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Mein PrideMoment: LGBTQProminente über Pride, ihr Outing und Politik

GQ-Logo GQ 16.06.2020 Ulf Pape, Christoph Eisenschink
gesellschaftlgbtcelebprideneu.jpg © Getty Images, picturealliance, Michael Ullrich gesellschaftlgbtcelebprideneu.jpg

Wir haben Celebritys aus der LGBTQ-Community weltweit nach ihrem ganz persönlichen “Pride-Moment” gefragt – wie sie ihn erlebt haben und was er ihnen bedeutet. Hier sind die lustigen, bewegenden und kämpferischen Geschichten – und wenn auch Sie Teil unserer Aktion #PrideInside werden möchten, erzählen Sie uns doch von Ihrem persönlichen “Pride-Moment”. Posten Sie dazu einfach eine Story auf Instagram, vertaggen Sie gq_germany und verwenden Sie den Hashtag #PrideInside.

(Hier erfahren Sie alles über unsere #PrideInside-Aktion – und wie Sie mitmachen können)

Kevin Kühnert, Politiker

pridekevinkuehnertart.jpg © Getty Images pridekevinkuehnertart.jpg

„Gay Pride“ hat für mich immer bedeutet, sich nicht in vorauseilendem Gehorsam zu verstecken. Denn natürlich stoßen wir in unserer Gesellschaft manchmal auf Orte, die von vielen als nicht queertauglich betrachtet werden, an denen Leute wie ich also unsichtbar sind und es aus falsch verstandener Zurückhaltung auch bleiben. Doch dieses verschämte Auftreten nimmt uns wichtige Freiräume. Mir persönlich ist das erst beim Fußball so richtig klar geworden. Konkret beim Tradi-tionsclub Tennis Borussia Berlin. Vereinsfarben sind lila und weiß, da gibt’s die homophoben Anfeindungen gratis dazu. Ich bin dabeigeblieben, weil die Mehrheit der Heteros um mich herum sich ebenfalls gewehrt hat. Wir haben Anfeindungen in Selbstironie verwandelt, unseren Club zum weltoffenen Vorzeigeverein entwickelt und die Initiative „Fußballfans gegen Homophobie“ gegründet, die heute wie eine La Ola durch die Stadien wandert. Ohne Pokerface ins Stadion gehen können – das ist Freiheit. Darauf bin ich stolz.

(Lesen Sie auch: Diese LGBTQ-Aktivisten bieten Putin und Co die Stirn)

Dunja Hayali, Journalistin und Moderatorin

pridedunjahayaliart.jpg © Getty Images pridedunjahayaliart.jpg

Wer glaubt, dass die jährlichen Pride-Paraden nur eine einzige große Party sind, der täuscht sich. Sie sind gesellschaftlich und politisch wichtig, denn sie machen eine zum Teil verfolgte Minderheit sichtbar, artikulieren deren Belange und offenbaren deren Vielfalt. Zum anderen zeigt sie den LGBTIQ-Aktivisten in aller Welt, dass sie nicht alleine sind, auch wenn sie gerade auf den Straßen weniger sichtbar sein können. Die Paraden sind immer auch eine Hommage an all diejenigen, die sich für die Unversehrtheit eines jeden Einzelnen eingesetzt und dafür zum Teil ihr Leben gegeben haben. Daher ist es nun an uns allen, nicht nur an einem einzelnen Tag,  sondern an JEDEM Tag Gesicht zu zeigen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung oder eben sexueller Orientierung. 

(Lesenswert: Zwei Nächte in der schwulen Underground-Techno-Szene Moskaus)

Orville Peck, Sänger

prideorvillepeckart.jpg © Gordon Nicholas prideorvillepeckart.jpg

Einige meiner liebsten Pride-Moments waren Drag-Shows, ich habe großen Respekt und Sympathie für die Drag-Kunst. Ich erinnere mich an Drag-Performances bei Pride-Paraden – und wie sehr sie mich mit ihrer Furchtlosigkeit und Kunst inspiriert haben. 

