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Corona-Mobbing in Russland: Dorfbewohner hetzen gegen Städter

Euronews-Logo Euronews 03.05.2020
© Bereitgestellt von Euronews

Im Mai stehen in Russland gleich mehrere Feiertage an, die sogenannten Maitage. Traditionell zieht es dann viele Großstädter aufs Land. Entweder in die eigene Datscha oder in angemietete Häuser und Wohnungen. In Zeiten der Coronakrise schlägt den Städtern jetzt allerdings Feindseligkeit entgegen.

Natalja berichtet unter Tränen in einem Facebook-Video: "Die Leute fragen mich, warum ich hierher gekommen bin und die Krankheit verbreite."

Völlig aufgelöst gibt Natalja an, ein Opfer von Coronavirus-Mobbing zu sein.

Gleich zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen in Russland zog sie mit ihren 3 Kindern aus einer winzigen Wohnung in Moskau in ihr Dorfhaus, 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Natalja sagt, dass sie jeden Tag beleidigt und bedroht wird: "Ich ging in einen Laden, ein Mann bedrohte mich auf der Straße, er schaute mich so an (gestikuliert) und sagte: Verschwinden Sie, verdammt noch mal! Sie sind mit dem Coronavirus infiziert! Die Tatsache, dass ich aus Moskau gekommen bin, bedeutete für ihn sofort eine Coronavirusinfektion. Das ist unheimlich "

Vollkommen legale Landpartie, aber...

Die Quarantänebestimmungen erlauben es Natalja ganz offiziell, in ihrem Dorfhaus zu bleiben und in einem nahe gelegenen Geschäft einzukaufen. Aber die Einheimischen sind feindselig. Und Nataljas Fall ist keine Ausnahme.

Euronews.Korrespondentin Galina Polonskaja kommentierte in Nataljas Dorf: "Menschen aus Moskau und Sankt Petersburg, Städte mit den meisten Covid-19-Fällen in Russland, dürfen während der Quarantäne in ihre Datschas, kleine Landhäuser. Einige mieten Dorfhäuser, um sich dort selbst zu isolieren. Und für einige Einheimische ist das eine Bedrohung. Im Moment warten sie in Panik auf die Maifeiertage und Menschenmassen aus Epizentren von Epidemien".

Forderungen nach Schutz werden lauter

Anastasia Mironova ist eine dieser Einheimischen. Sie lebt in einem Dorf in der Region Sankt Petersburg. Und sie steht auf der anderen Seite der Barrikade. Sie ist Journalistin und Bloggerin. In ihren Artikeln fordert sie die Behörden auf, diejenigen zu schützen, die in Dörfern leben.

Im Video-Interview mit Galiona Polonskaja sagte Anastasia Mironova: "Die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden besteht darin, die Isolation der Datscha-Besitzer zu garantieren, sie können ja gerne kommen. Aber sie kommen und laufen herum, und sie gehen zum Grillen, zum Einkaufen, sie haben keine Mittel zum Schutz. Aus irgendeinem Grund verstehen die Menschen nicht, dass es nur einer infizierten Person bedarf, die nicht einmal Symptome haben muss, um das ganze Dorf anzustecken".

Krankenhäuser nicht vorbereitet

Lokale Krankenhäuser, sagt Anastasia, sind nicht gut ausgestattet, und befürchten eine Katastrophe. Die Menschen im Dorf fühlen sich gefangen und haben Angst.

Anastasia sagt, dass das, was mit Natalja und anderen Städtern in ähnlichen Situation geschieht, unvermeidlich ist: "Die Menschen sind neurotisch, die Menschen sind sehr verängstigt, die Menschen sind unzufrieden. Der wirtschaftliche Faktor spielt da mit rein, viele haben keinen Lebensunterhalt. Dieses Verhalten (Schikanierung von Natalja) ist leider eine tragische und traurige Konsequenz, aber es scheint mir unvermeidlich zu sein. Wenn die Behörden nicht die Kontrolle übernehmen können, werden solche Dinge geschehen."

Anastasia drängt die Behörden, Datscha-Besitzer aufzuspüren, die aus russischen Epizentren von Epidemien stammen. Für die Maifeiertage erwartet sie Besuchermassen in ihrem Dorf. Sie könnten eine Gefahr für diejenigen sein, die nirgendwo anders hinkönnen.

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