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Social-Media-Phänomen: 10-Years-Challenge erobert Facebook - Steckt dahinter eigentlich etwas ganz anderes?

NEON-Logo NEON 17.01.2019 Christoph Fröhlich
Ich habe bei der 10-Year-Challenge auch mitgemacht. Nun frage ich mich: Habe ich den Überwachungsstaat vorangetrieben? © stern/privat Ich habe bei der 10-Year-Challenge auch mitgemacht. Nun frage ich mich: Habe ich den Überwachungsstaat vorangetrieben?

Viele posten derzeit alte Bilder von sich in den sozialen Netzwerken. Auch ich. Doch steckt hinter der 10-Years-Challenge mehr als nur ein harmloser Spaß? 

Ich stehe in einer vollen Messehalle neben einem riesigen Spongebob, habe blondierte Haarspitzen und grinse über beide Wangen. Wenige Zentimeter daneben posiere ich mehr oder weniger seriös (ergo: alt) in Hemd und Sakko vor der Kamera. Das erste Bild zeigt mich im Jahr 2008, kurz vor meinem 20. Geburtstag. Das zweite ist wenige Monate alt. Und alle meine Kollegen und Freunde beömmeln sich über meine Boyband-Frisur von damals. Und ich denke mir: Mann, du hattest schon damals Geheimratsecken.

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Es ist die Kombination aus Nostalgie, ein wenig Scham und einer Prise "Das war damals halt so", welche die #10YearChallenge derzeit zum größten Social-Media-Phänomen des noch jungen Jahres macht. Ob auf Twitter, Facebook oder Instagram: Überall posten die Menschen Bilder von sich und ihrem zehn Jahre jüngeren Ich. Auch Promis wie JLo, Paul Pogba oder Kai Pflaume machen mit. Wir werden nunmal alle älter. Ist ja auch lustig. Ein kurzweiliger Spaß.

Doch ist es das wirklich?

Die perfekte Gelegenheit

Diese Frage stellt "Wired"-Redakteurin Kate O'Neill in einem Online-Beitrag, der allein gestern 360.000 Mal in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Darin weist O'Neill darauf hin, dass die #10YearChallenge die perfekte Gelegenheit für Facebook ist, die Künstliche Intelligenz zur Gesichtserkennung zu trainieren.

Bei genauerer Betrachtung ist dieser Gedanke gar nicht so abwegig. Facebook ist bekannt dafür, die Daten seiner Nutzer auf jede erdenkliche Weise auszuwerten, um das eigene Geschäftsmodell - den Verkauf von Werbung - zu optimieren. Zwar dürfte der Konzern viele der nun hochgeladenen Bilder bereits kennen - schon vor zehn Jahren lagerten 15 Milliarden(!) Fotos auf den Facebook-Servern -, doch noch nie waren sie so gut aufbereitet wie jetzt.

Denn in der aktuellen #10YearChallenge montieren Nutzer wie ich zwei Bilder von sich nebeneinander, versehen sie mit Jahreszahlen und schreiben in den Kommentaren womöglich noch, wo die Bilder unter welchen Umständen entstanden sind. Auf diese Weise entsteht auf einen Schlag ein riesiger Datensatz, aus dem die Software detailliert nachvollziehen kann, wie Menschen in einer gewissen Zeitspanne optisch altern.

Für eine Gesichtserkennungs-Software sei das der Jackpot, meinen einige Experten. Andere wie Florian Gallwitz, Professor an der Technischen Hochschule Nürnberg, halten dagegen: "Ich sehe nicht, wie man damit etwas Sinnvolles trainieren will." Und ich frage mich, nachdem ich all diese Stimmen gelesen habe: Habe ich den Überwachungsstaat wieder ein Stück vorangetrieben?

Facebook ist ja nicht das einzige Unternehmen, das an Gesichtserkennungs-Technologien feilt. Ein weiterer großer Player ist Amazon,  dort heißt die Technik "Rekognition". Die Software ist dadurch in der Lage, "unangemessene Bildinhalte" zu erkennen, wie das Unternehmen selber schreibt, aber auch "Objekte, Szenen, Gesichter, Text" sowie bekannte Persönlichkeiten. Mittlerweile ist "Rekognition" in der Lage, bis zu 100 Gesichter aus Menschenmassen herauszufiltern. Kein Wunder, dass Polizisten in den USA landesweit das Programm einsetzen. Die Technik kann für Gutes eingesetzt werden. Aber auch zur Überwachung und Unterdrückung.

Facebook leugnet Beteiligung

Die große Frage ist jedoch: Steckt Facebook hinter der #10YearChallenge? Der Konzern weist das von sich und schreibt auf Twitter sinngemäß: "Die Challenge ist ein von Nutzern erstelltes Meme, dass sich ohne unsere Beteiligung verbreitete. Vielmehr ist sie der Beweis, dass die Menschen Spaß auf Facebook haben, mehr ist da nicht." Womöglich stimmt, was Facebook schreibt, und die Challenge ist nicht Mark Zuckerbergs Masterplan, um an all unsere Jugendsünden-Fotos zu kommen. Ganz sicher aber freut sich der Konzern über jedes hochgeladene Bild.

Warum ich das Bild trotzdem geteilt habe? Ich fand die Challenge witzig. Und ich verfüge frei über die Bilder, die ich ins Netz stelle. Beim Partner oder den Kindern würde ich das nicht tun. 

Vor dem Hintergrund der rasanten technischen Entwicklung sollte man sich dennoch genau überlegen, welche Bilder man in den sozialen Netzwerken teilt, und welche nicht.

Nicht nur bei der #10YearChallenge.

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