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19-jähriges Missbrauchsopfer rammt Priester Kruzifix in die Kehle

WELT-Logo WELT 28.12.2019
Quelle: pa/lapresse/Roberto Monaldo © pa/lapresse/Roberto Monaldo Quelle: pa/lapresse/Roberto Monaldo

In Frankreich steht ein Teenager im Verdacht, einen 91 Jahre alten Geistlichen aus Rache brutal getötet zu haben. Der Leichnam des katholischen Priesters namens Roger Matassoli war bereits am 4. November in seinem Haus in Agnetz im Departement Oise entdeckt worden, berichtet der Sender France Info. Der Fall hatte für landesweites Aufsehen gesorgt.

Gerichtsmediziner hatten bei dem Geistlichen im Ruhestand Tod durch Ersticken festgestellt. Unter anderem war ein Kruzifix in die Kehle gerammt worden. Außerdem wies der Körper deutliche Spuren von Gewalt auf, unter anderem durch Schläge gegen den Kopf und den Bauch.

Verantwortlich für die Tat soll ein 19-Jähriger namens Alexandre V. sein. Ihm werden Folter, Mord, Widerstand bei der Festnahme und Diebstahl vorgeworfen. Während einer Anhörung vor Gericht soll er laut französischen Medien von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht und angegeben haben, sich nicht weiter erinnern zu können. Doch zahlreiche französische Medien haben seine Geschichte bereits rekonstruiert. Demnach handelt es sich bei dem jungen Mann um ein Missbrauchsopfer des Priesters. Deshalb wird von einem Racheakt ausgegangen.

40 Jahre lang von der Kirche gedeckt

Der 19-Jährige war nach der Tat auf der Flucht mit dem Wagen des Toten und zunächst wegen Fahrens ohne Führerschein festgenommen worden. Er wurde nach einem Selbstmordversuch in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Auslöser der Tat war demnach, dass der 19-Jährige erfahren hat, dass der Priester sich bereits an seinem Vater vergangen hatte.

„Dieser Mann hat eine ganze Familie geschreddert“, sagte Alexandres Vater, der Stephane genannt wurde, der Zeitung „Le Parisien“ über Matassoli. Sein eigener Vater, also der Großvater von Alexandre, habe sich das Leben genommen, nachdem er von dem Missbrauch durch den Priester erfahren habe.

Roger Matassoli war bereits zuvor des Missbrauchs an zahlreichen Jungen zwischen den Jahren 1960 und 2000 beschuldigt worden. Mehrere Männer haben sich mittlerweile geoutet. Trotzdem soll der Priester über vier Jahrzehnte von der Kirche gedeckt worden sein. Ein juristisches Verfahren oder eine Aufarbeitung durch die Kirche gab es offenbar nie.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits im Jahr 1967 war er stattdessen von der Diözese Clermont in eine andere nach Saint-Andre-Farivillers versetzt worden. Schließlich wurde er nach Agnetz im Nordwesten Frankreichs geschickt. Bis 2018 blieb er auf der Gehaltsliste der Diözese Beauvais.

Der Bischof von Beauvais berichtete, er habe bereits 2009 Maßnahmen unternommen, um Matassoli aus der Gemeinde zu entfernen. Dennoch blieb er weitere neun Jahre. Ihm seien mindestens zwei weitere Opfer bekannt.

Die Schwester eines Opfers namens Colette sagte bei France Info, die Gerüchte über den Priester seien in dem Ort schon lange bekannt gewesen. Unter anderem seien einmal Fotos des Priesters im Müll gefunden worden. Der Priester sei sehr charismatisch gewesen und habe sich das Vertrauen der Eltern und der Kinder erschlichen. Auf seinem Dachboden habe zum Beispiel immer eine elektrische Eisenbahn zum Spielen gestanden. Während der Besuche habe er ihren Bruder oft auf den Schoß genommen. Als Erwachsener habe ihr Bruder ihr schließlich gestanden, wie er missbraucht worden war.

© pa/lapresse/Roberto Monaldo

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