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Beschimpfungen und wenig Abstand: Leinpfad in Köln wird zur gefährlichen Rennstrecke

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 14.05.2020 Beatrix Lampe
Auf dem schmalen Weg sollten Radler im Begegnungsverkehr bremsbereit sein. © Lampe Auf dem schmalen Weg sollten Radler im Begegnungsverkehr bremsbereit sein.

Schon wieder eine brenzlige Situation. Miriam Hausmann kann ihre zweijährige Tochter Liv samt Dreirad gerade noch zur Seite ziehen, bevor ein Rennradler im Begegnungsverkehr das Kind über den Haufen gefahren hätte. Die junge Mutter ruft wütend: „Haben Sie keine Bremse?“, während der Radler zurück schreit: „Rechts fahren oder zuhause bleiben!“

Auf dem Leinpfad zwischen Zündorf und Westhoven, der schon immer ein beliebter Weg für Erholungssuchende war und auf dem schon früher Auseinandersetzungen zwischen den Nutzern an der Tagesordnung waren, geht es seit Corona-Zeiten besonders wüst zu. Radler, Fußgänger und Skater müssen sich den schmalen Pfad teilen. Und weil in diesen Wochen besonders viele Menschen die Bewegung in der Natur in der eigenen Umgebung neu für sich entdecken, wird es noch enger als sonst.

Sicherheitsabstand wird nicht eingehalten

Als Rheinanlieger, der oft am Ufer spazieren geht, ärgert sich Peter Zündorf über ein zunehmendes Missverhältnis zwischen Radfahrern und Fußgängern. „Insbesondere an Sonn- und Feiertagen kann man als Spaziergänger kaum den Weg nutzen. Vor allem seitens der Radler wird der Corona Sicherheitsabstand kaum eingehalten und auch das Tempo nicht angemessen beschränkt“, sagt er und wünscht sich, dass der Radverkehr über andere Wege umgeleitet würde. „Wenn die Radler den Rhein sehen wollen, müssten sie dies als Fußgänger tun. Das ist sicher nicht unzumutbar“, findet Zündorf.

Ganz so extrem beurteilt Ina Buchholz vom Vorstand der Bürgervereinigung Ensen-Westhoven die Lage nicht. „Radfahrer sollten den Weg schon nutzen dürfen“, sagt sie, „aber bitte mit angemessenem Tempo und bremsbereit. Das ist ja keine Rennstrecke.“ Wer schnell fahren wolle, solle die Kölner Straße oder andere Wege nutzen. Mit einem kompletten Verbot würden schließlich auch diejenigen bestraft, die das Recht der anderen Leinpfad-Nutzer respektierten. „Zum Glück gibt es ja viele Radler, die bremsen oder anhalten, wenn es eng wird. Aber diejenigen, die pöbelnd und rücksichtslos durchfahren, sind eine echte Gefahr.“

Drängelgitter könnten Radfahrer ausbremsen

Buchholz könnte sich Drängelgitter vorstellen, wie in anderen Orten schon praktiziert. Wenn solche Hindernisse alle paar Hundert Meter das Schnellfahren verhinderten, würden sich die Raser vielleicht andere Rennstrecken suchen.

Die Porzer SPD hatte vor einiger Zeit vorgeschlagen, für den Radverkehr zwischen Porz und Poll eine Alternativstrecke auszubauen. Von Porz aus könnten Radler über den Ensener Weg – immer an der Bahn entlang und friedlich im Grünen – bis zur Kreuzung Am Blauen Stein/ Porzer Ringstraße fahren und von dort weiter Richtung Poll. Es wären nur einige Ausbesserungen und Kreuzungsabsicherungen nötig, heißt es im Vorschlag.

Bezirksamtsleiter Karl-Heinz Merfeld begrüßt die öffentliche Debatte über das leidige Drängel-Thema am Rheinufer. Er glaubt aber nicht an die schnelle Verwirklichung einer Ersatzstrecke entlang der Bahn oder über eine Fahrrad-Fahrspur-Umnutzung auf der Kölner Straße. „Wir haben eine Haushaltssperre – da wird das nicht machbar sein“, sagt er.

Merfeld wünscht sich wie so viele Leinpfad-Nutzer ein bisschen mehr Rücksicht und Höflichkeit im Umgang miteinander, „vor allem von manchen Herren ab einem bestimmten Alter, die auf Rennrädern grimmig freie Bahn beanspruchen und offenbar nicht mal klingeln können“.

Stadt hat keine Lösung parat

Die Einhaltung eines friedlichen Miteinanders zu überwachen, werde die Stadt aber nicht leisten können. „Ich wäre froh, wenn ich eine Patentlösung wüsste“, sagt der Amtsleiter. „Aber ich kann nur an die Vernunft appellieren.“

„Es müsste etwas geschehen aber was?“, fragen sich auch Ele und Klaus Dhein, wenn sie nebeneinander auf dem Weg am Rhein spazieren gehen und alle paar Minuten entweder von überholenden Rasern in Gefahr gebracht werden oder gefährliche Begegnungen samt nachfolgender Beschimpfungen beobachten. „Für eine Trennung der Spuren ist der Weg ja leider zu schmal“, sagt Ele Dhein. Und für eine seit Jahrzehnten immer wieder geforderte Verbreiterung fehlen die Mittel.

Das Bündnis Porz-Mitte, das Bürgerinnen und Bürger zur Mitgestaltung bei den Plänen zu einer lebenswerten neuen Porzer Mitte aufruft, gibt sich hingegen kämpferisch. Das Bündnis verlangt eine Grundsatz-Entscheidung darüber, „ob das Porzer Rheinufer im Wesentlichen eine Transitstrecke ist oder ob man das Ufer nicht doch wieder stärker den Porzerinnen und Porzern zurückgeben sollte“, formuliert Sprecher Klaus Schäfer. Spaziergänger, die sich an Wochenenden kaum noch auf die Rennstrecke Leinpfad wagen, haben dazu sicher eine Meinung.

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