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Was soll die Prüderie bei der Corona-Warn-App?

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 27.06.2020 RP ONLINE
 Die Corona-Warn-App. © Sven Hoppe Die Corona-Warn-App.

Kommentar

Bei Facebook und Whatsapp posten viele, dass die Server glühen. Aber bei der Corona-App geben sie den Datenschützer. Das ist verlogen. Damit die App bei der Bekämpfung der Pandemie helfen kann, müssen viele mitmachen.

Es hat lange gedauert, aber seit ein paar Tagen ist sie da: die Corona-Warn-App. 13 Millionen Mal wurde sie bereits heruntergeladen. Das ist schon mal ganz gut. Denn es sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung. Ab dann, so sagen Experten, beginne die App zu wirken. Die Pandemie stoppen könne sie aber nur, wenn mehr als 60 Prozent sie nutzen (und bei einem Alarm auch reagieren). Erst dann lassen sich Infektionsketten frühzeitig erkennen und durchbrechen. Es ist also noch Luft nach oben.

Das aktuelle ZDF-Politbaromter macht jedoch wenig Hoffnung: Danach gehen nur 38 Prozent davon aus, dass die App einen großen Beitrag zur Begrenzung der Pandemie leisten wird. Eine Mehrheit von 56 Prozent bezweifelt dies. Interessant ist die Koalition der Skeptiker: Vor allem Anhänger der Grünen (62 Prozent), der FDP (70 Prozent) und der AfD (90 Prozent) äußern sich kritisch. Was eint die Misstrauischen von links bis rechtsaußen? Vermutlich Skepsis gegenüber dem Staat und Sorge vor Daten-Missbrauch.

Das Robert-Koch-Institut als gierige Datenkrake? Lasst die Kirche im Dorf, möchte man den Kritikern zurufen, und reflektiert das eigene Verhalten im Netz. In anderen Zusammenhängen gehen viele Bürger sorglos bis fahrlässig mit ihren Daten um. Für ein paar Sammel-Punkte offenbaren Kunden regelmäßig alle Einkäufe und liefern so freiwillig Verbrauchsprofile ab. Bei Facebook, Whatsapp, Twitter, Instagram werden private Fotos, Beziehungen, Meinungen gepostet, dass die Server glühen.

„There is no such thing as a free lunch“, nichts ist umsonst, hat der US-Nobelpreisträger Milton Friedman gemahnt. Recht hat er. Bei den Techkonzernen zahlen wir alle für die Nutzung der Plattformen mit unseren Daten. Was also soll die Prüderie bei der Corona-App? Zumal die hier genutzten Daten verschlüsselt und nicht zentral gespeichert werden. Geodaten werden auch nicht erhoben. Wer hier auf Datenschutz pocht, glaubt vielleicht auch, dass Masernimpfungen Autismus auslösen. Mehr Ehrlichkeit ist gefragt.

Die Corona-Warn-App ist kein Allheilmittel, aber sie kann helfen, die Pandemie zu überwinden. Jeder, der mitmacht, hilft anderen und bekommt auch selbst schneller seine alte Freiheit zurück.

Ihre Meinung? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

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