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6 Experten warnen in Thesenpapier vor „Dramatisierung“ der Corona-Situation — und fordern, die Maßnahmen zu überdenken

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 08.05.2020 Lea Kreppmeier
© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland

In den vergangenen Wochen hat sich die Covid-19 Pandemie stetig weiter ausgebreitet und zu immer mehr Neuinfektionen geführt. Als Reaktion auf das Virus haben die Länder unterschiedlich strenge Maßnahmen ergriffen, welche die Gesellschaft schützen sollten, dort aber nicht nur positiv aufgenommen werden.

Wissenschaftler sprechen sich gegen die „Dramatisierung“ der Corona-Situation aus

Gegen die strengen Präventionsmaßnahmen richtet sich nun auch eine Gruppe von sechs Gesundheitsexperten. In einem Thesenpapier kritisieren sie den politischen Umgang mit der Pandemie und fordern eine breitere Datenbasis, gezieltere Präventionsmaßnahmen und mehr Rücksicht auf die Bürgerrechte während der Krisenbewältigung.

„[N]ach den Prinzipien der Risikokommunikation ist in einer solchen Situation ein sachlicher und gelassener Austausch von Argumenten geboten, der nichts beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Alle Beteiligten müssen darauf hinwirken, dass es nicht zu geschlossenen Argumentationsketten kommt, die anderslautenden Nachrichten keinen Raum mehr geben können“, so heißt es in der Vorbemerkung des Thesenpapiers.

Zu den Autoren des Papiers zählen Hedwig François-Kettner, ehemalige Pflegedirektorin der Charité und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, die Gesundheitsforscher Gerd Glaeske (Universität Bremen), Matthias Schrappe und Holger Pfaff (beide Universität Köln) sowie der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel und Franz Knieps, Cheflobbyist der betrieblichen Krankenversicherungen in Deutschland.

Mit 23 Thesen wollen die Autoren einen mehrdimensionalen Zugang zu der Thematik gewähren und aufzeigen, warum die Lockdown-Maßnahmen nochmal überdacht werden sollten.

Maßnahmen greifen in wesentliche Freiheitsrechte ein

So heißt es beispielsweise in These eins, dass das Coronavirus, obwohl es Auswirkungen auf die Gesundheit, das Gesundheitssystem und soziale Systeme habe, dennoch eine „typische Infektionskrankheit“ sei. Der Virus sei aber kein Grund, alle Regeln über Bord zu werfen und alles Soziale zu verbieten, so die Wissenschaftler.

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Kritisiert werden vor allem die Kontaktsperren und die soziale Isolation. Diese könnten, nach Meinung der Autoren, auch durch andere, kreativere Alternativen ersetzt werden.

Einig sind sich die Wissenschaftler auch, dass einige der von Bund und Ländern erlassenen Maßnahmen in wesentliche Freiheitsrechte der Menschen in Deutschland eingreifen. Darunter das allgemeine Persönlichkeitsrecht, die persönliche Freiheit im Sinne der Bewegungsfreiheit, sowie auch die Glaubens-, Versammlungs- und Berufsfreiheit.

Experten fordern Zielgruppen-spezifische Ansätze

Hinsichtlich der veröffentlichten Zahlen sehen die Gesundheitsexperten ebenfalls Verbesserungspotenzial. Die momentanen Zahlen seien widersprüchlich und verwirrend, weil die Tests derzeit nur anlassbezogen durchgeführt würden. Dabei sei allerdings nicht erkennbar, ob es sich tatsächlich um Neuinfektionen handle, oder um den Effekt der Ausweitung der Stichprobe.

Ohne klare Zahlen in Bezug auf die Erkrankten, könne aber auch keine wirklich zutreffende Aussage über die Genesenen und die Verstorbenen getroffen werden, so die Autoren.

Und auch in Bezug auf die Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten haben die Wissenschaftler eine klare Meinung. So wäre es sinnvoller die Einrichtungen zu öffnen und die Maßnahmen durch Zielgruppen-spezifische Konzepte abzulösen bzw. zu ergänzen. Gesonderte Regelungen gäbe es demnach zum Schutz von Risikogruppen.

Das Thesenpapier wurde in seiner ersten Fassung am 5. April veröffentlicht, wurde aber aufgrund der dynamischen Entwicklung des Virus nochmals angepasst. Die neue Version erschien Anfang Mai.

Three kids wearing anti virus masks going to school © Getty Three kids wearing anti virus masks going to school

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