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World Press Photo Award 2020: Bilder aus Konfliktzonen

dw.com-Logo dw.com 17.04.2020 Philipp Jedicke (mit dpa, AFP und World Photo Award)

Beim internationalen Wettbewerb World Press Photo kamen die meisten nominierten Fotos aus Konfliktregionen wie Syrien, Algerien und dem Sudan. Aus rund 74.000 Bildern stach eines besonders hervor und gewann den Preis.

Das Siegerbild des World Press Photo Award 2020 von Yasuyoshi Chiba zeigt eine Protestszene aus dem Sudan © Agence France-Presse/Y. Chiba Das Siegerbild des World Press Photo Award 2020 von Yasuyoshi Chiba zeigt eine Protestszene aus dem Sudan

Die Stiftung des World Press Photo Award hat am Donnerstagabend (16.04.) in Amsterdam die Gewinner des Fotowettbewerbs (in acht Kategorien) sowie des Bereichs "Digital Storytelling" (in drei Kategorien) bekanntgegeben. Den Hauptpreis des 63. World Press Photo Awards gewann der Japaner Yasuyoshi Chiba. Sein Gewinnerfoto zeigt einen jungen Sudanesen, umringt von anderen jungen Menschen, die ihn mit ihren Mobiltelefonen beleuchten. Er scheint etwas zu deklamieren und hält dabei seine linke Hand vor die Brust. Das Bild entstand während eines Stromausfalls in Khartoum, Sudan, inmitten der Proteste gegen Diktator Omar al-Bashir.

Der in Nairobi lebende AFP-Fotograf Chiba gewann mit derselben Aufnahme auch in der Unterkategorie "General News". Über den Moment, als er das Bild schoss, sagte er: "Dies war der einzige friedliche Gruppenprotest, den ich während meines Aufenthalts erlebte. Ich fühlte ihre ungebrochene Solidarität wie glühende Asche, die jederzeit wieder aufflammen kann."

Auch "World Press Photo Story" und Digital Storytelling wurden gekürt

Auch für die "World Press Photo Story" des Jahres wurde ein Hauptpreis vergeben. Er ist - genau wie der Preis für das beste Einzelbild - mit 10.000 Euro dotiert. Der diesjährige Gewinner ist der Franzose Romain Laurendeau, der mit seiner Fotostory "Kho, the Genesis of a Revolt" die wütende Jugend Algeriens dokumentierte. Die Auszeichnung ehrt hervorragende Reportagen über Ereignisse oder Themen von großer journalistischer Bedeutung. Unter den nominierten Storys in Kategorien wie "General News", "Langzeitbeobachtung" oder "Natur" waren Fotoreihen über die Folgen des Flugzeugabsturzes in Äthiopien (10.03.2019), von den Feuern in Australien, aus dem Syrienkrieg und von Tierschützern, die Orang-Utans retten. Waffenhandel, die Revolten in Hongkong und Abtreibung in Weißrussland gehörten ebenso zu den Themen der Fotostorys wie die andauernden Auseinandersetzungen in Afghanistan.

Auch Preise für digitales Storytelling werden nun schon zum zehnten Mal vergeben. Der diesjährige Gewinner der Kategorie "Interaktiv" ist DJ Clark, der mit "Battleground PolyU" für China Daily eine 360-Grad-Erfahrung der Proteste in Hongkong erschaffen hat. Der User wird in die Blockade der Polytechnischen Universität im November 2019 förmlich hineingeworfen. Sie war einer der Momente, in denen die Proteste ihren Höhepunkt erreichten. "Scenes From a Dry City" vonFrancois Verster und Simon Wood handelt von der Wasserknappheit in Kapstadt und ist Gewinner des Online-Videos des Jahres sowie der Unterkategorie "Long". Den ersten Preis in der Unterkategorie "Short" gewann das Online-Video "It's Mutilation" der New York Times.

