Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Fashion und Fridays for Future: Designerin Judith Bondy will beides vereinen

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 23.09.2022 Greta Lowak
© Bereitgestellt von Berliner Zeitung

Tüll, Tüll, Tüll: Das ist üblicherweise das Markenzeichen von Judith Bondy. Ihre Brand Bondy steht für schrille Farben, ausgefallene Designs und eben – Tüll. Die Kollektion „Neverend“ präsentierte die Designerin erstmalig mit Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auf der hiesigen Modewoche im vergangenen März. Auf der Berlin Fashion Week in diesem September gab sie dann in der Musikbrauerei Berlin Einblicke in ihre neue Kollektion „Metanoia“ – und damit ein Stück weit auch in ihre eigene Gefühlswelt.

Judith Bondy wurde 1989 in Berlin geboren und wuchs in Schöneberg auf. Nach ihrem Abitur blieb sie in der Stadt, allerdings zog es sie nach Kreuzberg, wo sie bis heute lebt. Sie begann ein Studium des Modedesigns an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Später studierte sie in Amsterdam und an der Kunsthochschule Weißensee, wo sie mit einem Master abschloss. Danach arbeitete Bondy für verschiedene Marken wie Kaviar Gauche oder Ann Demeulemeester, 2018 gründete die Designerin dann ihr eigenes Label – mit reichlich Tüll eben.

Doch mittlerweile steht Bondy für viel mehr als das ausgefallene, raschelnde Netz-Gewebe. Die Designerin beschreibt ihre Mode als „Couture, aber eben auf eine moderne Art“. Der Fokus liegt auf dem Handwerk, erklärt Judith Bondy. „Wir kombinieren hochwertige Schneiderkunst mit coolen Pieces, das ist das, was uns ausmacht.“ Doch die Handarbeit hat auch bei Bondy ihren Preis – und weil sich halt nicht jede potenziell mal eben ein Kleid für 8000 Euro leisten kann, verleiht die Marke ihre ausgefallenen Entwürfe auch.

Ohnehin bietet Bondy mehr als nur schicke Kleider. Gerade die neue Kollektion prägen auch lässige Teile wie Hoodies oder Shirts. Im Kontrast zu ihrem hochpreisigen Couture-Angebot umfasst Bondys Ready-to-wear-Kollektion Kleidungsstücke, die bis zu 300 Euro kosten. Darunter sind auch Basics, die Bondy von nachhaltigen Herstellern einkauft und dann in ihrem Berliner Atelier veredelt, etwa durch Stickereien.

Generell setzt die Designerin auf Nachhaltigkeit, kauft viele Materialien secondhand ein oder arbeitet mit überschüssigen Stoffresten, sogenannten Deadstock Fabrics. „Wenn man von Slow Fashion spricht, denkt man erst mal an nachhaltige, schlichte Teile in Sand- und Erdtönen“, sagt sie. „Aber das sind wir ja nicht. Wir haben unsere eigene Definition von Slow Fashion.“

Dementsprechend würden sie und ihr Team nicht bloß von Nachhaltigkeit sprechen, sondern lieber den Begriff der „Verantwortung“ benutzen. „Ich habe oft das Gefühl, wenn man das eine macht, schließt es automatisch das andere aus. Ich könne zum Beispiel keine Designerin sein und trotzdem auf „Fridays for Future“-Demos gehen“, sagt Bondy. „Aber natürlich kann ich das!“

Ästhetisch habe sie das Leben in Berlin geprägt, sagt Judith Bondy. Die Designerin wuchs in Schöneberg auf, habe schon in jungen Jahren viele verschiedene Subkulturen kennengelernt. „Berlin hat einfach so etwas Roughes, Freches, etwas, das ganz anders ist als in anderen Städten. Diese Ästhetik möchte ich gerne in meiner Mode widerspiegeln“, beschreibt sie.

Das passt gut zu einem Partner, mit dem sich Bondy für ihre Runway-Show vor wenigen Wochen in der Musikbrauerei zusammengetan hat: der amerikanische, stilistisch nicht unumstrittene Gummischuh-Hersteller Crocs. „Das ist irgendwie auch ein bisschen Berlin, dass ausgerechnet dieser Schuh hier so angekommen ist“, so Bondy. In Städten wie München sei das undenkbar.

Die Kollektion an sich sei durch die Ambivalenz der sozialen Medien inspiriert, so Bondy. Dort ist der Grat zwischen perfekt inszenierter Scheinwelt und realem Leben mittlerweile besonders schmal. Wer sich durch Social-Media-Plattformen wie Instagram scrollt, sieht die perfekt inszenierten Slides der Influencerinnen, die ihre „Morning Routine“ beschreiben – und im nächsten Bild sieht man die Welt förmlich brennen.

Judith Bondy beschreibt diesen Clash zwischen zwei Welten mit ihrer Kollektion „Metanoia“: Die ersten Looks ihrer Show waren im klassischen Bondy-Stil gehalten, mit reichlich Tüll, Bonbon-Farben, weichen Formen. Im Verlauf der Show aber veränderte sich die Mode hin zu einer Düsternis. Es sei auch ihre eigene Gefühlswelt, die dadurch sichtbar werde, so Bondy. Sie will dem Druck von außen trotzen, sich selbst auf das Maximale zu optimieren und zu „that girl“ zu sein, also die scheinbar perfekte Frau. „Natürlich ist es immer gut, sich selbst zu verbessern“, so Bondy. „Aber dann so, wie ich es möchte.“

Da ihre anderen Kollektionen sehr knallig, auffällig und bunt waren, wagt sich Bondy mit „Metanoia“ an einen etwas anderen Stil. In der neuen Herbstkollektion finden sich viele dunklere Designs, „es hat sich auch einfach richtig angefühlt, jetzt zum Winter hin eine etwas dystopische Kollektion zu machen.“ Die Designerin betont aber, dass ihre Marke dadurch nicht vom ursprünglichen Stil abweichen wolle, sondern lediglich der Facettenreichtum ihres Labels sichtbar werden soll.

Privat trägt die Designerin indes einfach das, was ihr gefällt. Wider Erwarten erklärt sie allerdings, dass sie eigentlich eine Minimalistin sei: Judith Bondy setzt auf besondere Teile, die sie lange trägt und nicht selten secondhand geshoppt hat. „Leute sind immer total erstaunt, wenn sie meinen kleinen Kleiderschrank sehen, von einer Designerin erwartet man wahrscheinlich etwas anderes“, so Bondy. 

Für die Zukunft ihrer Marke möchte sich die Designerin in einem Punkt noch nicht festlegen: Sie könne sich neben den klassischen Kollektionen und Modenschauen auch eine digitale Linie oder die Zusammenarbeit mit anderen Designerinnen und Designern vorstellen. Auf jeden Fall blickt Bondy hoffnungsvoll in die Zukunft: „Ich bin motiviert, herauszufinden, was sonst noch so möglich ist. Vielleicht auch mal außerhalb Berlins.“

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Berliner Zeitung

Berliner Zeitung
Berliner Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon