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Maßnahmen gegen Corona : Noch keine Selbsttestung in Berlin

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 25.02.2021 Julius Betschka, Margarethe Gallersdörfer, Ingo Bach

Die Gesundheitsverwaltung bestellt zwei Millionen Laientests nach. Lehr- und Kitapersonal darf sich kostenlos beim Arzt testen lassen.

Die ursprünglich von Berlin bestellten Tests des Herstellers nal van minden sollen wohl erst Ende März zur Selbsttestung zugelassen werden. © Foto: Kay Nietfeld/dpa Die ursprünglich von Berlin bestellten Tests des Herstellers nal van minden sollen wohl erst Ende März zur Selbsttestung zugelassen werden.

Die Berliner Gesundheitsverwaltung hat am Donnerstag zwei Millionen Laien-Schnelltests nachbestellt. Damit sollen sich vor allem Schüler schnellstmöglich und regelmäßig selbst auf das Coronavirus testen können. Die Kits sollen ab dem 8. März in Berlin eintreffen, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit dem Tagesspiegel.

Das bestellte Produkt der Marke „Clinitest Rapid Covid-19 Self-Test“ von Siemens war am Mittwoch als einer von drei Antigen-Tests auch für den Hausgebrauch zugelassen worden. Die Tests sind für den vorderen Nasenbereich ausgelegt und gelten als sehr genau.

Bei richtiger Anwendung werden laut Hersteller keine falsch positiven Ergebnisse gemeldet – also keine Infektionen, die es nicht gibt. Die Wahrscheinlichkeit, eine vorhandene Infektion zu entdecken, soll nach Angaben des Herstellers bei 97,3 Prozent liegen.

Die ursprünglich von Berlin bestellten drei Millionen Schnelltests des Herstellers nal van minden werden dagegen nicht so schnell verfügbar sein. Das Unternehmen bestätigte, dass man erst Ende März mit einer Zulassung rechne. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verlangt für eine Sonderzulassung des Produkts eine weitere Studie zur Verlässlichkeit der Anwendung für Laien. Zuerst hatte die „Berliner Morgenpost“ darüber berichtet.

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Massenhafte und regelmäßige Selbsttests von Berliner Schülern, wie es die Bildungsverwaltung geplant hat, wären dann erst nach den Osterferien möglich gewesen – zu einem Zeitpunkt, an dem Grundschüler schon seit mehr als fünf Wochen wieder zusammen in den Klassen sitzen. Deshalb reagierte die Gesundheitsverwaltung rasch.

Allerdings sind die bereits bestellten Tests damit nicht wertlos. Sie können aller Voraussicht nach später, wenn die Zulassung des BfArM kommt, als Laien-Tests verwendet werden und sind schon jetzt als normale Antigen-Schnelltests zugelassen – wenn sie von geschultem Personal durchgeführt werden.

Laien-Schnelltests wollte rot-rot-grün schon früh für die Pandemiebekämpfung

Die rot-rot-grüne Koalition hatte sich schon früh im Jahr für die Laien-Tests als Teil der Pandemiebekämpfung starkgemacht, lange hatte sich aber das Bundesgesundheitsministerium quergestellt und auf die medizinische Anwendung gepocht. Erst vor Kurzem wurde von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überhaupt erst die rechtliche Möglichkeit für solche Laien-Tests geschaffen. Seitdem haben mehr als 50 Hersteller schon Zulassungen beantragt.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) kritisierte deshalb am Donnerstag im Abgeordnetenhaus die Bundesebene dafür, dass die Selbsttests noch nicht zur Verfügung stehen: „Ehrlich gesagt, ich hätte es mir früher gewünscht“, sagte die SPD-Politikerin während der Plenarsitzung. „Warum Deutschland so langsam ist bei der Zulassung von Selbsttests, kann ich auch nicht erklären, wir sehen in anderen Ländern, dass es viel viel schneller geht“, sagte sie.

„Aber wir sind trotzdem froh, dass es jetzt diese drei Zulassungen gibt.“ Den bereits gekauften Tests rechne sie „auch gute Chancen zu“, eine Zulassung zu bekommen. Man habe sich ursprünglich für dieses Produkt entschieden, weil sich der Hersteller speziell auf Kinder und Eltern konzentriert. „Die machen extra eine Studie für diesen Bereich, deswegen dauert’s vielleicht ein bisschen länger, aber dann ist es umso besser und umso zielgenauer, wenn wir das dann einsetzen können“, sagte die Gesundheitssenatorin.

Alle Mitarbeiter von Schulen und Kitas können sich ab sofort kostenlos in Arztpraxen testen lassen

Auch für die Mitarbeiter von Schulen und Kitas gab es am Donnerstag gute Nachrichten. Die Berliner Bildungsverwaltung hat mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin vereinbart, dass sich alle Mitarbeiter von Schulen und Kitas ab sofort kostenlos in Arztpraxen auf das Coronavirus testen lassen können. Vorerst soll das Angebot bis zum 11. März gelten. In mehr als 200 Praxen der KV sollen sich die Mitarbeiter zweimal wöchentlich testen lassen können.

Das Personal benötigt dazu lediglich von der jeweiligen Schul- oder Kita-Leitung einen Berechtigungsschein, der für jeden Test ausgestellt wird. Kitas und Kindertagespflegepersonen erhalten einen Vordruck mit dem nächsten Trägerschreiben. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: „Wir haben an unseren Schulen mit den Schnelltests für Lehrkräfte begonnen. Darüber hinaus können wir unseren Beschäftigten sowie Kita-Personal und Kindertagespflegepersonen, die noch nicht geschult werden können, kostenfreie Schnelltests in Berliner Arztpraxen anbieten.“

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Die ersten Schulungen für das Testpersonal an Schulen sind zu Wochenbeginn angelaufen. Scheeres sagte im Abgeordnetenhaus, dass schon in mehr als 500 Schulen Test-Teams ausgebildet worden seien – also in etwas mehr als der Hälfte aller Einrichtungen. Solange keine Laien-Tests zur Verfügung stehen, sollen diese Teams ihre Kolleginnen und Kollegen testen.

Die Bildungsverwaltung stellte am Donnerstag klar, dass die Haftung das Land Berlin übernimmt und alle Teams mit Schutzausrüstung ausgestattet werden. Die Schulungen werden von Hilfsorganisationen unter der Leitung des Deutschen Roten Kreuzes durchgeführt, ergänzend stehen außerdem Online-Videos zur Verfügung.

Scheeres versprach im Abgeordnetenhaus, dass die Selbsttests an die Schulen verteilt werden, sobald sie ankommen. Weitere Öffnungen seien aber nicht nur abhängig vom Beginn der Selbsttestungen. Diese Entscheidung werde von vielen Faktoren beeinflusst, sagte sie. Zurzeit steigen die Infektionszahlen wieder.

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