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Le Mâle: Wie der Duft von Jean Paul Gaultier zur Ikone wurde

GQ-Logo GQ 23.12.2020 Constantin Herrmann
duefte-jean-paul-gaultier-le-male-aufm.jpg © Amelie Niederbuchner duefte-jean-paul-gaultier-le-male-aufm.jpg

“Le Mâle” von Jean Paul Gaultier

Der Begriff “Klassiker” wird oft als gleichbedeutend mit “zeitlos” missverstanden. Und somit banalisiert. Denn die Kunst besteht darin, mit einem Produkt einen ganz konkreten Zeitgeist einzufangen und damit jahrzehntelang stilprägend zu bleiben. Wie Jean Paul Gaultiers erster Männerduft, “Le Mâle”. (Lesen Sie hier: Au revoir, Jean Paul Gaultier – das Enfant terrible verabschiedet sich aus der Mode)

Die Entstehung von “Le Mâle”

Um diesen zu verstehen, muss man einen Blick auf das Jahr seiner Entstehung werfen: 1995. Die Mauer war gefallen, Deutschland begann zusammenzuwachsen. Die Jugend in ganz Europa wollte die hohe Arbeitslosigkeit und politische Lähmung der 80er-Jahre loswerden. “Schluss mit frustig” betitelte die Shell-Jugendstudie 1992 den Zeitgeist damals treffend.

Die Jungen feierten Kommerz und Spaß, Inline-Skater wurden über Nacht zum Hype, in Berlin tanzte eine halbe Million Raver zu Technosound auf der Loveparade, in Köln ging die erste Folge der Harald Schmidt Show live auf Sendung. Und Mode-Designer Jean Paul Gaultier warf einen sinnlich-süßen Männerduft auf den Markt, der sich dem Mainstream entgegenstemmte. Der weder angepasst noch massentauglich sein wollte. Weder schwul noch hetero, oder eben beides zugleich. Hypersexuell, aber gar nicht ganz ernst gemeint. Vanille-süß und doch sportlich-frisch. “Le Mâle”, ein Beben in der Parfumszene der Neunziger. (Auch interessant: Date oder Homeoffice – Die passenden Parfums für jede Situation)


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Skandalös und eben deswegen so großartig: “Le Mâle”

le-male-jeanpaulgaultier-duft-parfum-beauty.jpg © PR le-male-jeanpaulgaultier-duft-parfum-beauty.jpg

Der Flakon in Form eines männlichen Torsos wurde zum Aufreger und muss seinerzeit bei manchem konservativ-unmutigen Chef der großen Duftlabels zu Schnapp­atmung geführt haben. Während Christo den Reichstag verhüllte, legte Gaultier hier den Mann als muskelbepacktes Sexsymbol frei. Frivol, skandalös und eben deswegen so großartig! Mit seinem explizit erotischen Konzept trieb Gaultier – in der Modebranche bereits als “enfant terrible” verschrien – das Establishment vor sich her, verwarf die steifen Konventionen der Yuppie-Zeit und lie­ferte mal eben den olfaktorischen Soundtrack einer ganzen Generation.

Den Duft selber schuf der damals 24-jährige Francis Kurkdjian, bis dato ein Nobody in der Branche, der den Pitch quasi als Übung während seiner Ausbildung zum Parfumeur aus dem Ärmel schüttelte. Affront Nummer zwei! Kein namhafter Parfumeur? Eine viel zu süße Überdosis Vanille mit Lavendel und einem Schuss Minze? Männlich? Unmännlich? Alles egal. Gaultier ignorierte die Konventionen und scherte sich nicht um Gendergrenzen oder brave Marketing-Empfehlungen. Und die Respektlosigkeit zahlte sich aus: Bis heute behauptet sich “Le Mâle” als Blockbuster auf dem Parfum-Markt, steht seit einem Vierteljahrhundert für In-your-face-Sex-Appeal, ungezügelte Maskulinität und Coolness. Und genau das unterscheidet die Eintagsfliege von einem Klassiker-Duft: Der Mut, anders zu sein und alles Einengende, Gestrige loszuwerden, bleibt ein Dauerbrenner. Nicht zeitlos, sondern für alle Zeiten genial. (Lesen Sie hier: Parfum-Ikone – Warum Männer auf der ganzen Welt nach “Aventus” duften möchten)

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