(Auch interessant: Das sind die Auswirkungen des Coronavirus auf die LGBTQ-Community)

Jo Weil, Schauspieler

pridejoweilart.jpg © Getty Images pridejoweilart.jpg

Ich hatte drei wirklich prägende Pride-Momente. Der erste war mein Coming-out mit 18. Es war unglaublich befreiend und ermöglichte mir, voller Stolz zu mir und meinem Leben zu stehen. Die großartigen Reaktionen meiner Familie und Freunde haben das Ganze zu einem Erlebnis gemacht, das ich nie vergessen werde. Ein zweiter großer Moment war es, als ich aufgrund meiner Darstellung des Oliver Sabel in „Verbotene Liebe“ zu einem Fan-Event im „Stonewall Inn“ in New York eingeladen wurde. An diesem geschichtsträchtigen Ort, an dem so viel für die Community erreicht wurde, den Fans meiner homosexuellen TV-Geschichte Rede und Antwort stehen zu dürfen, war unbeschreiblich! Und zu hören und fühlen, dass meine Präsenz als homosexueller TV-Charakter für sie und ihr Leben selbst ein bisschen TV-Geschichte geschrieben hat, ihnen Kraft und Mut gegeben hat, war unglaublich emotional für mich. Der dritte prägende Moment ist gleichzeitig auch der aktuellste: mein öffentliches Coming-out im April. Nach über 20 Jahren im Beruf, in denen ich mein Privatleben weitestgehend aus der Öffentlichkeit gehalten habe, war das ein kleiner großer Schritt für mich. Und auch wenn ich absolut davon überzeugt war, das Richtige zu tun, war ich davor nervös. Aber all die Liebe und Unterstützung, die ich daraufhin von Fans, Kollegen und aus der Community erhalten habe, haben mir gezeigt, dass ich das absolut nicht hätte sein müssen. Ich bin froh und stolz, nun auch in der Öffentlichkeit zu hundert Prozent ich sein zu können.

Maren Kroymann, Schauspielerin & Kabarettistin

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Es war, lange bevor ich mein eigenes Coming-out überhaupt erahnte, Rosa von Praunheim hatte im Arsenal-Kino seinen Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ präsentiert und im Anschluss ins volle Auditorium gefragt: „Wer von euch ist schwul?“ Da zeigten genau drei Männer auf. Einer war mein guter Freund und Kollege Gerd Neubert. Ich war von seinem Mut geflasht. Nicht wenige von meinen schwulen Freunden hatten ja riesige Konflikte durch ihr Outing – Nervenzusammenbrüche in den Familien, Arbeitsverbote – you name it. Ich wollte solidarisch sein (und fühlte mich ein bisschen wagemutig) und habe Gerd zum „Pfingsttreffen 1973“ begleitet, der allerersten Homosexuellen-Demo auf dem Ku’damm. Das war noch Jahre vor dem ersten offiziellen CSD – ein kleines, buntes Häufchen, völlig unglamourös, das von vielen Passanten angepöbelt wurde. In der linken Szene, aus der ich eher kam, wurden die Schwulen überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Von Lesben gar nicht zu reden – die waren ganz woanders. Ich fand meine Freunde unendlich toll, ultramutig und dachte: Ja, genau so muss man es machen, das ist echte Solidarität.

Balian Buschbaum, Ex-Stabhochspringer

pridebalianbuschbaumart.jpg © Getty Images pridebalianbuschbaumart.jpg

Ich erinnere mich, wie sich jeder Mensch erinnern sollte. Der Moment, in dem man ankommt. Innerlich und äußerlich nackt vor dem Spiegel steht. Ehrlich, bedingungs- und schonungslos sich und die Welt annimmt, weil man sein darf, wie man ist. Es gibt viel, was mich antreibt. Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Diskriminierungen sind Themen, die durch Aufklärung und Sichtbarkeit verändert werden können. Danke an alle, die verstehen und die Welt toleranter gestalten, für die bunte Vielfalt, die auf ihr lebt.

