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2078 Infizierte in Deutschland – Halle schließt alle Kitas und Schulen

WELT-Logo WELT 12.03.2020
Zu stoppen ist die Ausbreitung nicht mehr. Aber jeder Einzelne kann dazu beitragen, den Verlauf zu verlangsamen – um Ärzten, Forschern und Krankenhauspersonal Zeit zu verschaffen. Quelle: WELT / Andrea Ohms © WELT / Andrea Ohms Zu stoppen ist die Ausbreitung nicht mehr. Aber jeder Einzelne kann dazu beitragen, den Verlauf zu verlangsamen – um Ärzten, Forschern und Krankenhauspersonal Zeit zu verschaffen. Quelle: WELT / Andrea Ohms

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat angesichts der Coronavirus-Pandemie auch jüngere Menschen zu Selbstschutz und Solidarität aufgerufen. Im Moment sei von einigen aus dieser Gruppe zu hören, dass sie sich von Covid-19 nicht betroffen sähen und die Erkrankung für sich als harmlos einstuften, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Donnerstag. Zwar seien tatsächlich Ältere und Menschen mit Grunderkrankungen besonders gefährdet. „Aber auch wenn es selten vorkommt: Auch bei jüngeren und gesunden Menschen kann es schwere Verläufe geben, darunter sogar Todesfälle“, betonte Schaade.

Die Erklärung einer Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Mittwoch habe keine besonderen Maßnahmen zur Folge. „Es ist kein Grund, jetzt mehr Sorgen oder Ängste zu haben, aber es ist ein Grund, die Situation weiter wie bisher ernst zu nehmen [...].“

Deutschlandweit gibt es nach Angaben des RKI bislang 1567 Corona-Fälle. Jedoch veröffentlicht das Institut nur noch ein Mal am Tag die Daten. Auf der interaktiven Grafik der John-Hopkins-Universität ist inzwischen von 2078 Fällen die Rede.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Halle schließt Kitas und Schulen

Die Stadt Halle schließt von diesem Freitag an alle Kindertagesstätten und Schulen. Das gelte vorerst bis zum 27. März, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) in Halle.

Im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ist ein weiterer mit dem Coronavirus infizierter Patient gestorben – es ist der dritte bekannte Todesfall in Deutschland. Bei dem Patienten handelt es sich um einen 73-Jährigen aus Übach-Palenberg im Kreis Heinsberg. Der Mann sei in der Nacht zum Mittwoch im Heinsberger Krankenhaus gestorben, teilte der Kreis mit. Er sei Dialysepatient mit schweren Vorerkrankungen gewesen. „Die Infektion mit dem Coronavirus hatte seinen Gesundheitszustand zusätzlich beeinträchtigt“, hieß es. Wo sich der Patient mit dem neuartigen Virus angesteckt haben könnte, sei nicht bekannt. Zuvor waren bereits ein Mann aus dem Kreis Heinsberg und eine Frau in Essen den Folgen der Erkrankung erlegen.

Halle © pa/dpa/Hendrik Schmidt Halle

Während die John-Hopkins-Universität von über 2000 Infizierten in Deutschland spricht, hat eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa mindestens 1850 Infektionen ermittelt. Darin werden die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Besonders stark betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils weit mehr als hundert Fällen. Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind noch deutlich niedriger, da diese nur auf offiziellem Wege gemeldete Fälle berücksichtigen. Daher gebe es einen Zeitverzug, heißt es vom RKI.

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Was sagen Experten zur aktuellen Lage?

Das RKI analysierte rund 650 Fälle von Infizierten genauer. Demnach sind 54 Prozent männlich und 46 Prozent weiblich. Darunter seien auch 11 Kinder unter 5 Jahren und weitere 14 Kinder bis 14 Jahre. 547 Menschen seien dabei zwischen 15 und 59 Jahre alt und 76 Personen ab einem Alter von 60 Jahren. RKI-Präsident Lothar Wieler verweist darauf, dass sich erfahrungsgemäß über längere Zeit 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus anstecken würden. Die Fallzahlen werden nach seinen Worten steigen. „Natürlich werden auch bei uns noch mehr Menschen sterben“, fügt Wieler hinzu.

"Vor allem diejenigen über 65, da steigt die Fallsterblichkeit rapide an." Das Rentenalter sei ein geeigneter Maßstab: "Wir müssen die Bevölkerung jenseits des Rentenalters wirklich schützen", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, Anfang der Woche. In jeder Familie seien individuelle Lösungen gefragt. „Kinder sollten ab jetzt bis September oder Oktober nicht mehr zur Betreuung zu Oma und Opa.“ Man sollte stattdessen für die Großeltern einkaufen, damit die nicht in den Supermarkt müssten.

Das RKI hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, Abstand voneinander zu halten. „Soziale Distanzierung“ sei derzeit das wichtigste Anliegen, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade in Berlin vor Journalisten. „Es geht also darum, Abstand zwischen die Menschen zu bringen.“

Schaade sagte, auch unabhängig von den zahlreichen abgesagten Großveranstaltungen sollte sich jeder im Einzelfall überlegen, zu welchen Veranstaltungen er noch gehe. Auch bei Besuchen von Gaststätten solle jeder überlegen, wann er dort hingehe. Das gelte auch für Treffen mit mehreren Menschen im privaten Bereich. „Hier wird an die Eigenverantwortung appelliert.“

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