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Coronavirus: Politiker befürworten Mundschutz-Pflicht

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 12.04.2020 Antje Blinda

Kommende Woche beraten Bund und Länder, wie es weitergehen soll in der Coronakrise. Schon jetzt äußern sich einzelne Politiker dazu: "Mundschutz für alle", fordert etwa Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

© Jens Büttner/ dpa

Noch herrscht Kontaktsperre in der Coronakrise - doch was kommt, wenn die Maßnahmen gelockert werden? Vor allem zu Atemschutzmasken und zur Pflicht, sie zu tragen, äußern sich jetzt Politiker, Mediziner und auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Nur wird kaum jemand konkreter, wie genau dieser Mundschutz aussehen soll. Immerhin kann zurzeit selbst medizinischen Personal kaum zuverlässig mit Schutzkleidung und -masken ausgestattet werden. Und über den Sinn von Stoffmasken aus der heimischen Produktion bestehen große Zweifel.

So sieht Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zum Beispiel eine generelle Maskenpflicht kommen. "Wir werden das öffentliche Leben nur schrittweise hochfahren können. Und wir brauchen zusätzliche Maßnahmen wie Mundschutz für alle", sagte Schwesig der "Bild am Sonntag".

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat ein Expertenkonzept für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen vorgelegt, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") berichtete. Auch darin werden Atemmasken für alle empfohlen.

Das Expertenteam schlägt vor, "einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen". Dazu gehörten Schulen, Universitäten und der Einzelhandel. Läden sollen früher öffnen als Diskotheken, in Restaurants sollen Tische weit auseinander stehen, und nur wenige Gäste zugelassen werden. Fußballspiele, Messen und Kongresse müssten dagegen noch länger verboten bleiben.

Noch am Donnerstag hatte Laschet eine Maskenpflicht nicht kommen sehen und distanzierte sich damit von seinem Kollegen Markus Söder (CSU) in Bayern: "Eine Maskenpflicht für ganz Deutschland sehe ich derzeit nicht", sagt Laschet im ZDF-"Morgenmagazin". Er setze bei einer Entscheidung über Maßnahmen wie Abstandsregeln und Hygienevorkehrungen auf das in Kürze erwartete Ergebnis einer Studie in dem früh besonders stark betroffenen Kreis Heinsberg.

Söder hatte sich für eine schrittweise Lockerung der öffentlichen Beschränkungen unter strengen Auflagen ausgesprochen und eine Maskenpflicht als sehr wahrscheinlich bezeichnet. Es müsse gemeinschaftlich diskutiert werden, ob und welche Geschäfte in Deutschland wieder geöffnet werden könnten. Dabei müssten dann aber Regeln etwa zu Abständen oder zur Desinfektion eingehalten werden.

Als problematisch bezeichnete Söder Änderungen der derzeitigen Beschränkungen in Bereichen, in denen das Abstandnehmen schwierig ist - konkret in der Gastronomie, in Clubs, Diskotheken, Hotels und auch bei größeren Veranstaltungen.

Selbstgestricktes lehnt die WHO ab

Auf Söders Äußerung reagierte Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Vorstandes des Weltärztebundes: "Ich persönlich halte nicht viel von der Maskenpflicht", sagte er am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. "Wer das Virus in sich trägt, der sollte eine Maske tragen. Aber das sind ja nicht 83 Millionen, die Herr Söder mit seiner Maskenpflicht beglücken will, sondern das sind im Moment immer noch nur 130.000."

Die ganz hochwertigen Masken mit komplettem Schutz sollten dem medizinischen Personal vorbehalten sein, sagte Montgomery. "Die allgemeinen Masken für alle gibt es momentan nicht zu kaufen. Und ich halte es für absurd, Menschen Pflichten aufzuerlegen, die sie gar nicht erfüllen können."

Selbstgestrickte oder andere Masken würden "selbst von der Weltgesundheitsorganisation abgelehnt, weil sich in ihnen das Virus konzentrieren kann und man dann beim Berühren sozusagen die Infektion befördert."

Allerdings habe er sich auch selbst "eine Maske genäht und ich trage natürlich eine Maske, wenn ich in die Öffentlichkeit gehe, auch um meiner Solidarität und meiner Höflichkeit gegenüber meinen Mitmenschen Ausdruck zu verleihen. Aber die muss man oft waschen, die muss man pflegen, diese Maske."

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, hat am Donnerstag das Tragen eines Mundschutzes im öffentlichen Raum befürwortet. "Ich kann gar nicht verstehen, dass in Deutschland keine lautere Debatte darüber aufkommt, dass man Lockerungen mit Masken, die jeder draußen trägt, verbindet", sagte er im SWR. "Das wäre auch für alle Einsatzkräfte eine große Erleichterung." Beim Motorradfahren müsse man schließlich auch einen Helm aufsetzen, beim Autofahren müsse man sich anschnallen: "Warum sollten wir also nicht eine Maske anziehen in diesen Tagen?"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch über die nächste Phase des Kampfes gegen das neuartige Coronavirus beraten. Dann soll es auch um die Frage gehen, wie es mit den bislang bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen weitergeht.

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