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Platzwunder: Beata Heuman verrät, wie man eine kleine Küche einrichtet

AD Magazin - Architectural Digest-Logo AD Magazin - Architectural Digest 26.03.2020 Karin Jaeger

Einrichtungsideen

Beata Heuman © Beata Heuman Beata Heuman

AD: Welche Rolle spielt die Größe des Raums bei der Planung einer Küche? Gehen Sie eine Mini-Küche anders an als eine größere?

Beata Heuman: Wenn die Küche richtig klein ist, muss man erst mal alles unterbringen, was absolut unentbehrlich ist, zum Beispiel eine anständige Spüle. Danach kann man schauen, was sich noch draufpacken lässt. Und dann muss man sich natürlich Gedanken darüber machen, wie man den Raum bestmöglich ausnutzt – Stichwort Stauraum.

In einem Apartment in Paddington haben Sie eine winzige, aber extrem charmante Kombüse gestaltet. Welche Gedanken und Inspirationen sind in diese Mini-Küche eingeflossen?

Unsere Auftraggeber haben uns ein Briefing gegeben, das nur so vor Inspiration sprudelte – vom Guggenheim-Museum in Venedig bis zum Chateau Marmont in LA. Auch der Stil von Carlo Scarpa gefällt ihnen gut – die halbrunde Wandverkleidung haben wir uns als kleine Verbeugung vor seinem Werk überlegt. Sie ist das Erste, was den Blick anzieht, wenn man die Wohnung betritt, und wir wollten damit das Signal senden, dass man sich hier in eine andere Welt begibt. Damit es nicht zu gekünstelt wirkt, haben wir relativ schlichten Carrara-Marmor gewählt. Auch die aufgesetzten Borde lassen das Ganze etwas lockerer wirken – ganz abgesehen davon, dass sie auch praktisch sind! Außerdem geben sie den Kunden die Möglichkeit, die Atmosphäre zu verändern, indem sie sie neu bestücken und stylen.

Beata Heuman © Beata Heuman Beata Heuman

Haben Sie die Küchenmöbel maßfertigen lassen?

Wir arbeiten immer mit einem Schreiner zusammen, wenn wir Küchen designen. So haben wir mehr Freiheit und können unkonventionellere Ideen umsetzen, als wenn wir auf vorgefertigte Schränke angewiesen wären. In Paddington haben wir zum Beispiel ein Abtropfgitter in die Ecke neben den Oberschränken gequetscht und extraschmale Schubladen rechts neben dem Herd untergebracht.

Beata Heuman © Beata Heuman Beata Heuman

Was für Lichtquellen finden sich in der Küche?

Eine Schiene mit Spots an der Decke, eine Wandleuchte neben der Marmorfläche und ein LED-Strip unterhalb der Oberschränke; und die Abzugshaube hat eine eigene Beleuchtung.

Sie haben hier auf engem Raum mindestens drei verschiedene Farben und Texturen kombiniert. Weshalb?

Lackierte Schränke, Marmor für Arbeitsplatten und Spritzschutz und oben an der Wand eine bräunliche Seegras-Tapete. Eigentlich ist das ein relativ schlichtes Farbschema – es wirkt vielleicht nur wilder, weil das Grün so ungewöhnlich ist. Wir sind auf diese Palette gekommen, weil die Küche ja kein Fenster hat. So suggerieren wir eine Verbindung zur Natur. Und wenn die Wohnung schon so klein ist, wollten wir mit den tiefen Farben wenigstens das Gefühl verstärken, in einem schützenden Kokon geborgen zu sein.

Beata Heuman © Beata Heuman Beata Heuman

Haben Sie den Durchbruch zwischen Küche und Wohnbereich eingefügt? Und gab es die Überlegung, stattdessen die Wand ganz zu entfernen und die Küche komplett zu öffnen?

Dieser Bogen war schon da. Aber ganz öffnen konnten wir die Küche nicht, weil wir eine Theke brauchten – um die Waschmaschine darunter zu verstecken! Außerdem bietet sie zusätzliche Arbeitsfläche und macht sich auch noch nützlich als Bar fürs Frühstück oder abends für Drinks. Ich weiß schon, es gibt das Klischee, ein Raum würde größer wirken, wenn man ihn möglichst wenig unterteilt – aber ich finde, das stimmt nicht: Gerade in kleinen Wohnungen kann man Räume gut in Bereiche aufteilen. So lassen sie sich besser und individueller nutzen, und dadurch wirkt wiederum der Raum großzügiger, obwohl man ja rein technisch betrachtet weniger freie Bodenfläche hat.

Wie verhindert man allgemein, dass eine „Kombüse“ eng und vollgestopft wirkt?

Maximieren Sie den nutzbaren Platz, so wie wir es etwa mit dem Tresen gemacht haben. Damit es sich großzügig anfühlt, sollte man sich aber andererseits auch möglichst viel Bewegungsfreiheit verschaffen. Finden Sie heraus, welche Eigenheiten der Raum hat, die ihn zu etwas Besonderem machen, und heben Sie die dann besonders hervor. Machen Sie also das Beste aus dem, was da ist!

Wenn man eine Wohnung mit einer sehr schlichten oder schlimmstenfalls sogar hässlichen Küche mietet: Wie kann man ihr ohne größere Umbauten etwas Persönlichkeit geben?

Ein Klassiker sind die Griffe: Sie lassen sich relativ günstig austauschen. Oder der Kühlschrank: Nutzen Sie ihn als Pinnwand, dekorieren Sie ihn mit Postkarten, Fotos und Eintrittskarten; so habe ich es in meiner früheren Wohnung auch gemacht!

Sollte man überhaupt mit aller Macht versuchen, eine Mini-Küche größer aussehen zu lassen? Kann man sie stattdessen nicht auch zu einem „Schmuckkästchen“ machen?

Darauf gibt es keine allgemein gültige Antwort – beides geht. In Paddington haben wir uns fürs Schmuckkästchen entschieden, dort hatten wir eigentlich auch keine andere Wahl. In meinem eigenen Haus dagegen habe ich eine Glasdecke und ein rundes Fenster eingefügt, das lässt den Raum weiter wirken. Es kommt immer darauf an, was der Raum mitbringt und was möglich ist ohne Kompromisse bei der Funktionalität zu machen.

Wie klein war die winzigste Küche, die Sie bisher gestaltet haben?

Diese hier ist schon eine der kleinsten. Eine fällt mir ein, die noch etwas kleiner war. Damals habe ich mir japanische Wohnprojekte angesehen: In Tokio gibt es winzige Apartments, die viel Inspiration bieten. Es war ziemlich mühsam, irgendwie alles unter einen Hut zu bringen – aber umso befriedigender, als wir am Ende eine Lösung gefunden haben!

Beata Heuman © Beata Heuman Beata Heuman
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