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Bizarrer Fall: Vergewaltigung von Mädchen nach 21 Jahren aufgeklärt, weil Täter sein Sperma in Stadt verteilte

stern-Logo stern 12.01.2019 Finn Rütten

1997 vergewaltigt jemand in Pforzheim ein neunjähriges Mädchen. Es gibt DNA vom Täter, doch ermittelt wird dieser erst 21 Jahre später. Völlig bizarr: In der Zwischenzeit waren mehrmals Spermaspuren des Mannes an Frauen in Karlsruhe aufgetaucht.

Der Mann vergewaltigte das damals neunjährige Mädchen in einem Keller in Pforzheim. Abgebildet ist eine Treppe im Untergeschoss in einem Kölner Wohnhaus. © Picture Alliance/Maximilian Schönherr Der Mann vergewaltigte das damals neunjährige Mädchen in einem Keller in Pforzheim. Abgebildet ist eine Treppe im Untergeschoss in einem Kölner Wohnhaus.

1997 vergewaltigt jemand in Pforzheim ein neunjähriges Mädchen. Es gibt DNA vom Täter, doch ermittelt wird dieser erst 21 Jahre später. Völlig bizarr: In der Zwischenzeit waren mehrmals Spermaspuren des Mannes an Frauen in Karlsruhe aufgetaucht.

Die Behörden in Baden-Württemberg haben eine Vergewaltigung aus dem Jahr 1997 aufgeklärt. Der Weg zu diesem Ermittlungerfolg, den die Beamten in einer Pressemitteilung verkünden, liest sich jedoch völlig bizarr. Dem mittlerweile 55-jährigen Täter kam die Polizei nämlich auch deswegen auf die Schliche, weil er in den vergangenen Jahren immer wieder fremde Frauen heimlich mit seinem Sperma bespritzte. Aber der Reihe nach.

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Vor mehr als 21 Jahren vergewaltigte ein damals Unbekannter ein neunjähriges Mädchen in Pforzheim. Der Täter bedrohte es laut Polizei mit einem Messer, zwang es in einen Keller und verging sich an dem Kind. Nach damaligem Strafrecht handelte es sich um "schweren sexuellen Missbrauch", nach heutiger Gesetzeslage wäre es eine Vergewaltigung, wie ein Polizeisprecher dem stern sagt. Am Tatort stellten die Beamten Spermaspuren sicher, ordneten die DNA jedoch über Jahre hinweg niemandem zu.

2014 der erste Treffer in der Datenbank

Erst mehr als 17 Jahre später, im Jahr 2014 gab es den ersten Treffer in der Datenbank. Eine 34-Jährige hatte in Karlsruhe eine Straße überquert, dicht gefolgt von einem ihr unbekannten Mann. Kurz darauf stellte die Frau Sperma an einem ihrer Hosenbeine fest. Beim Abgleich der sichergestellten DNA dieses Spermas stellten die Beamten später fest: Es handelt sich um den selben Täter wie 1997. Vergangenes Jahr im April ereignete sich dann ein ähnlicher Vorfall, erneut in Karlsruhe. Ein 13-jähriges Mädchen bemerkte beim Warten vor einem Fast-Food-Restaurant ebenfalls eine Flüssigkeit an ihrer Kniekehle, die sich später als Sperma des zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Täters herausstellen sollte.

Rund eine Woche später nahmen die Beamten dann in einem Einkaufscenter in Karlsruhe einen Mann fest. Sicherheitsleute hatten ihn dabei erwischt, wie er in der Umkleidekabine einem siebenjährigen Mädchen zwischen die Beine filmte. Die hinzugerufene Polizei durchsuchte den Mann und fand mehrere mit Sperma aufgezogene Plastikspritzen in dessen Taschen. Ein Abgleich mit der Datenbank zeigte: Das Sperma aus den Spritzen stimmte mit dem vom Tatort in Pforzheim überein. Durch seine Vorliebe für die bizarren Spitzattacken hatte er sich selbst mit dem Missbrauch von 1997 in Verbindung gebracht.

Baden-Württemberg: Täter kommt nicht in Haft

Diesen Treffer in der Datenbank habe es "zeitnah nach seiner Festnahme im April 2018" gegeben, wie die Polizei dem stern auf Nachfrage mitteilte. Aufgeklärt wurde der Fall jedoch erst vergangene Woche. Der 55-Jährige war vergangenes Frühjahr nicht in Haft gekommen, weil ein Richter keinen der drei Haftgründe erfüllt sah: Verdunkelungsgefahr, Wiederholungsgefahr oder Fluchtgefahr. Die Beamten hätten ihn mit den Vorwürfen konfrontiert und er sich geweigert, dazu Stellung zu nehmen. Danach habe es wenig Bewegung in dem Fall gegeben.

Erst vergangene Woche sei der Mann mit einem Anwalt auf der Wache erschienen und habe sowohl die Tat von 1997 gestanden, als auch Dutzende weitere Spritz-Attacken im Raum Karlsruhe in den vergangenen Jahren. Entsprechend sucht die Polizei nach weiteren Opfern oder Zeugen. Dabei gehe es um sexuelle Belästigung, Körperverletzung und - sofern es Hautkontakt zum Sperma gab - auch um sexuellen Missbrauch, so der Sprecher.

Das weitaus schwerwiegendere Delikt aber ist der Missbrauch von 1997. Eigentlich wäre dieses Verbrechen nach 20 Jahren verjährt. Eine Änderung des Strafrechtes aus dem Jahr 2015 verhindert dies aber. Seitdem beginnen die 20 Jahre Verjährungsfrist in solchen Fällen erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Die mittlerweile 30-jährige Frau darf also darauf hoffen, dass ihr Peiniger zur Rechenschaft gezogen wird.

Eine Anklage gegen den Mann besteht laut Polizei noch nicht. Diese werde im Moment vorbereitet. Auch nach seinem Geständnis sieht der zuständige Richter übrigens keinen der drei Haftgründe erfüllt. Der 55-Jährige befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.

Quellen: Polizeipressemeldung, Webseite Missbrauchsbeauftragter

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