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50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern – Zwei Regionen müssten zurück in den Lockdown

WELT-Logo WELT 06.05.2020 Curd Wunderlich
Bund und Länder haben sich auf ein weiteres Vorgehen in der Corona-Krise geeinigt. Dennoch gelten in jedem Bundesland andere Regeln. Das ist in Ihrem Bundesland erlaubt, das nicht. Quelle: WELT/Daniela Will © WELT/Daniela Will Bund und Länder haben sich auf ein weiteres Vorgehen in der Corona-Krise geeinigt. Dennoch gelten in jedem Bundesland andere Regeln. Das ist in Ihrem Bundesland erlaubt, das nicht. Quelle: WELT/Daniela Will

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus gehen in Deutschland derzeit stetig zurück. Die Landesregierungen nehmen das zum Anlass, die Beschränkungen im Kampf gegen das Virus Schritt für Schritt immer weiter zu lockern. Doch ohne Risiko ist das nicht: Virologen und das Robert Koch-Institut (RKI) warnen vor einer möglichen zweiten oder dritten Infektionswelle.

Um bei lokalen Ausbrüchen dennoch den Überblick über Infektionsketten und Kontaktpersonen zu behalten, sehen Bund und Länder eine Obergrenze vor: In Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage muss sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Mittwoch von einer „Notbremse“. 

Daten der vergangenen 14 Tage zeigen, wie dynamisch sich die Lage in den einzelnen Kreisen in Sieben-Tage-Rhythmen verändern kann.

Mit Stand Mittwoch, 6. Mai (0 Uhr), müssten laut RKI-Daten der Landkreis Greiz in Ostthüringen und die kreisfreie Stadt Rosenheim in Oberbayern wieder strengere Maßnahmen verhängen. Im knapp 100.000Einwohner zählenden Kreis Greiz gab es in den letzten sieben Tagen demnach 84,6 Fälle pro 100.000 Einwohnern – die mit Abstand höchste Rate an Neuinfektionen deutschlandweit. Rosenheim (rund 63.000 Einwohner) auf Platz zwei wies in den vergangenen sieben Tagen hochgerechnet 52,1 Fälle pro 100.000 Einwohnern auf.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Greiz und Rosenheim gehörten auch sieben Tage zuvor (Datenstand 29. April, 0 Uhr) zu den Orten mit den höchsten Neuinfektionsraten in Deutschland. Laut RKI wurden vor einer Woche aus Rosenheim 63 Fälle innerhalb der letzten sieben Tage übermittelt – also rund 99,5 pro 100.000 Einwohnern. Aus dem Landkreis Greiz waren es 68 Fälle, also rund 69,3 pro 100.000 Einwohnern.

Die Lage im Kreis Greiz war laut Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in der Runde von Bundeskanzlerin Merkel mit den Landeschefs am Mittwoch erstes Thema. Durch die allgemein deutlich entspannte Lage seien die Behörden aber nun in der Lage, auf die große Dynamik dort zu reagieren und den Landkreis bei seinen Maßnahmen vor Ort zu unterstützen.

Wie die neuen Auflagen bei Überschreiten der Obergrenze konkret aussehen, entscheiden die Länder selbst. Zu möglichen Auswirkungen für die beiden derzeit betroffenen Kreise gab es zunächst keine Informationen. Sollte sich das Infektionsgeschehen klar eingrenzen lassen, zum Beispiel innerhalb einer Pflegeeinrichtung, dann könne das Beschränkungskonzept auch nur diese Einrichtung und nicht den ganzen Landkreis umfassen, hieß es von Kanzlerin Merkel am Mittwoch in Berlin. In Greiz lag der Ausbruchsschwerpunkt dem Landratsamt zufolge zuletzt in stationären Pflegeeinrichtungen.

