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Unsere Bilanz nach 100.000 km - Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro im Test

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 24.06.2022 Heinrich Lingner

So zügig wie früher mit der Iljuschin IL-62 (hinten) oder der Concorde (vorn) kann man mit dem Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro nicht verreisen. Dafür überzeugt der Audi mit feinem Komfort, üppigem Raumangebot und einer Zuverlässigkeit, von der selbst Flugzeugkonstrukteure nur träumen können: kein Ausfall, keine Panne über zweieinhalb Jahre und 100.000 km.

Derr Audi A6 Avant mit feinem Komfort, üppigem Raumangebot und einer Zuverlässigkeit, von der selbst Flugzeugkonstrukteure nur träumen können. Der Audi überzeugte über zweieinhalb Jahre und 100.000 km. © ams Derr Audi A6 Avant mit feinem Komfort, üppigem Raumangebot und einer Zuverlässigkeit, von der selbst Flugzeugkonstrukteure nur träumen können. Der Audi überzeugte über zweieinhalb Jahre und 100.000 km.

Sollten Sie kein Einzelkind sein, kennen Sie womöglich das Phänomen: Das jüngere Geschwisterkind kommt in dieselbe Schule wie die älteren und sieht sich mit den überhöhten Erwartungen konfrontiert, weil seine Geschwister ausgesprochene Musterschüler sind.

So ähnlich erging es dem navarrablauen Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro, als er im Spätsommer 2019 zum Dauertest eingeschult wurde. Schließlich war der A6 Avant 3.0 TDI Quattro aus Heft 24/2014 das erste und bisher einzige Oberklasseauto, das den anspruchsvollen auto motor und sport-Dauertest mit dem Mängelindex null absolvierte. Um es vorwegzunehmen: Der A6 Avant 45 TFSI ist seit ein paar Wochen das zweite Null-Fehler-Auto in dieser Klasse. Ähnlich wie sein Vorgänger mit V6-Dieselmotor überstand der aktuelle A6 mit Vierzylinder-Turbobenziner die 100.000 km innerlich und äußerlich weitestgehend unbeeindruckt. Noch einmal 100.000 km? Dürfte für diesen Audi eher kein Problem sein, so scheint es.

Nachdem das nun geklärt wäre, können wir uns den anderen Aspekten des Avant 45 TFSI Quattro zuwenden. Falls Sie sich übrigens fragen sollten, wieso der große Audi vergleichsweise viel Zeit für die Dauertestdistanz benötigte: Es lag nicht etwa an mäßiger Beliebtheit, sondern an der coronabedingt lange eingeschränkten Reiseaktivität der Redaktion – ein Schicksal, das der A6 mit den anderen Dauertestern teilte.

Vor allem für Langstreckenfahrten wurde der Audi sehr gern genommen. In den Begleitkarten sind wahre Lobeshymnen auf den Komfort des Fahrwerks und die Qualitäten der Sitze zu lesen. "Sehr gutes Reiseauto, mit nur 7,7 Litern im Schnitt in die Toskana, tolle Sitze auch nach stundenlanger Autobahnfahrt, hervorragender Federungskomfort", notiert ein Redakteurskollege im September 2019. "Völlig entspannter Hightech-Luxuskombi", empfindet wenig später ein anderer.

An den Reisequalitäten des Oberklasse-Kombi gibt es offenbar keine Zweifel. Immerhin zählt das zu den Kernkompetenzen eines Premium-Autos dieser Kategorie. Dazu trägt ebenso das sehr großzügige Raumangebot bei. Im Normalzustand kann der Kofferraum schon 565 Liter packen, ein Umstand, der den Avant auch bei Fotografen beliebt machte.

Überlegen gefedert

Was nicht nur Fotografen – die aber besonders – schätzen, ist der erlesene Fahrkomfort. Und das, obwohl der Testwagen nicht über die adaptive Luftfederung (2.000 Euro) verfügt. Doch auch mit Stahlfedern und der optionalen Dämpferregelung (1.130 Euro) erweist sich der A6 selbst mit 20-Zoll-Sommerrädern als talentiert federndes Reiseauto, aus dem sich selbst längere Belichtungszeiten mit sicherer Hand realisieren lassen. Was das Foto rechts betrifft: Der Fotograf ist per Gurt im Kofferraum gesichert, und er ist auf abgesperrter Strecke unterwegs. Die Dämpferregelung fanden einige Nutzer in der komfortabelsten Stufe als streckenweise zu weich und unterdämpft. Mag sein. Auch die Lenkung gefiel nicht allen Nutzern. "Typische Audi-Lenkung mit zu wenig Gefühl" lautete etwa ein Eintrag in den Begleitkarten. Dabei verfügt der blaue Avant über die Dynamik-Allradlenkung (1.900 Euro). Bei höheren Geschwindigkeiten verbessert sie durch gleichsinniges Lenken Fahrstabilität und Lenkgefühl. Das lässt sich etwa in schnellen Autobahnkurven hinterm Lenkrad erfühlen. Je schneller der Audi unterwegs ist, desto besser liegt die Lenkung in der Hand, ein echtes Autobahnauto also. Gleichzeitig sorgt die Allradlenkung dafür, dass der fast fünf Meter lange Wagen bei Rangier- und Wendemanövern erstaunlich agil zu Werke geht – ein empfehlenswertes Extra, keine Frage.

