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Datingtrend Cushioning : Sex-Expertin erklärt, warum Fremdflirts verlockend sind, langfristig aber einsam machen

stern-Logo stern 20.06.2020 Gernot Kramper/kra
Cushioning streichelt das eigene Ego, ist aber Spengstoff für eine echte Beziehung. © Getty Images/Deagreez Cushioning streichelt das eigene Ego, ist aber Spengstoff für eine echte Beziehung.

Die Haupt-Beziehung durch Neben-Flirts abzusichern ist ein Trend, der vor Verletzungen schützt. Zur Not hat man immer eine Flirt-Reserve. Doch auf Dauer verhindert das sogenannte Cushioning die echte Liebe, warnt Sex-Expertin Tracey Cox.

Nach Ghosting kommt nun der nächste Dating-Trend: Cushioning – zu Deutsch etwa Abfedern. Kissen (cushion), das hört sich kuschelig an, aber Cushioning hat eher etwas mit auf "Nummer Sicher gehen" zu tun. In der Welt der Börse kauf man Derivate, um sich vor Abstürzen zu sichern. Das gleiche Ziel verfolgt Cushioning, es soll eine schnelle Chance auf Tröstung bieten, wenn die große Liebe in die Brüche geht.

Neben der Hauptbeziehung hat Mann oder Frau noch weitere Eisen im Feuer. Die müssen nicht rot glühen, aber wollen doch so warmgehalten werden, dass sie bei Bedarf auf Temperatur gebracht werden können. Manche Trends gibt es erst seit den Zeiten des Internets, doch "Cushioning" ist ein Klassiker der Beziehungs-Unkultur.

Strategie für den Start

Die britische Sex-Expertin Tracey Cox hält etwas Abfederung für eine kluge Idee zu Beginn einer Beziehung, warnt aber davor, den Absprung nicht zu verpassen. Ihre Freundin Kelly ist frisch verliebt, schreibt Cox, und setzt alles daran, dass daraus eine ernsthafte Beziehung wird. Nebenbei flirtet sie aber weiterhin mit drei Reserve-Lovern im Internet. "Ich bin in der Vergangenheit verletzt worden und will nicht auf einmal allein sein", rechtfertigt sie sich. "Wenn diese Beziehung nicht klappt, habe ich wenigstens Rückendeckung." Das hört sich logisch an, transportiert aber auch wenig des "Hals über Kopf"-Gefühls. Kelly ist zudem klar, dass Cushioning durchaus Dynamit für ihre erste Liebeswahl bedeutet. Cox hat durchaus Verständnis für diesen grundlegenden menschlichen Instinkt, sich zu schützen, und sich vor möglichen Verletzungen zu schützen...

Bremse für allzu Stürmische

Sie glaubt, dass eine Abfederung zu Beginn von Beziehungen tatsächlich einige Vorteile hat. Sie helfe etwa Personen, die sich schnell rettungslos verlieben. "Wenn Sie dazu neigen, sich viel zu früh festzulegen und am Ende verletzt zu werden, kann das Abfedern ein vernünftiger Trick sein." Weitere Menschen, um sich zu haben, schützt davor, von einer neuen Liebe besessen zu werden. Sie berichtet von einem Mann, der sonst immer schnell allzu besitzergreifend und anhänglich wurde. Erst als er weiter mit anderen Frauen geflirtet habe, sei es ihm gelungen, etwas auf die Beziehungsbremse zu treten. So konnte er die Dinge langsamer angehen, ohne seine neue Partnerin zu verängstigen. "Wenn relativ harmlose Flirts mit anderen Menschen dazu beitragen, Sie am Anfang zu bremsen, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, sich abzufedern", sagt Cox.

Schutz vor toxischen Beziehungen

Zweiter Punkt: Cushioning hilft Personen, die dazu neigen, sich in die Falschen zu verlieben, in Menschen, die sie schlecht behandeln. Da helfe ein kleiner Fanklub, die Dinge mit klarem Blick zu betrachten. Und eventuell zu erkennen, dass die Person, die zunächst als die große Liebe erschien, in Wahrheit nur ein großer Reinfall ist. Wenn die "Kissen" einen besser behandeln, als die erste Wahl, wird es Zeit, die eigene toxische Wahl zu überprüfen.

Zeit für den Schnitt

Aber auch wenn die Kissen-Flirts zu Beginn einer Beziehung nützlich sind, kommt der Zeitpunkt, an dem ein klarer Schnitt gemacht werden muss, schreibt Cox. Wer immer weiter seine Neben-Partner pflegt, wird sich kaum ganz auf jemand anders einlassen. Wer immer auf dem Absprung sei, wenn sich die Beziehung entwickelt, wird der Beziehung keine Chance geben, so Cox. Die Nebenflirts sind nicht nur eine ständige Versuchung. "Sie halten Sie auch davon ab, sich mit Problemen in ihrer Beziehung auseinanderzusetzen." Sie fürchtet, dass Menschen, die sich abpolstern, ewig auf der Suche nach "der perfekten Beziehung" sind: einer Beziehung, die eigentlich gar nicht existiere. "'Wenn ich nur jemanden finden könnte, der so zuverlässig ist wie John, so heiß wie Jason und so reich wie Richard', denken sie. Wäre es nicht wunderbar, all diese attraktiven Eigenschaften in einer Person zu finden!"", so Cox. Doch das gibt es nicht. Die Kissen-Parade nährt diese Illusion aber.

Liebes-Sprengstoff

Dazu kommen sehr praktische Probleme. Der eigentliche Partner wird auf die Kissensammlung allergisch reagieren, wenn er es mitbekommt. Die große Liebe startet also mit einer Menge kleiner Lügen, mit denen die Neben-Flirts vertuscht werden müssen. Sex-Expertin Cox warnt, dass es auch Schwierigkeiten geben wird, wenn die Beziehung noch gar nicht für exklusiv erklärt wurde. Man dürfe sich nicht einreden, man habe ja formal nichts falsch gemacht. "Reden Sie sich nicht ein, dass Ihr Partner es so sehen wird, wenn er ihr kleines Geheimnis herausfindet." Das gilt auch, wenn er es erst in der Zukunft entdeckt. Wenn der Partner später merkt, dass weiter fremdgeflirtet wurde, als er sie seinen Eltern vorstellte, kann es passieren, dass eine wunderbare Beziehung sofort beendet wird, warnt Cox.

Kein Herz für die Kissen-Flirts

Auch die Zweitpartner haben für das Cushioning wenig Verständnis, wenn sie merken, welche Rolle sie dabei spielen. Solange es ein unverbindliches Spiel ist, in dem auch der andere wenig echte Gefühle investiert, hat Cox keine Einwände. "Doch manchmal hält man jemanden hin, der tiefe, echte Gefühle für einen hat." Ein echtes Dating-Verbrechen. Und auch dafür gibt es ein schönes Wort: "breadcrumbing" – Brotkrümel. Kleine Brocken sollen Hoffnung auf den ganzen Leckerbissen machen, ohne dass die Absicht besteht, das Versprechen jemals einzulösen.

Quelle. Tracy Cox

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