Vor einer Woche meldet noch Straubing die höchste Neuinfektionsrate

Die höchste Neuinfektionsrate meldete vor Wochenfrist noch die kreisfreie Stadt Straubing in Niederbayern. In der 48.000-Einwohner-Stadt waren in den vorangegangenen sieben Tagen 55 neue Coronafälle bekanntgeworden – rund 115,1 auf 100.000 Einwohner hochgerechnet. Diese Rate ging in Straubing in den vergangenen sieben Tagen deutlich zurück: Es wurden nur noch rund 31,4 Fälle pro 100.000 Einwohnern gemeldet.

An der Grenze zum drohenden erneuten Lockdown steht aktuell der Landkreis Heidenheim (132.000 Einwohner) im Osten Baden-Württembergs. Dort wurden in der vergangenen Woche 49,8 neue Coronafälle pro 100.000 Einwohnern verzeichnet. Vor Wochenfrist war Heidenheim noch nicht einmal in den Top-15 der kreisfreien Städte und Landkreise mit der höchsten Neuninfektionsrate aufgetaucht. Die Infektionsrate dort nahm also in den vergangenen sieben Tagen zu.

In den allermeisten deutschen Landkreisen liegt die Quote bei unter 25 neuen Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Es gibt auch Regionen, die sich aktuell als Corona-frei bezeichnen können. In den vergangenen sieben Tagen gab es in 26 Landkreisen und kreisfreien Städten keine einzige registrierte Neuinfektion. Das waren: die Landkreise Holzminden, Schaumburg, Wesermarsch und Uelzen sowie die kreisfreie Stadt Oldenburg in Niedersachsen, der Vogelsbergkreis in Hessen, der Landkreis Kaiserslautern sowie die kreisfreien Städte Frankenthal, Pirmasens und Zweibrücken in Rheinland-Pfalz, in Bayern die Landkreise Roth und Unterallgäu sowie die kreisfreien Städte Würzburg und Kempten, in Brandenburg die Landkreise Elbe-Elster, Prignitz, Spree-Neiße und Uckermark sowie die kreisfreie Stadt Cottbus, in Mecklenburg-Vorpommern der Landkreis Vorpommern-Greifswald und die kreisfreie Stadt Schwerin, in Sachsen-Anhalt die Landkreise Altmarkkreis Salzwedel, Jerichower Land und Wittenberg und in Thüringen die kreisfreien Städte Jena und Suhl.

Hochgerechnet würde die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen bedeuten, dass deutschlandweit 41.500 neue Coronafälle in einer Woche bekannt werden dürften, bevor – zumindest in der Theorie – das ganze Land wieder heruntergefahren werden müsste. Das wären im Schnitt mehr als 5900 neue Fälle pro Tag. So viele gab es laut RKI-Daten nur während weniger Tage Anfang April. Damals erreichte die Epidemie ihren – zumindest vorläufigen – Höhepunkt in Deutschland. Die Obergrenze scheint also eher hoch angesetzt zu sein.

Niedersachsen will bei einem Anstieg der Corona-Neuinfektionen daher bereits frühzeitiger reagieren. „Ich kann Ihnen sagen, dass wir in Niedersachsen schon deutlich früher entsprechende Maßnahmen ergreifen werden“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch in Hannover. Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen nannte er nicht.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte am Dienstag sogar noch einen von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) ins Spiel gebrachten Vorschlag für eine Obergrenze von 35 Infektionen auf 100.000 Einwohner infrage gestellt. Wichtig sei vor allem: „Wir dürfen nicht wieder in einen Trend der Beschleunigung der Infektionen kommen.“ Schon bei einer Obergrenze von 35 auf 100.000 müsste es in Hamburg mehr als 600 Neuinfektionen binnen einer Woche geben, bevor Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssten, sagte Tschentscher. „Da sind wir jetzt weit von entfernt. Und deswegen, würde ich sagen, ist das eine Größenordnung, die man diskutieren kann. Aber ob es nützlich ist, das muss man sehen.“ Legt man 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zugrunde, wäre man bei in Hamburg sogar bei einer Grenze von gut 900 Neuinfektionen pro Woche. In der vergangenen Woche wurden in Hamburg aber lediglich 173 Corona-Neuinfektionen nachgewiesen.

© Infografik WELT

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