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Fannyann Eddy: Ermordet, weil sie sich für LGBTQ-Rechte in Afrika einsetzte

GQ-Logo GQ 14.06.2021 Christoph Eisenschink
pride-month-fannyann-eddy-gesellschaft-aufm.jpg © Getty Images, Hirschfeld-Eddy-Stiftung pride-month-fannyann-eddy-gesellschaft-aufm.jpg

Heute, am 14. Juni, vor 47 Jahren wurde Fannyann Eddy in Sierra Leone geboren. Sie wurde nur 30 Jahre alt. Am 29. September 2004 fand man Eddy ermordet in den Büroräumen der von ihr gegründeten “Sierra Leone Lesbian and Gay Association” auf: Mehrfach vergewaltigt, mit zahlreichen Messerstichen im Körper und mit einem gebrochenen Genick. Die Brutalität der Tat lässt auf ein Hassverbrechen schließen. Das vermutete Motiv: Eddy liebte Frauen und kämpfte lautstark für die Rechte von homosexuellen und trans Menschen in ihrem Heimatland Sierra Leone und in ganz Afrika. Die Behörden ließen indes mitteilen, die Tat sei weder politisch noch durch Homophobie motiviert gewesen.

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In vielen afrikanischen Staaten ist Homosexualität strafbar

Auf dem afrikanischen Kontinent ist die Lage für die LGBTQ-Community noch immer äußerst angespannt: In 22 von 54 afrikanischen Staaten sind homosexuelle Handlungen legal. In Somalia, Somaliland, Mauretanien und Nordnigeria hingegen wird gleichgeschlechtlicher Sex mit der Todesstrafe geahndet. In Uganda und Tansania droht Homosexuellen lebenslange Haft. Auch das sierra-leonische Strafrecht sieht eine bis zu lebenslange Freiheitsstrafe für Sex zwischen Männern vor – auch wenn das Gesetz derzeit nicht angewendet wird. Was die LGBTQ-Community dort und in vielen anderen afrikanischen Staaten in den closet drängt, sind das Stigma und die Ausgrenzung, die bei einem offenen Leben drohen.

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Der Fotograf Lee Price, der 2017 die LGBTQ-Community in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown porträtierte, berichtete in einem Interview mit Dazed: “Es handelt sich um ein religiöses Land, in dem den Menschen beigebracht wird, dass es eine Sünde ist, schwul zu sein. Und das ist die Ansicht, die die meisten – wenn auch nicht alle – Menschen vertreten.” In Sierra Leone zur LGBTQ-Community zu gehören, sei ein täglicher Kampf. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung sei schwer, Ladenbesitzer würden homosexuelle und trans Personen wegschicken, aus Sorge, ihr Geld bringe Unglück, und viele Familien würden ihre Kinder verstoßen.

Die Tabuisierung von Homosexualität tötet

Auf derlei Zustände in Sierra Leone und ganz Afrika machte Fannyann Eddy bereits im April 2004 aufmerksam, als sie eine vielbeachtet Rede vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf hielt. Die prekäre Lage der LGBTQ-Community beschrieb sie in ihrem Vortrag so: “Wir leben in Angst in unserem Umfeld, in dem wir permanenten Schikanen und Gewalt durch Nachbarn und andere ausgesetzt sind. Ihre homophoben Angriffe werden von staatlicher Seite nicht bestraft. Im Gegenteil: Diskriminierung und Gewalttaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender werden noch gefördert.”

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Darüber hinaus machte Eddy auf die verheerenden Folgen des Todschweigens von Homosexualität aufmerksam: 90 Prozent der Männer, die Sex mit anderen Männer haben, hätten auch Sex mit ihren Ehefrauen und Freundinnen, um nicht in Verdacht zu geraten, homosexuell zu sein. Dies geschehe in beiden Fällen meistens ohne Kondom. Der Ausbreitung von HIV seien durch die Tabuisierung von Homosexualität und fehlende Aufklärungsarbeit Tür und Tor geöffnet – und zwar nicht nur innerhalb der LGBTQ-Community, sondern auch in der gesamten Bevölkerung.

Das Schweigen muss gebrochen werden

Eddy endete mit dem Aufruf, endlich das Schweigen zu brechen. “Sie können uns dabei helfen, diese Verbrechen zu bekämpfen und unsere vollständigen Rechte und Freiheiten in jeder Gesellschaft zu erlangen”, forderte sie die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen auf. “Auch in meinem geliebten Sierra Leone.” Nur fünf Monate später wurde Fannyann Eddy in ihrem geliebten Heimatland ermordet. Sie hinterließ ihren 10-jährigen Sohn und ihre Partnerin Esther Chikalipa.

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In Deutschland erinnert die nach Fannyann Eddy und dem deutsch-jüdischen Arzt, Sexualforscher und Pionier der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung Magus Hirschfeld benannte “Hirschfeld-Eddy-Stiftung” an die Menschenrechtsaktivistin – und führt ihre Arbeit in gewisser Weise fort, denn die Organisation unterstützt die internationale Menschenrechtsarbeit und setzt sich weltweit für den Abbau von Vorurteilen gegenüber der LGBTQ-Community ein.

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