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Buchrezension: Nachrichten von Männern

ZEITjUNG-Logo ZEITjUNG 01.06.2021 Janina Rüb

Die Autorinnen Katja Berlin und Anika Decker haben ihre neues Buch "Nachrichten von Männern" veröffentlicht – dafür haben sie zahlreiche Textnachrichten in insgesamt 37 Kategorien eingeteilt, die sie erläutern.

Katja Berlin und Anika Decker © ZEITjUNG Katja Berlin und Anika Decker

In ihrem neuen Buch haben die Autorinnen Katja Berlin und Anika Decker zahlreiche Textnachrichten von sich und ihren Freundinnen gesammelt, auseinander genommen und dabei 37 Typen ausgemacht, die sie in „Nachrichten von Männern“ kategorisieren und humorvoll abhandeln. Für wen sich der Blick in das Buch lohnt, erfahrt ihr hier.

Wer sind die Autorinnen?

Katja Berlin scheint vielleicht zunächst ein unbekannter Name zu sein, doch die Autorin und ihre Arbeit werden die meisten von euch dennoch kennen. Denn nach ihrem Studium der Politik- und Medienwissenschaft hat sie nicht nur das Buch Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt geschrieben, sondern auch zahlreiche Kolumnen veröffentlicht. Seit 2005 erscheint in Die Zeit ihre sehr bekannte Grafikkolumne „Torte der Wahrheit“, die viele kennen dürften. Mit ihren Tortendiagrammen bricht sie persönliche Beobachtungen über Politik und Gesellschaft runter und verdeutlicht so komplizierte Sachverhalte verständlich und humorvoll.

Dürfte jedem schon mal begegnet sein: Die Torte der Wahrheit von Katja Berlin, Bildquelle: Instagram © Bereitgestellt von ZEITjUNG Dürfte jedem schon mal begegnet sein: Die Torte der Wahrheit von Katja Berlin, Bildquelle: Instagram

Auch Anika Deckers Arbeit als Drehbuchautorin und Regisseurin ist nicht gerade unbekannt. Mit ihrem Drehbuchdebüt Keinohrhasen gelang ihr 2007 der Durchbruch und 2015 konnte sie auch als Regisseurin von Traumfrauen sowie ihrer zweiten Regiearbeit High Society überzeugen. Außerdem veröffentlichte sie 2019 ihren ersten Roman Wir von der anderen Seite, der sofort auf der Bestsellerliste des Spiegel landete. In Zusammenarbeit mit Katja Berlin veröffentlicht sie nun ihr zweites Buch, während sie kurz zuvor erst die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film Liebesdings mit Elyas M`Barek beendet hat.

Diese zwei Frauen, die in der Medienwelt also überaus erfolgreich unterwegs sind, veröffentlichen nun gemeinsam ihr erstes Buch. Dafür haben sie eigene und zahlreiche Textnachrichten von Freund*innen unter die Lupe genommen und aus all den „Nachrichten von Männern“ Kategorien herausgearbeitet, die sie in ihrem Buch abhandeln. Zum Einstieg jedes Kapitels werden daher einige dieser Textnachrichten angeführt, die für den jeweiligen Typus als Paradebeispiel dienen. Im Kapitel selbst wird dann der jeweilige Typus humorvoll erklärt, was ihn ausmacht, wie es zur beschriebenen Situation gekommen ist und wie man aus ihr wieder rauskommt.

Das Cover von „Nachrichten von Männern“, Bild von Edith Held © Bereitgestellt von ZEITjUNG Das Cover von „Nachrichten von Männern“, Bild von Edith Held

Auf den 188 Seiten werden insgesamt 37 Kategorien vorgestellt – unter anderem „Der eklige Sexter“, „Der Einkaufszettel“, „Das Ave-Maria“, „Der Fopper“ oder „Die Massenkarambolage“ – wer wissen möchte, was sich dahinter verbirgt: Das Buch „Nachrichten von Männern*“ ist seit gestern im Handel und ihr könnt selbst nachlesen, dass es sich beispielsweise beim Foppen um unangebrachte Witze handelt. Dadurch, dass die einzelnen Kapitel nur wenige Seiten lang sind, lässt sich das Buch zudem schnell durchlesen. Jedoch bleiben die einzelnen Kategorien dadurch auch recht oberflächlich. Dabei stehen nicht alle Nachrichtentypen für sich selbst, sodass es daher manchmal an gezielter Trennschärfe und Tiefgründigkeit fehlt. Das Buch ist vielmehr ein Sammelsurium humorvoller, zum Teil überspitzter Typen, die den Autorinnen und deren Freund*innen im eigenen Dating-Leben via Chats bisher begegnet sind.

*Hierbei handelt es sich um einen Affiliate-Link, d.h. wenn ihr das Buch über diesen Link bestellt, erhalten wir eine Provision.

Kritik

Beim Lesen erscheint es oftmals kein zwingendes Muss, dass die einzelnen Kategorien in der Realität nur das Chatverhalten von Männern beschreiben. Denn Ghosting, Benching, Manipulation oder Ich-Botschaften sind ziemlich universelle Dating-Phänomene und beschreiben viel eher schlechte Kommunikationsfähigkeiten oder schlichtweg menschliches (Fehl-)Verhalten, als dass sie explizit nur von einem Geschlecht genutzt werden. Das bleibt auch der große Kritikpunkt am Buch: Obwohl die Autor*innen versuchen, einen feministischen Unterton einzubringen und durch den Hinweis „(m/w/d)“ gendergerechte Sprache einbetten wollen, gelingt dies nicht ausreichend und erscheint daher nicht sonderlich progressiv. Es fehlt die kritische und umsichtige Einordnung und auch die Beschreibungen bleiben leider oft zu oberflächlich, als dass das Buch wirklich einen Mehrwert für das hetero-Dating bringt.

Fazit

Die Autorinnen schaffen es mit ihrem Buch meiner Meinung nach leider nicht, ein allgemeingültiges Abbild des Dating-Lebens und dem damit einhergehenden Nachrichtenaustausch zu beschreiben. Dabei muss man aber auch beachten, dass es sich bei den verwendeten Textnachrichten natürlich auch nur um den Erfahrungsschatz ihres eigenen Freundeskreises handelt, sodass der Inhalt vor allem für eine sehr spezifische, den Autorinnen ähnliche Frauengruppe und deren Dating-Erfahrungen spricht. Ich schätze, das Buch eignet sich vorrangig für Frauen in ihren 40ern, die in ähnlich priviligierten Verhältnissen leben wie die Autorinnen und deren Freund*innen – all denen bereitet das Buch bestimmt Freude und wird sie zum Lachen bringen, weil vieles nachvollziehbar ist. Für die jüngere Generation eignet es sich meiner Meinung nach jedoch eher weniger, da mir die Beschreibungen weniger zutreffend erschienen und dabei eher Geschlechter-Klischees verstärkt und reproduziert wurden. Außerdem wird die binäre Geschlechter-Aufteilung in Männer und Frauen stark betont, anstatt eine progressive, detailreiche und dadurch allgemeingültigere Beschreibung der „männlichen“ Nachrichtentypen zu geben, die humorvoll Verhaltensweisen aufzeigt, aus denen man etwas mitnehmen kann. Wer aber leichte Kost für den Sommer braucht und frustriert vom eigenen (hetero) Dating-Leben ist, für diejenige kann das Buch bestimmt dennoch unterhaltsam sein.

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Bildquelle: Edith Held


Video: Deutschland: Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gewachsen (SAT.1)

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