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In welchen europäischen Ländern das Wildcampen noch erlaubt ist

TRAVELBOOK-Logo TRAVELBOOK 11.01.2021 Louisa Wittek

Kaum ein Gefühl ist schöner, als nach Stunden des kräftezehrenden Wanderns einen kleinen Ort zu finden, an dem man sein Zelt für die Nacht aufbaut und die Natur genießt. Weit weg von Städten, Menschen und Trubel. Doch nicht überall ist das problemlos möglich. Wo Wildcampen noch erlaubt ist.

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Einige Tage weg von allem. Keine Menschen, keine Autos, kein Stress und keine Vorschriften – mit dem Campen in freier Natur versuchen viele, wieder etwas Abstand vom Alltag zu gewinnen, auszubrechen und zur Ruhe zu kommen. Die Einfachheit, mit dem leben, was man auf dem Rücken trägt und dort schlafen, wo man selbst es am schönsten findet: Kaum eine Urlaubsoption kommt so sehr an das Gefühl der vollkommenen Freiheit heran wie das wilde Campen irgendwo in der Natur. Doch  es ist nicht in jedem Land gleichermaßen erlaubt, dort zu zelten, wo man es gerne möchte. TRAVELBOOK zeigt, wo man noch ungestört – und ungestraft – wildcampen kann.

Das Jedermannsrecht

Wenn man sich mit dem Campen in freier Natur auseinandersetzt, stolpert man früher oder später über den Begriff „Jedermannsrecht.“ Was genau dahinter steckt? Das Jedermannsrecht ist eine Reglung, die jedem gestattet, die Natur frei zu nutzen. In Ländern, in denen dieses Recht gilt, ist es erlaubt, in Naturgebieten zu wandern, sein Zelt aufzuschlagen und sich auch von der Natur zu ernähren. Vorausgesetzt man hält sich an gewisse Regelungen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten: Die Natur muss respektvoll behandelt, Müll wieder mitgenommen und auch andere Spuren vermieden werden. Zudem sollte man die Einwohner nicht stören und einen möglichst großen Abstand zu Wohnhäusern einhalten, wenn man sein Zelt aufschlägt. Es ist eigentlich sehr simpel: Man kann die Natur frei nutzen und genießen, solange man auf die Umgebung und ihre Bewohner Rücksicht nimmt und alles so hinterlässt, wie man es vorgefunden hat.

Natürlich ist das Campen nur abseits der Städte erlaubt, denn das Jedermannsrecht bezieht sich nur auf die Natur. Sollte man in einem Nationalpark übernachten wollen, muss man sich vorher informieren, denn diese sind oft von dem Jedermannsrecht ausgeschlossen.

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Wildcamperfreundliche Länder

Das Jedermannsrecht gilt in Schweden, wie etwa auf der offiziellen Tourismusseite des Landes nachzulesen ist. Auch „in Finnland gehört die Natur allen“, heißt es auf der Seite der finnischen Botschaft, und wie die Seite „Norwegen-Service“ berichtet, kann man auch in Norwegen unbedacht wandern gehen und sich in der Natur verlieren, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen.

Ebenfalls erlaubt ist wilcampen in Schottland, wenn man rücksichtsvoll mit dem Land umgeht und sich an gewisse Verhaltensregeln hält.


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In den Ländern des Baltikum, also in Estland, Lettland und Litauen,gilt zwar nicht offiziell das Jedermannsrecht, wie das Portal „Camperdays.de“ jedoch berichtet, ist das Campen auf öffentlichem Grund überall dort erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist.

Auch in der unglaublichen Natur Islands kann laut einem Infoblatt der Reiste „Islanderlebnis“ mit dem Zelt überall übernachten, wenn es nicht explizit verboten ist. Jedoch muss man sich von Nationalparks, Naturschutzgebieten, Wohngegenden, Privatgeländen und Campingplätzen fernhalten, wenn man sein Zelt in freier Wildbahn aufstellen will. Auch hier gilt: „Don’t distrub and don’t destroy.“

In der Schweiz gilt das Jedermannsrecht zwar, unterliegt jedoch einigen Einschränkungen. Die Auflagen sind hier deutlich strikter und im Schweizerischen Zivilgesetzbuch festgelegt. Da jeder Kanton mit dem Wildcampen anders umgeht, sollte man sich vor dem Urlaub gründlich informieren, ob besagtes Gebiet Wildcamper duldet.

Nicht erlaubt, aber dennoch zu erwähnen

Wildcampen wird in Portugal seit Jahren immer beliebter, besonders in Campervans und Wohnmobilen. Die stehen dann teilweise allein irgendwo auf einer Klippe und bieten die beste Aussicht. Die zunehmende Zahl an Wildcampern mit ihren mobilen Betten geht einigen Bewohnern an der Algarve seit einiger Zeit zunehmend auf die Nerven, hinterlassen die Klippenschläfer regelmäßig menschliche Überreste an Toilettenpapieren, Plastik und mitunter sogar Feuerstellen. Gerade in dem von Feuern geplagten Süden kann das mitunter gefährlich werden. Am 8. Januar 2021 wurde nun das bestehende Gesetz ergänzt. Der neue Absatz verbietet das Übernachten in Wohnmobilen, -wagen, umgebauten Campervans und ähnlichem ausdrücklich. Wer dem Verbot zuwiderhandelt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Eigentlich verboten, aber wirklich davon abschrecken lässt sich kaum jemand: In Polen darf man in der Wildnis nicht campen, in den letzten 20 Jahren wurde deshalb aber keine Strafe verhängt, wie etwa die „Die Welt“ berichtet. Wildcamper scheinen also trotz Verbotes willkommen zu sein.

In Dänemark ist wildes campen nur an wenigen Orten erlaubt. In insgesamt rund 40 Wäldern ist es erlaubt, frei zu Campen. In welchen Gebieten man unbedacht sein Zelt aufstellen kann, kann man auf der dänischen Seite udinaturen.dk nachlesen. Alternativ gibt es in Dänemark aber auch sehr günstige Naturlagerplätze, die dem Wildcampen sehr nahe kommen.

Je touristischer, desto problematischer

In den anderen europäischen Ländern ist das Campen außerhalb von Campingplätzen verboten. In Deutschland etwa obliegt die Entscheidung, wo in freier Wildbahn gecampt werden darf, den jeweiligen Bundesländern. Generell lässt sich sagen, dass auf öffentlichem Grund darf nur an speziell gekennzeichneten Orten gezeltet werden darf.

Wen Verbote dennoch nicht davon abhalten, mit Rucksack und Zelt in die Natur zu ziehen, sollte sich von typischen Touristenzielen fernhalten. Oft sind die Menschen, die fernab der Touristenströme leben, deutlich gastfreundlicher und toleranter, wenn man sich nicht an jede Regel hält.

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In jedem Fall gilt es aber, sich vorher zu informieren. Ob legal in Schweden oder weniger legal in Polen: Wer wild campen möchte, sollte rücksichtsvoll mit der Natur und den Einwohnern umgehen. Wer heute Müll liegen lässt, könnte morgen dafür verantwortlich sein, dass wildcampen in einem Land weniger toleriert wird. Und die Option, für einige Tage oder Wochen in die Natur zu verschwinden, sollten man sich und zukünftigen Generationen nicht verbauen.

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