh © dpa-tmn kochen gegen fernweh

Mit einem kleinen Roller und dem Beistellwagen als Grill durch die Straßen Berlins fahren, am Straßenrand anhalten und Streetfood nach thailändischer Art verkaufen, das wäre zwar „eine klasse Sache“, sagt Kross - würde aber wohl zu Komplikationen mit den Behörden führen.

In ihrer südostthailändischen Heimat würde Kross das Essen am Strand servieren, während nebenbei Tänzerinnen und Tänzer in Kostümen original thailändische Kulturtänze vorführen. Wenn aber aktuell wegen der Pandemie das Restaurant geschlossen bleiben muss, fehlen ihr die Räume, um ihre Heimat den Gästen nahe zu bringen.

Lieferservice sei die eine Möglichkeit, um das thailändische Flair in die Wohnungen zu bringen - selber kochen ist die andere Lösung. In ihrem Kochbuch „Kochen wie in Thailand“ beschreibt die Autorin, wie sich traditionelle Gerichte wie Pad Thai und Garnelen-Curry am besten nachkochen lassen. Und bei den Bilderstrecken, die das lebhafte Thailand zeigen, kommt auch das Urlaubsgefühl nicht zu kurz.

Italien ist der deutsche Sehnsuchtsklassiker

Das Nachbarland Italien gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Pizza und Pasta kommen zwar auch hierzulande gerne auf den Teller, doch wer sich intensiv mit der italienischen Küche beschäftigt, wird feststellen: Die Variationen sind grenzenlos.

bananenblätter gegen fernweh salat © Kristina Gill/Südwest Verlag/dpa-tmn bananenblätter gegen fernweh salat

Katie Parla hat italienische Gastronomie studiert, wortwörtlich. Sie hat sich an einer italienischen Universität zur Pädagogin für Lebensmittel und Getränke fortgebildet. Die Food-Bloggerin, die ursprünglich aus New Jersey kommt, wohnt seit knapp 20 Jahren in Rom und sagt, für sie sei Essen alles: „Meine Karriere, meine Leidenschaft, meine tägliche Struktur.“

Nach 20 Jahren in Italien könnten sie die italienischen Gerichte aber kaum noch überraschen, erzählt Parla. „Reisen bedeutet für mich daher, in eine neue Esskultur einzutauchen. Ich mag es, wenn ich aus meiner Komfortzone geholt werde.“ Eine Herausforderung sei es für sie, dorthin zu reisen, wo sie die Sprache nicht beherrsche. „An einem neuen Ort zu essen, ist eine schnelle Möglichkeit, sich wie ein Einheimischer zu ernähren und eine gemeinsame Erfahrung mit den Menschen an diesem Ort zu machen.“

Fast wie in Rom

In ihren Kochbüchern stellt Parla traditionelle italienische Rezepte vor, die den Geschmack und Duft des Italien-Urlaubs in die eigene Küche bringen sollen. Natürlich könne nichts die Pizza Napoletana in Neapel oder Cacio e Pepe - ein schnelles Pastagericht mit Parmesan - in Rom ersetzen. „Aber man kann schon ziemlich nah drankommen, wenn man die Rezepte übt und perfektioniert.“

Für die Journalistin ist klar: Essen ist Kultur und Essen verbindet Menschen - auch über Zeiten hinweg. Mit einem traditionellen Gericht könne man sich auch den Menschen verbunden fühlen, die dieses Gericht schon vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gegessen haben.

Für das perfekte italienische Dinner empfiehlt Parla ein traditionell römisches Menü: Carbonara, dann Picchiapo (Rindfleischeintopf) oder Coda alla Vaccinara (Ochsenschwanzeintopf) mit gedünsteten Löwenzahnblättern. Dazu ein guter italienischer Wein - serviert in Wassergläsern - und Musik von Renato Zero. Und schon lässt sich das Fernweh leichter ertragen. (dpa/tmn)

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