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Buch-Trend Bibliotherapie: Warum Lesen so heilsam für den Körper ist

Harper's BAZAAR-Logo Harper's BAZAAR 26.04.2020 Anna Bok
Buch-Trend Bibliotherapie: Lesen für die Gesundheit Getty Images © Getty Images Buch-Trend Bibliotherapie: Lesen für die Gesundheit Getty Images

„Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte“, hat Hermann Hesse einmal gesagt. Wie wahr! Wenn einen der Alltag mal wieder überrollt, dann kann man mit einem guten Buch sofort in eine andere Welt fliehen. Lesen entspannt ungemein, es fördert die Fantasie, erweitert den Wissensschatz und ist das beste Gedächtnistraining überhaupt. Außerdem ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Lesen wie Medizin auf den Körper wirken kann. Genau das macht sich die Bibliotherapie zunutze. 

Buch-Trend: Was genau ist Bibliotherapie?

Bibliotherapie basiert auf der Annahme, dass Lesen physiologische Veränderungen im Gehirn herbeiführt und so eine beruhigende und heilsame Kraft entwickelt. In Skandinavien, den USA und Großbritannien wird bei psychischen Erkrankungen immer öfter eine Bibliotherapie verschrieben – genannt Books on prescription, also Bücher auf Rezept. Wer glaubt, dass es sich dabei um einen neuen Trend handelt, irrt: Schon Aristoteles schrieb in seinem Buch „Poetik“ über die reinigende Wirkung (genannt Katharsis) der Dichtkunst auf die menschliche Seele. Etwa ab dem 18. Jahrhundert verordneten Ärzte ihren Patienten so genannte Lesekuren. Und im Jahr 1936 gab Erich Kästner seine „Lyrische Hausapotheke“ heraus, in der man zu den von A bis Z aufgeführten Leiden jeweils ein passendes Gedicht findet, das Heilung verspricht. 

Natürlich können keine ernsten Krankheiten mit einer Bibliotherapie geheilt werden, aber: Laut Experten hilft die alternative Therapiemethode mit Literatur vielen, die eigene Situation besser zu verstehen. Eine Studie, die 2013 in der Fachzeitschrift Clinical Psychology & Psychotherapy veröffentlicht wurde, konnte zum Beispiel bei 96 Probanden mit milden, depressiven Symptomen eine Verbesserung dank Bibliotherapie feststellen. Im Jahr 2016 fanden wiederum Forscher der Yale University heraus, dass Lesen nachweislich Stress verringert und die emotionale Intelligenz verbessert. Nachdem die Forscher insgesamt 3.600 Probanden über einen Zeitraum von zwölf Jahren untersucht hatten, stellten sie außerdem fest, dass die Lebenserwartung jener Probanden, die wöchentlich bis zu dreieinhalb Stunden lasen, um 17 Prozent höher war als die Lebenserwartung von Nichtlesern. Heißt: Bücherwürmer sind entspannter, glücklicher und leben länger. Wenn das mal kein Grund ist, sofort einen großen Schwung Bücher zu bestellen! In der aktuellen Selbstisolation hat man ja ohnehin endlich mal ganz viel Zeit und Ruhe zum Lesen.

Lesen und entspannen: Das sind unsere aktuellen Buch-Favoriten

1. Sally Rooney: Conversations with Friends

Frances und ihre beste Freundin (und Ex-Liebhaberin) Bobbi sind beide Anfang 20 und Literaturstudentinnen. Als sie das zehn Jahre ältere Paar Melissa und Nick – sie eine erfolgreiche Kulturjournalistin, er ein bekannter Schauspieler – kennenlernen, entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung, die schnell Fahrt aufnimmt. Zu viel von der Geschichte wollen wir an dieser Stelle gar nicht vorwegnehmen, aber: Der Hype um diesen scharfsinnigen Gesellschaftsroman und seine 29-jährige Autorin Sally Rooney, die als Stimme ihrer Generation gefeiert wird, ist nicht übertrieben. 

2. Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

In Vom Ende der Einsamkeit erzählt der Protagonist Jules rückblickend die Geschichte seiner Familie. Er und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis die Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Der Schicksalsschlag wirft die drei aus der Bahn, sie kommen auf ein Internat und werden sich über die Jahre zunehmend fremd – jeder von ihnen geht anders mit der Trauer um. Dann lernt Jules Alva kennen, sie wird seine beste Freundin und viele Jahre später entwickelt sich zwischen ihnen eine große Liebesgeschichte. Fazit:Vom Ende der Einsamkeit ist unglaublich traurig und schön zugleich. Am Ende wird man jeden beneiden, der mit diesem Roman gerade erst begonnen hat. Zum Glück hat Benedict Wells noch ein paar mehr Bücher geschrieben...

3. Azzedine Alaïa: Taking Time

Vor etwas mehr als zwei Jahren starb der berühmte Designer Azzedine Alaïa. In der Modewelt nannte man ihn den letzten großen Couturier und einen Meister der Kurven. In diesem Jahr wird nun posthum sein Buch Taking Time veröffentlicht: Es ist eine Sammlung von Gesprächen zwischen Alaïa und seinen Künstlerfreunden, die unheimlich inspirierend sind. Naomi Campbell hat das Vorwort geschrieben, weitere Beiträge stammen von Persönlichkeiten wie der Schauspielerin Charlotte Rampling oder dem Regisseur und Maler Julian Schnabel. Taking Time ist ein Muss für alle Alaïa-Fans.

4. André Aciman: Fünf Lieben lang

Der Liebesfilm Call Me by Your Name war 2017 ein riesiger Kino-Erfolg und erst vor kurzem wurde bekannt, dass es eine Fortsetzung geben wird. Wer so lange nicht warten kann, sollte jetzt Fünf Lieben lang von André Aciman lesen, denn: Aciman hat auch das Buch Call Me by Your Name geschrieben, das von Luca Guadagnino verfilmt wurde. Acimans Roman Fünf Lieben handelt natürlich auch von der Liebe und ihrem Scheitern, sowie von langen Sommerurlauben auf einer italienischen Insel. Dorthin würde man dieses Buch am liebsten gleich als Urlaubslektüre mitnehmen. Aber jetzt in der Selbstisolation liest es sich ja auch auf dem heimischen Sofa oder auf dem Balkon sehr gut...

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