Unbeholfene Assistenz

Ähnlich lässt sich das von den vielfältigen Assistenzsystemen an Bord des Avant freilich nicht uneingeschränkt sagen. Im Assistenzpaket Tour, ein Teil des 4.200 Euro teuren Business-Pakets, ist etwa der adaptive Fahrassistent enthalten. Dabei kooperiert der adaptive Tempomat mit der aktiven Spurführung und der Verkehrszeichenerkennung. Nicht immer zur Zufriedenheit des Fahrers, weil sich die Verkehrszeichenerkennung oft wenig erkennungssicher zeigt und die Spurführung zu beharrlich agiert, per Knopfdruck am Blinkerhebel kann sie stillgelegt werden. Zudem fällt die Spurverlassenswarnung durch harsche Eingriffe auf. Sie kann ebenfalls per Knopfdruck deaktiviert werden – allerdings nur bis zum nächsten Start. Als ebenfalls mitunter mehr störend als hilfreich erweist sich die Einparkhilfe plus (Teil des Business-Pakets, sonst 850 Euro). Sie aktiviert selbsttätig ihre zwölf Ultraschallsensoren bei weniger als 10 km/h und warnt etwa beim Einbiegen oder Losfahren ebenso penetrant wie unnötig vor imaginierten Hindernissen wie Bordsteinen oder Büschen.

Viel Lob gab es dagegen für das 1.960 Euro teure Matrix-LED-Licht, welches sehr fix und variantenreich Fahrbahn und Umwelt vor dem Audi ausleuchtet. Dass es dabei ebenfalls manchmal übereifrig zu Werke geht und dabei Bäume oder Immobilien unnötig hell anstrahlt, kann man ihm nachsehen.

Weniger schön ist, und damit sind wir bei den Kosten angelangt, dass diese Matrix-Leuchteinheiten ausgesprochen teuer sind. Ein Parkrempler an einer vorderen Lampe kostete knapp 3.000 Euro, nur Material ohne Einbau und Einstellung. Auf die hohen Kosten bei Frontremplern durch kostspielige Lampen und teure Assistenzsensoren wies auch mancher Leserbrief hin.


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Überhaupt bewegen sich die Unterhaltskosten für den großen Audi auf hohem Niveau, selbst wenn er – wie unserer – gar nicht außerplanmäßig zum Kundendienst muss.

Die per Intervallanzeige etwa alle 20.000 km angemahnten Ölwechsel, die zusätzlich notwendigen drei Inspektionen, der Austausch der vorderen Bremsscheiben samt Belägen sowie der turnusgemäße Austausch des Keilrippenriemens gehen schon gehörig ins Geld. Insgesamt fielen bei unserem Audi rund 3.800 Euro für Wartung und Reparaturen an. Und da sind die Kosten für 26 Liter Öl (Nachfüllmenge übrigens null) sowie die Reparaturen durch den Parkrempler noch gar nicht enthalten.

Teurer A6 Avant

Dass der A6 Avant 45 TFSI Quattro kein ganz billiges Vergnügen ist, ließ bereits der Listenpreis von 58.950 Euro zu Testbeginn ahnen. Dazu addierten sich Sonderausstattungen im Wert von über 30.000 Euro zu einem Gesamtpreis von genau 89.640 Euro, nicht wenig Geld für einen Business-Oberklasse-Kombi mit Zweiliter-Vierzylinder, wenngleich immerhin mit Allradantrieb. Heute wäre das gleiche Auto übrigens 93.540 Euro teuer, nun allerdings mit 265 statt 245 PS.

Nach 100.000 km und zweieinhalb Jahren intensiver Nutzung ist der Wert des Wagens um rund 50 000 Euro auf einen Restwert von 39 700 Euro geschrumpft. Auch das muss man sich leisten wollen. Beim Treibstoffkonsum zeigte sich der 45 TFSI zurückhaltender. Im Schnitt flossen 9,5 Liter Super durch die Einspritzanlage. Deutlich über zwölf Liter zu verbrennen, gelingt nur bei sehr viel freier Autobahn. Da erweist sich der Audi mal wieder als echter Musterschüler.