Ralf König, Comiczeichner

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Ich bin mittlerweile seit 40 Jahren dabei und habe die ersten CSDs in Hamburg und in Köln erlebt, in den 80er- und 90er-Jahren, als Schwulsein noch ein von der Öffentlichkeit misstrauisch bis angeekelt beäugtes Nischenthema war. Das waren damals sehr überschaubare Veranstaltungen, eher kleine Gruppen von Aktivisten wurden von Heteros begafft wie Zootiere. In Köln gab es ein kleines, aber unvergessliches Straßenfest bei Sommerhitze, das Ganze war vielleicht 300 Meter lang, aber da waren Spaß, Tanzen und Aufbruch zu neuem Selbstbewusstsein angesagt – und das tat so gut! Dann, mit den Jahren, wurden die CSDs immer größer und in Köln und Berlin zu gigantischen Umzügen. Es hat sich viel getan in den Jahren, zum Glück, die Öffentlichkeit ist aufgeklärter und gelassener. Aber ich bin überzeugt, in den ländlicheren Gegenden ist das mit dem Coming-out für queere Jugendliche noch genauso schwer wie für uns damals. Und solange die Leute aus diesem sommerlichen Wochenende Kraft für ihren Alltag schöpfen, ist der CSD eine enorm wichtige Sache. Es soll bunt sein und gut gelaunt und so politisch wie nötig, Misstrauische und Angeekelte gibt es immer noch und immer wieder mehr als genug!

Ulrike Folkerts, Schauspielerin

prideulrikefolkertsart.jpg © Getty Images prideulrikefolkertsart.jpg

Pride-Moments hatte ich in meinem Leben viele. Zu viele, um sie hier aufzuschreiben. Viel wichtiger scheint mir in diesen Zeiten, sich solidarisch zu zeigen mit unseren LGBT-Aktivist*innen in unmittelbaren Nachbarländern wie zum Beispiel Polen. Unfassbar, diese Nachricht aus der „Zeit“ von Ende Februar 2020: „In Polen haben sich weitere Gemeinden und Ortschaften entschieden, Teil der sogenannten LGBT-freien Zonen zu werden. Insgesamt 96 Gemeinden, 36 Landkreise und vier Verwaltungsbezirke erklären homosexuelle, bisexuelle oder transgender Personen als unerwünscht.“ Wie ist das möglich im Jahr 2020? Ich bin erschüttert. Zum Glück reagieren Partnerstädte in anderen europäischen Ländern und lösen ihre Partnerschaften. Uns wird deutlich vor Augen geführt, wie sehr rechtspopulistische Tendenzen und hier in Polen die katholische Kirche europäisches Recht mit Füßen treten. Da läuten bei mir alle Alarmglocken, und wieder einmal lerne ich zu schätzen, in Deutschland zu leben. Natürlich gibt es auch bei uns Homophobie und Ausgrenzung, aber nicht in dieser massiven Form, von der Politik gewollt, gefördert und geduldet. Trotzdem heißt es aufgepasst: zusammenhalten, aufmerksam machen, einstehen, einsetzen, sichtbar bleiben. In diesem Sinne: Teilen wir unsere Pride-Moments!

Kim Petras, Sängerin

pridekimpetrasart.jpg © Getty Images pridekimpetrasart.jpg

Happy Pride! Für mich ist immer Pride, denn ich versuche jeden Tag, ich selbst zu sein, mein volles Potenzial auszuschöpfen und anderen Menschen dabei zu helfen, das Gleiche zu tun.

