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Warum macht uns unser Garten glücklich?

Freundin-Logo Freundin 20.04.2021 Cynthia Nebel

Gärtnern ist oft anstrengend und manchmal von Misserfolgen und Rückschlägen geprägt – und dennoch erfüllt es uns mit tiefer Zufriedenheit. freundin Expertin Cynthia Neben überlegt, warum uns unser Garten glücklich macht

Warum uns unser Garten glücklich macht istockphoto © istockphoto Warum uns unser Garten glücklich macht istockphoto

Allein der Gedanke an den Garten macht glücklich

Bevor unser Garten entsteht, machen wir meist viele Pläne, verwerfen sie wieder, holen uns Rat, beginnen von vorne, verändern noch einmal und haben schließlich eine Vorstellung davon, wie unser Traumgarten aussehen soll. Allein der Gedanke an unseren zukünftigen Garten, an die Stunden, die wir dort verbringen werden, zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Wir können es kaum erwarten, bis es endlich an die Umsetzung geht. Am liebsten wäre es uns, es wäre sofort alles fertig.

Das Glück ist oft sehr langsam

Wir sind es schließlich gewohnt, immer schnell zu sein und alles sofort zur Verfügung zu haben. Antworten und Pakete sollen möglichst sofort geliefert werden. Beim Reisen ist schon lange nicht mehr der Weg das Ziel und niemand schaut mehr entspannt aus dem Zugfenster, um die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Das geduldige Warten haben wir einfach verlernt. Die wenigsten Menschen merken, dass sie sich dadurch im Dauerstress befinden.

Wie wohltuend wirkt es sich auf unsere Seele aus, wenn wir akzeptieren müssen: Ein schöner Garten braucht Zeit! Ja, das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Der Garten- und Landschaftsbauer hat nicht sofort Zeit. Wenn wir selbst Hand anlegen, opfern wir zwar jede freie Minute, aber davon haben wir neben unserem Alltag nicht unendlich viele.

Was bleibt uns im Garten also anderes übrig, als uns darauf einzulassen, dass wir hier der Langsamkeit ausgeliefert sind. Und es gelingt uns: Geduldig schauen wir zu, wie die Umsetzung langsam Gestalt annimmt. Und wenn dann endlich alles fertig ist, wartet die nächste Geduldsprobe auf uns: Die Natur bestimmt ihr Tempo selbst und wir freuen uns über jeden noch so kleinen Fortschritt, wenn die noch kleinen Pflanzen endlich wachsen und ein Obstbaum endlich Früchte trägt.

Demut macht glücklich

Natürlich könnten wir auch einfach ausgewachsene Exemplare kaufen. Aber abgesehen davon, dass der Spruch, alte Bäume nicht zu verpflanzen, durchaus seine Berechtigung hat, bringen wir uns damit um eine wesentliche Möglichkeit, tiefes Glück zu empfinden.

Wie groß ist die Freude bei Groß und Klein, wenn einige Zeit nach der Einsaat die ersten grünen Spitzen aus der Erde schauen. Wie viel Begeisterung ruft der erste Apfel hervor, der brüderlich und schwesterlich in der Familie geteilt wird – es ist ein wahres Fest. Dies empfinden wir nie wieder, wenn wir nach ein paar Jahren gar nicht mehr wissen, wie wir die ganze Ernte verarbeiten sollen.

Und wie groß ist das Glücksgefühl, wenn nach einem langen Winter die ersten Pflanzen wieder sprießen und die gesetzten Zwiebeln tatsächlich aus der Erde kommen, das erste Mal blühen und den Frühling einläuten.

Es ist die Demut vor den Gesetzen der Natur, die wir klaglos akzeptieren und das Glück ist dafür umso größer, als wenn wir Einfluss nehmen und die Entwicklung selbst bestimmen könnten.

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Warum die Gesetze der Natur unser Glück sind

Die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen, die wir nur mit sehr viel Aufwand überlisten können. So lässt sich ein Beet mit Hortensien in der Sonne anlegen, aber wir werden feststellen, dass wir nicht nur große Mengen an Wasser liefern müssen, sondern die Pflanzen sich auch nie so entwickeln werden, wie bei einer standortgerechten Pflanzung. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Sonnenanbeter kümmern im Schatten – egal wie viel Dünger wir ihnen geben. Gehölze, die von Natur aus stattliche Größen entwickeln, lassen sich erst einmal künstlich klein halten. Dies beschert uns aber nicht nur viel Schnittarbeit – auch werden wir nach Jahren auf immer unansehnlichere Pflanzen schauen, wenn aus alten Stämmen der Austrieb ausbleibt oder die Hecken nur aus dicken Ästen und wenigen Blättern bestehen.

Wer dagegen mit den Ansprüchen der Pflanzen gärtnert, hat große Chancen auf Erfolg. Ganz nebenbei lernen wir, dass es auch sinnvoll sein kann, mit den gegebenen Bedingungen zu leben und einfach das Beste daraus zu machen. Wie prächtig können sich die richtigen Pflanzen im Schatten entwickeln und wie blütenreich kann es auf einem nährstoffarmen und steinigen Boden wachsen.

Kann Misserfolg glücklich machen?

Manchmal läuft die Entwicklung überhaupt nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Unser Salat oder die Funkien fallen über Nacht den Schnecken zum Opfer. Die Purpurglöckchen werden von den Larven der Dickmaulrüssler vernichtet oder Rehe fressen ohne Hemmungen die frischen Rosenknospen ab. Und welche Enttäuschung, wenn die mühsam gesetzten Blumenzwiebeln über den Winter den Wühlmäusen als Überlebensration gedient haben.

Und dennoch geben wir nicht auf. Immer wieder beginnen wir aufs Neue - pflanzen neu, lernen dazu. Wir akzeptieren, dass Rückschläge dazu gehören und entwickeln eine Ausdauer, die uns sonst oft fehlt. Wenn es beim nächsten Mal besser funktioniert, ist die Freude umso größer. Wir haben gelernt, dass Erfolg eben nicht selbstverständlich ist, sondern Arbeit und Ausdauer bedeutet.

Manchmal müssen wir sogar verstehen, dass unsere Wünsche einfach nicht realisierbar sind.

Im Garten wie im Leben

So kann der Garten ein guter Lehrer für ein glückliches Leben sein. Nicht immer gelingt alles nach unseren Vorstellungen, manchmal dauert es unglaublich lange, bis unsere Vorstellung Wirklichkeit wird und manche Pläne müssen wir begraben, weil einfach die Voraussetzungen fehlen.

Und dennoch sind es Geduld und Demut, die uns am Ende so viel mehr Glück bescheren als ein Füllhorn, das sofort und bedingungslos alle Wünsche erfüllt. Dies gilt im Garten wie im Leben.

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