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Italien verschärft Kampf gegen Corona

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 19.03.2020 Frank Hornig

Mehr als eine Million Bürger wurden in den vergangenen Tagen kontrolliert, Tausende kassierten eine Anzeige: Weil die Infiziertenzahlen weiter steigen, verhängt die Regierung in Rom nun neue, drastische Maßnahmen.

© FABIO FRUSTACI/EPA-EFE/Shutterstock

Seit über einer Woche sollen alle Italiener zuhause bleiben. Aber manches war bislang noch erlaubt. Vor allem das Einkaufen im Supermarkt. Aber auch ein Spaziergang an der frischen Luft - solange sich die Menschen nicht zu nahe kamen und keine Gruppen bildeten.

Doch jetzt verschärft die Regierung ein weiteres Mal ihre Politik. Ab heute sollen alle Bürger ein Formular bei sich tragen, sollten sie ihre Wohnung verlassen. Darin müssen sie erklären, dass sie nicht positiv auf Corona getestet und nicht unter Quarantäne gestellt wurden. Für alle Infizierten gilt ein absolutes Ausgehverbot. Wer dagegen verstößt, kann im Ernstfall drastisch bestraft werden.

Wer ohne Grund auf der Straße ist, riskiert eine Geldbuße oder drei Monate Gefängnis

Aber auch gesunde Bürger müssen mit Sanktionen rechnen, wenn sie nicht gerade auf dem Weg zur Arbeit, in die Apotheke oder den Supermarkt sind. Wer ohne Grund auf der Straße ist, riskiert eine Geldbuße von 206 Euro oder drei Monate Gefängnis.

Jeden Tag finden nun zahllose Kontrollen statt. Viele Polizisten sind zu Fuß, im Dienstwagen mit dem Motorrad oder sogar auf dem Pferd unterwegs, um die Papiere der Bürger zu überprüfen. Der Druck wird ständig erhöht. Binnen einer Woche wurden bereits mehr als eine Million Menschen kontrolliert. Allein am Dienstag waren es 187.455 Einwohner, mehr als 8000 von ihnen kassierten eine Anzeige.

Politiker und Behördenchefs richten immer eindringlichere Appelle an die Bürger. "Es gibt zu viele Jogger. Zu viele Leute legen ihr Recht auf einen Spaziergang oder aufs Gassi-Gehen mit dem Hund auf eigene Weise aus", schimpft zum Beispiel der Präfekt von Mailand, Renato Saccone: "So geht das nicht."

Und Italiens Innenministerin Luciana Lamorgese stellt klar, man dürfe sich nur kurz, am besten allein und bloß im engen Umfeld der eigenen Wohnung nach draußen begeben. "Längere Aufenthalte im Freien bedeuten eine Risikosituation, die vermieden werden muss." Ihr Kollege im Sportministerium spricht bereits davon, dass Joggen, Fahrradfahren und jede andere körperliche Betätigung im Freien komplett verboten werden sollen.

"Wir müssen noch strenger sein"

Die Regierung in Rom ist nervös, denn die steil nach oben weisende Kurve mit Infiziertenzahlen flacht nur allmählich ab. Am Mittwochabend zählte Italien 35.713 Fälle. Es ist unklar, ob die harten Maßnahmen wirken. "Diese Woche ist entscheidend", heißt es im Innenministerium.

Die Lombardei, das Epizentrum der Krise, überprüft seit einigen Tagen das Bewegungsverhalten ihrer 10 Millionen Einwohner systematisch. Alle großen Mobilfunkanbieter stellen der regionalen Regierung von Gouverneur Attilio Fontana dafür die Handydaten ihrer Kunden zur Verfügung. So lässt sich nachvollziehen, wie viele Menschen zwischen den einzelnen Funkzellen unterwegs sind. Die Daten sollen anonymisiert sein, so dass ein Tracking einzelner Bürger nicht möglich ist, heißt es in der Zeitung "Corriere della Sera", zentrale Trends werden aber sichtbar.

Vom 20. Februar, als der erste Covid-19-Fall in der Lombardei bekannt wurde, bis gestern seien die Bewegungen in der Region um 60 Prozent zurückgegangen, teilte die lombardische Verwaltung mit. "Zu wenig", urteilt Gouverneur Fontana: "Wir müssen noch strenger sein und dürfen noch nicht in den Alltag zurückkehren."

Einschränkungen gibt es inzwischen auch in den großen Supermärkten des Landes, die oft weit mehr als nur Lebensmittel verkaufen. Einige Ketten verbieten ihren Kunden, zum Beispiel Unterwäsche, Schreibwaren oder Küchenutensilien zu erwerben. Nur Lampen seien erlaubt. Ansonsten werde das Angebot streng auf Lebensmittel beschränkt.

Fast nichts scheint noch ausgeschlossen. Plötzlich werden sogar fast vergessene Regeln des italienischen Strafgesetzbuches von 1930  diskutiert: "Wer eine Epidemie durch die Verbreitung von Keimen auslöst", heißt es in den einschlägigen Artikeln, "wird mit Haft von 3 bis 12 Jahren bestraft".

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