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Die Münchner S-Bahn will das Angebot spürbar verbessern

Süddeutsche Zeitung-Logo Süddeutsche Zeitung 10.06.2020 Von Andreas Schubert

Vor allem der ärgerliche Informationsmangel bei Störungen soll behoben werden. Dafür wird sogar ein eigenes Team in der Leitstelle aufgebaut.

Jeder, der die Münchner S-Bahn nutzt, kennt das: Der Zug kommt nicht, weil irgendeine Störung (im Zweifelsfall ein ausgefallenes Stellwerk) den Betrieb einbremst. Doch allzu oft bekommen die Fahrgäste an den Bahnsteigen oder in den Zügen nicht mit, was eigentlich gerade passiert ist und wann es weiter geht. Die Bahn verspricht schon seit Längerem, die Informationen für Fahrgäste zu verbessern. Dieses Jahr soll es, so beteuert die Bahn, aber wirklich besser werden.

Im Rahmen des Aktionsprogramms "Zukunft S-Bahn München" wurden bereits an einem Großteil der S-Bahnstationen an den Außenästen neue Informationsanlagen installiert, bis Ende des Jahres rüstet die Bahn die noch fehlenden 47 Stationen nach, finanziert wird dies vom Freistaat. Wie die Bahn mitteilt, wurden heuer bereits zwölf Bahnhöfe mit den neuen Anzeigen ausgestattet, darunter unter anderem die Stationen Altomünster und Seefeld-Hechendorf.

Auch die Bildschirme in den modernisierten S-Bahnzügen haben nun einen wirklichen Sinn bekommen: Nach einem Softwareupdate zeigen sie nun den Fahrplan in Echtzeit und die Anschlussmöglichkeiten an, statt wie bisher nur den geplanten Fahrplan. Zudem werden auf den Infomonitoren auch die Fahrplandaten zu U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) angezeigt. Mit der neuen Software veröffentlichen die S-Bahn und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf den Monitoren auch ein, wie die Bahn mitteilt, "buntes Infotainment-Angebot aus Unterhaltung, mit aktuellen Nachrichten und Informationen zur S-Bahn und dem Bahnland Bayern".

Was die Passagiere bei dieser Art Fahrgastfernsehen mehr interessieren dürfte: Parallel arbeitet die Bahn an einer besseren Information bei Störungen, dafür hat sie in den vergangenen Monaten sogenannte Störungskarten getestet. Diese zeigen den Kunden während einer Störung grafisch, welche Linien betroffen sind und welche Alternativrouten bestehen. Insbesondere für die Störfallkommunikation baut die Bahn ein eigenes Team in der Leitstelle auf. Die Mitarbeiter - im Bahnjargon "Kundeninformationsmanager" genannt - kümmern sich künftig darum, dass bei Störungen möglichst konsistente Informationen veröffentlicht werden. Dazu gehört, auch das ein Novum, dass künftig bei Großstörungen auf der Stammstrecke eine Prognose zur Störungsdauer abgegeben wird.

Auch die sogenannte Live-Map für Smartphones und Computer hat die Bahn verbessert. Auf der Internetseite der S-Bahn und in der München Navigator-App zeigte sie auf Basis von GPS-Daten die aktuelle Position der Züge und die nächsten Abfahrten an. Jetzt können die Nutzer außerdem mit einem Klick auf ein Zugsymbol den Fahrplan und die aktuellen Ankunftszeiten erfahren. Weitere Infos zur Barrierefreiheit, dem Zustand der Aufzüge und zu Umsteigemöglichkeiten gibt es bei einem Klick auf eine Station. Neu ist auch die Verbindungssuche in der München-Navigator-App: Die Pünktlichkeitsdaten der MVG-Verkehrsmittel wurden nun integriert. Umgekehrt finden sich die Live-Daten der S-Bahn jetzt auch in den Auskunftsmedien der MVG.

Bis das kostenlose Wlan in allen Zügen installiert ist, dauert es noch etwas. Diese ebenfalls vom Freistaat finanzierte Maßnahme soll erst 2022 abgeschlossen sein. Der Einbau erfolgt im Rahmen der laufenden Modernisierung der Flotte. Für den Wlan-Einbau werden ähnlich wie im ICE die Datennetze der drei Mobilfunkanbieter gebündelt. Diese sogenannte Multi-Provider-Lösung ermöglicht eine hohe Bandbreite, die Fahrgäste können so, unabhängig von ihrem eigenen Datentarif, im Internet surfen.

Insgesamt rund 80 Maßnahmen sind in dem Aktionsprogramm der S-Bahn enthalten. Neben den neuen Informationssystemen und dem Umbau der Züge gehört auch der Ausbau des S-Bahn-Werks Steinhausen samt digitalem Stellwerk dazu sowie die Modernisierung der Tunnelbahnhöfe. Bis Mai 2023 soll zudem am Ostbahnhof das alte und sehr anfällige Stellwerk durch ein elektronisches ersetzt werden, dafür hatten sich nicht zuletzt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingesetzt. Die neue Anlage für die Strecken im Osten wird künftig von der Betriebszentrale an der Donnersbergerbrücke aus gesteuert. Das alte Stellwerksgebäude am Ostbahnhof wird dann nicht mehr gebraucht. Die Bahn überlegt bereits, zum Beispiel Werkswohnungen für Bahnmitarbeiter auf dem Grundstück zu bauen.

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