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Russische Medien fluten den Westen mit Corona-Märchen

WELT-Logo WELT 06.04.2020 Christoph B. Schiltz
Der russische Präsident Vladimir Putin bei einem Treffen im Kreml Quelle: REUTERS © REUTERS Der russische Präsident Vladimir Putin bei einem Treffen im Kreml Quelle: REUTERS

Bleichmittel oder Knoblauch helfen gegen das Corona-Virus. Händewaschen zum Schutz vor Corona-Viren ist völlig nutzlos. Das Virus ist harmlos und kann mit Kochsalzlösung in vier Tagen gestoppt werden. Das sind drei typische Beispiele für Falschinformationen, die gezielt in sozialen Netzwerken platziert wurden.

Vera Jourova, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucherschutz und Gleichstellung sagte WELT, es gebe derzeit „einen großen Zuwachs an Corona-bezogener Desinformation“. Ziel sei eine Destabilisierung der westlichen Gesellschaften durch Falschinformationen, aber auch die Verstärkung bereits existierender Feindbilder bis hin zur Beeinflussung von Wahlen.

Wie das genau aussieht, hat der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) in den vergangenen Wochen ausgewertet. Der Bericht aus Brüssel trägt den Namen: „Covid-19 Desinformation“. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell spricht von „einer Pandemie an Informationen“. Systematisch fluten vor allem russische Medien die westlichen Staaten mit Märchen über Corona. Aber auch Peking rührt kräftig mit bei den Desinformationskampagnen.

Die dreistesten Lügen, die derzeit in russischen Medien wie Sputnik, Rossija 24 oder auch dem Auslandssender RT über das Virus verbreitet werden: Das Coronavirus ist nicht in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen, sondern in weltweit verstreuten Labors, die in Besitz der US-Regierung sind. Der grenzfreie Schengen-Raum existiert nicht länger – die Europäer sind unter Quarantäne und nur noch Flüchtlinge können sich frei bewegen. Ein verborgener Staat („Deep State“) nutzt das Corona-Virus zur Bevölkerungskontrolle.

Laut Auswärtigem Dienst bereiten russische Medien auch unterschiedliche Botschaften für unterschiedliche Zielgruppen auf. „Nachrichten, die das einheimische russische Publikum erreichen sollen, beschreiben das Virus als eine Form von ausländischer Aggression“, schreiben die Experten. In der Analyse heißt es weiter: „Nachrichten, die sich an ein internationales Publikum richten, stellen vor allem ab auf Verschwörungstheorien über ‚globale Eliten‘, die das Virus für eigene Zwecke benutzen.“

Volle Ladung Propaganda: Das russische Verteidigungsministerium publizierte dieses Bild eines Transports von Ärzten und Medikamenten nach Italien Quelle: AP © AP Volle Ladung Propaganda: Das russische Verteidigungsministerium publizierte dieses Bild eines Transports von Ärzten und Medikamenten nach Italien Quelle: AP

Solche Verschwörungstheorien würden auch gezielt auf dem Westbalkan (Albanien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien) eingesetzt. Ziel könnte sein, so der Auswärtige Dienst, politische Gegner zu diskreditieren oder die anstehenden Wahlen in Serbien und Nordmazedonien zu beeinflussen. Gleichzeitig kann mit diesen Theorien auch Stimmung gegen Migranten in der Westbalkan-Region geschürt werden.

Aber auch China setzt gezielt Falschinformationen zu Propaganda-Zwecken ein. Ein beliebtes Narrativ in den sozialen Medien lautet: Der Westen instrumentalisiert das Virus, um China zu schaden und antichinesische Stimmung zu verbreiten – dafür muss sich der Westen bei China und beim chinesischen Volk entschuldigen.

Ein weiteres Märchen lautet: China und im Speziellen Parteichef Xi Jinping haben einen herausragenden Job bei der Eindämmung des Virus gemacht – das beweist auch, dass ein zentralistischer Staat mit solchen Krisen viel besser fertig wird, weil es mehr Kontrolle gibt. Eine weitere Botschaft, die gerne vom Regime in Peking verbreitet wird: Der Westen, und dabei vor allem die USA, sollten China dankbar sein für die schnelle Eindämmung des Virus – der Westen hat dagegen viel zu langsam gehandelt und befindet sich darum jetzt im Chaos.

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