Matthias Weber, Unternehmer 

pridematthiasweberart.jpg © Moritz Leick pridematthiasweberart.jpg

Diesen Sommer wäre ich auch „berufsbedingt“ auf acht Prides gewesen, in Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Dortmund, Stuttgart, Amsterdam, Berlin und Warschau. Warschau wäre mir besonders wichtig gewesen – dort findet ein Pride noch unter Polizeischutz statt. Mit den Prides in Deutschland hat das wenig zu tun, man spürt die Feindseligkeit großer Bevölkerungsteile, der man dort als Homosexueller ausgesetzt ist. Ich nehme an Prides nicht nur zum Vergnügen teil, sondern um Vorträge zu Diversity und Gleichstellung aller Rechte zu halten. Das Wichtigste an den Prides ist die Sichtbarkeit: LGBT gehört nicht nur zum Leben, sondern auch zum Arbeitsleben dazu. Besonders dafür setze ich mich mit dem Völklinger Kreis ein. Wir haben in Deutschland viel erreicht, müssen das aber auch immer wieder verteidigen, dieses Jahr eben mit anderen Mitteln. Wer dieses Jahr nicht mit einem Truck beim CSD mitfahren kann, sollte auf anderem Wege auf sich und seine Themen aufmerksam machen. Wir tun dies mit unserem Max-Spohr-Preis, den wir jedes Jahr für vorbildliches Diversity Management an Arbeitgeber verleihen. Wir können den Preis dieses Jahr vielleicht nicht mit einer Gala feiern, aber ein Zeichen setzen. Und wir haben schon sehr viele Einreichungen erhalten. Unternehmen können immer etwas für Vielfalt tun – und wir erinnern sie daran.

Pabllo Vittar, Drag-Queen und Sänger

pridepabllovittarart.jpg © Getty Images pridepabllovittarart.jpg

Mein wichtigstes Pride-Erlebnis war, in unterschiedlichen Ländern und Städten mit meinen Fans die Paraden zu feiern. Es war wirklich schön, weil ich die Gelegenheit hatte, Menschen, die ich nicht kannte, zusammenzubringen. Ich sage immer, dass der Pride-Monat nicht nur einen Monat lang stattfindet, sondern das ganze Jahr über. Es war wundervoll, so viele unglaubliche Menschen kennenzulernen, die für unsere Gemeinschaft kämpfen und vielen anderen eine Stimme geben. In Brasilien ist es schwer, LGBTQ zu sein, im Rest der Welt ist das nicht anders. Aber ich habe auf meinen Reisen so viele Menschen getroffen, die genau wie ich der Gemeinschaft eine Stimme geben, und ich bin so stolz darauf, dass ich bin, wer ich bin, und dass ich tue, was ich tue. Und dabei habe ich viele Freunde fürs Leben gefunden.

Alma, Musikerin

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Es ist großartig, Teil einer Parade zu sein! Beim L. A. Pride habe ich zusammen mit Tove Lo und Icona Pop performt. Ein ikonischer Moment – und ich habe es so sehr genossen, die riesige Menge zu sehen!

Mavi Phoenix, Musiker

pridemaviphoenixart.jpg © Michael Ullrich pridemaviphoenixart.jpg

Ich glaube, mein schönster Pride-Moment dürfte letztes Jahr bei meiner Headlineshow in Wien gewesen sein. Es war mein erstes Konzert, nachdem ich mich als Transmann geoutet habe. Ich war unglaublich nervös, mich vor die Leute zu stellen, aber sie haben mich so warmherzig empfangen. Es gab dann sogar einen Moment, wo ich noch mal live angesprochen habe, dass ich transgender bin, und die Fans haben nur gejubelt und mich wissen lassen, dass sie mich so akzeptieren, wie ich bin. Das war auch das erste Mal, dass ich auf der Bühne heulen musste, weil ich so gerührt war.

(Hier geht es zu unserer gesamten Berichterstattung über Diversity und die LGBTQ-Community)

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