Plus

Antrieb: Kultiviert und kräftig, der Vierzylinder-Turbo überzeugte fast alle Nutzer

Fahrwerk: Vor allem der überragende Reisekomfort erhält viel Lob

Minus

Assistenz: Einige Assistenten wie der Spurhalter agieren zu übergriffig

Bedienung: Das eingebaute Infotainment nervt mit umständlicher Menüstruktur

Mängelindex

Das zweite Null-Fehler-Auto in der Oberklasse ist ebenfalls ein Audi, das dürfte in Ingolstadt für Freude sorgen. Doch so komplett mängelfrei kam auch dieser A6 Avant nicht über die Runden. Wobei das in diesem Fall Klagen auf hohem Niveau ist. So verzeichnete das Infotainment ein paar Systemabstürze, nichts freilich, was nicht mit einem Neustart des Wagens zu beheben gewesen wäre. Eine Rückrufaktion war ebenfalls dabei. Der Riemenstartergenerator wurde wegen möglicher Brandgefahr ausgetauscht, davon war eine halbe Million Audi betroffen.

Erfahrungen – "Ein gutes Dienstfahrzeug"

Besonders gut gefällt mir das Außendesign meiner A6 Limousine mit dem gelungenen Heck. Dazu kommt ein digitales Cockpit, das ich als hochfunktional empfinde. Auch die Sitze sind komfortabel und für lange Reisen geeignet. Das Fahrwerk reagiert trotz 20-Zoll-Reifen recht entspannt. Die Reichweite und damit der Verbrauch des Fahrzeuges liegt im erwarteten Bereich. Mein Fazit: Ein gutes Dienstfahrzeug mit aushaltbaren Schwächen – trotzdem wird mein nächstes Dienstfahrzeug ein BMW. Frank Hubbert, 71032 Böblingen

Mein A6 Avant 50 TDI Quattro von 2018 ist aktuell 73.000 km gelaufen, bei einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern/100 km. Um es vorweg zu sagen: Wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, bin ich begeistert. Der Durchzug, auch oberhalb von 200 km/h, ist toll, die Straßenlage durch Allradlenkung und Luftfederung hervorragend, und das durch die Akustikverglasung bei einer geringen Geräuschbelastung. Das größte Nervpotenzial hat für mich seit Beginn die katastrophale Anfahrschwäche. Sie ist auch nach einem Update noch da und führte schon mehrfach zu brenzligen Situationen, weil das Auto einfach nicht vom Fleck kommt. Mit ausgereifterer Bordelektronik und einem anderen Antrieb würde ich den A6 dennoch wieder wählen, ein fantastisches Reisefahrzeug. Hendrik Nardmann, 30559 Hannover

Leider hat es meinen A6 bei 99.950 km erwischt. Zum Glück handelte es sich nur um eine kleine Kollision auf einem Parkplatz bei Schrittgeschwindigkeit. Dabei wurde jedoch die vordere Abdeckung, früher hätte man Stoßstange gesagt, abgerissen. Blechteile, Rahmen oder Motor waren nicht betroffen. Lediglich die beiden Scheinwerfer mussten zusätzlich erneuert werden, da auch hier die Abdeckungen eingerissen waren. Erschreckend war jedoch, dass der Austausch der vorderen Abdeckung und der beiden Scheinwerfer so kostenintensiv war: Die Summe entsprach etwa einem halben Kompaktwagen. In der Fahrzeugfront sind so viele Bauteile, Sensoren und Steuergeräte verbaut, dass die Liste der benötigten Ersatzteilescheinbar gar nicht aufhörte. André Och, 99098 Erfurt

Fahre seit September 2019 einen A6 Avant 40 TDI Mildhybrid. Meine Erfahrung: Perfektes Langstreckenfahrzeug, bisher 125.000 km ohne das geringste Problem. 6,4 Liter Verbrauch im Durchschnitt, alle 30.000 km Wartung, sonst nichts. Der A6 ist ein ausgereiftes, hochwertig gebautes Fahrzeug für Vielfahrer und Genießer. Volltanken, einsteigen und losfahren, ein Auto ohne Schwächen und mit geringem Verbrauch und guten Abgaswerten. Bei meiner jährlichen Fahrleistung von bis zu 70.000 km, oft bis zu 600 km am Tag, sind E-Autos derzeit ein Witz. Magnus Becker, 68789 St. Leon-Rot

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