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Putin inszeniert sich in der Corona-Krise als Katastrophenhelfer

WELT-Logo WELT 25.03.2020
Immer wieder betonte Putin, Russland habe „alles im Griff“. Nun hat er ein Krankenhaus mit Covid-19-Patienten besucht. Im Schutzanzug. Es enstanden PR-Fotos, die ihn als Helfer zeigen sollen. Quelle: WELT © via REUTERS Immer wieder betonte Putin, Russland habe „alles im Griff“. Nun hat er ein Krankenhaus mit Covid-19-Patienten besucht. Im Schutzanzug. Es enstanden PR-Fotos, die ihn als Helfer zeigen sollen. Quelle: WELT

Wladimir Putin inszeniert sich gern, das ist kein Geheimnis. In der Vergangenheit ließ er sich mit Outdoorjacke im Wald ablichten, beim Fischen, in einem U-Boot oder – das vielleicht bekannteste Foto – halb nackt auf einem Pferd in Sibirien.

Jetzt hat der russische Präsident in Moskau ein Krankenhaus besucht, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden. Und wieder entstanden PR-Fotos, die ihn als Macher zeigen sollen: Putin trug einen Schutzanzug in Katastrophengelb, dazu blaue Handschuhe und eine Atemmaske mit Filter.

Das medizinische Personal, das auf den Fotos zu sehen ist, scheint weniger gut geschützt zu sein. Die Männer und Frauen tragen zwar ebenfalls Schutzanzüge, aber keine Masken, die das ganze Gesicht bedecken.

Der russische Staatssender Russia Today feiert den kuriosen Auftritt dennoch. Putin sei bereit, seine Hände schmutzig zu machen, um Ordnung in das Chaos zu bringen, heißt es in einem Kommentar. Er schütze sich jedoch, statt sein Leben für einen angeberischen Auftritt zu riskieren.

Die US-amerikanische Johns-Hopkins-Universität zählt in Russland 658 Coronavirus-Infektionen und einen Todesfall (Stand: Mittwoch, 10.30 Uhr). Russland hatte sich in der Corona-Krise vergleichsweise früh abgeschottet. Wie hoch die Zahlen in einem Land sind, hat aber auch damit zu tun, wie viel dort getestet wird. Alexej Kurinnyj, Arzt und kommunistischer Abgeordneter in der Duma, bezweifelt, dass die Tests in Russland ausreichen.

Händeschütteln trotz Corona: Putin und Chefarzt Denis Protsenko Quelle: via REUTERS © via REUTERS Händeschütteln trotz Corona: Putin und Chefarzt Denis Protsenko Quelle: via REUTERS Der Präsident legte sich für seinen Besuch Schutzkleidung an Quelle: via REUTERS © via REUTERS Der Präsident legte sich für seinen Besuch Schutzkleidung an Quelle: via REUTERS Ganz in Gelb: Putin im Moskauer Krankenhaus Quelle: via REUTERS © via REUTERS Ganz in Gelb: Putin im Moskauer Krankenhaus Quelle: via REUTERS

„Bisher untersucht man nur drei Gruppen auf das Coronavirus“, sagte Kurinnyj der ARD. „Jene, die eine ambulant erworbene Lungenentzündung haben, jene, die aus Staaten mit einer hohen Infektionsrate ankommen, und die, die unmittelbar Kontakt mit Corona-Infizierten hatten.“

Wer mit typischen Symptomen wie Husten ins Krankenhaus komme, werde hingegen nicht konsequent getestet. Kurinnyj fordert flächendeckende Tests. „Ich vermute, dass ein Teil der Coronavirus-Fälle nicht auftaucht. Das bedeutet, dass sich die Lage nicht vollständig überprüfen lässt, denn es gibt keine objektiven Informationen.“

Ungeachtet der Pandemie laufen in Russland die Vorbereitungen für die Feiern zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland weiter. Am Dienstag seien 30 gepanzerte Fahrzeuge aus Nischni Tagil am Ural per Bahn in die Hauptstadt gebracht worden, teilte das russische Verteidigungsministerium der Agentur Interfax zufolge mit. Darunter seien Panzer vom Typ T-14 Armata und T-90M Durchbruch sowie Schützenpanzerwagen gewesen.

Der Kreml hatte zuletzt betont, an der Militärparade am 9. Mai trotz des Virus festzuhalten. Mehrere Staats- und Regierungschefs haben bereits zugesagt. Plänen zufolge soll es die größte Parade in der russischen Geschichte sein.

Im Kampf gegen das Coronavirus hat Putin der italienischen Regierung Hilfe versprochen. Kein Land könne diese Pandemie allein besiegen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Russland erwarte auch keine Gegenleistung mit Blick auf die angespannten Beziehungen zum Westen. Insgesamt seien 14 Flugzeuge mit medizinischer Ausrüstung in Italien gelandet, teilte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag mit.

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