Der Franzose Romain Laurendeau hat für seine beeindruckende Fotoreihe die wütende Jugend Algeriens begleitet. 72 Prozent der Unter-30-Jährigen in dem nordafrikanischen Staat sind ohne Arbeit. Im Februar hat sich ihr Frust in Straßenprotesten entladen, die wie ein Befreiungsschlag gegen die Autoritäten wirkten. Laurendeau hat auch den Preis in der Kategorie Langzeitprojekte gewonnen. © World Press Photo Story of the Year/R. Laurendeau Der Franzose Romain Laurendeau hat für seine beeindruckende Fotoreihe die wütende Jugend Algeriens begleitet. 72 Prozent der Unter-30-Jährigen in dem nordafrikanischen Staat sind ohne Arbeit. Im Februar hat sich ihr Frust in Straßenprotesten entladen, die wie ein Befreiungsschlag gegen die Autoritäten wirkten. Laurendeau hat auch den Preis in der Kategorie Langzeitprojekte gewonnen.

World Press Photo Award ist weltweit größter Wettbewerb im Bereich Pressefotografie

Der World Press Photo Award ist der weltweit größte Wettbewerb im Bereich Pressefotografie. Alles begann mit einer Gruppe niederländischer Fotografen, die sich 1955 zusammentaten, um ihre Arbeiten einem internationalen Publikum vorstellen zu können. Aus der Gruppe wurde eine gemeinnützige Stiftung, die jedes Jahr jene Fotografinnen und Fotografen in den Fokus rückt, die aktuelle Entwicklungen in der Welt abbilden. Dabei ist es das Ziel der Organisation, "die Welt mit den wichtigen Geschichten zusammenzubringen", wie sie es auf ihrer Website formuliert. Die Grundwerte der Stiftung seien dabei "Sorgfalt, Vielfalt und Transparenz".

Auf Wanderausstellungen und Festivals stellt World Press Photo Einzelbilder und Fotoreihen aus, die Menschen dazu bewegen können, genauer hinzusehen und idealerweise auch etwas gegen Missstände zu tun. Neben dem Wettbewerb sollen zahlreiche Programme der Stiftung dabei helfen, "Fotoreporter, Geschichtenerzähler und Betrachter in der ganzen Welt durch eine herausfordernde und aufregende Landschaft" zu führen, die sich medial und technologisch ständig weiterentwickelt. Dazu gehören ein eigenes Nachwuchsprogramm, eine Datenbank für afrikanische Fotojournalisten, Workshops und zahlreiche Initiativen in verschiedenen Ländern.

Unabhängige Jury aus Fachleuten

Die unabhängige Jury unter dem Vorsitz des Südafrikaners Lekgetho Makola bestand aus neun Frauen und acht Männern, allesamt Fachleute mit den verschiedensten fotografischen Hintergründen. Ihre Aufgabe war es, jene Werke auszuzeichnen, die im vergangenen Jahr Ereignisse oder Themen von hoher journalistischer Bedeutung sichtbar gemacht hatten.

Für den diesjährigen Wettbewerb hatten mehr als 4200 Fotografen aus 125 Ländern insgesamt knapp 74.000 Bilder eingereicht. 44 Fotografen aus 24 Ländern waren Ende Februar für eine Auszeichnung nominiert worden. Sie kommen unter anderem aus Algerien, Äthiopien, Deutschland, Litauen, Peru, Russland, Südafrika, den Vereinigten Staaten und Weißrussland.

Corona-bedingte Absage der Wanderausstellung

Alle beim World Press Photo Award nominierten Fotos werden in einem Jahrbuch veröffentlicht. Die ausgezeichneten Bilder gehen außerdem normalerweise auf Welttournee: In einer Wanderausstellung in über 45 Ländern werden sie in der Regel von rund vier Millionen Menschen gesehen. In Deutschland sollten die Gewinner-Fotos vom 8. bis 31. Mai in Hamburg gezeigt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Ausstellung allerdings vorerst abgesagt, die Gewinnerbilder sollen erst einmal nur online präsentiert werden.

Autor: Philipp Jedicke (mit dpa, AFP und World Photo Award)

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