Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Brandserie : Freiwillige Feuerwehrleute sollen 14 Feuer in Neuss gelegt haben

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 05.02.2018 Andreas Buchbauer, Neuss

Sie sollen die Brände aus "Lust an Löscheinsätzen" gelegt haben: Die Neusser Polizei hat drei junge Männer gefasst, die seit vergangenem Oktober 14 Brände im Nesser Norden gelegt haben sollen. Sie alle waren bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Fahrzeug-Brandserie im Neusser Norden ist offenbar aufgeklärt. Die Polizei hat drei junge Männer gefasst, die in verschiedenen Konstellationen seit Oktober insgesamt 14 Brände auf der Furth, in Weißenberg, Vogelsang und im Barbaraviertel gelegt haben sollen.

Dabei handelt es sich um einen 19, einen 21 und einen 22 Jahre alten Mann. Alle drei kommen aus Neuss und waren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und im Löschzug Furth aktiv. Dort hatte sich das Trio auch kennengelernt. Das erklärten Kriminalkommissar Dirk Gütte, Leiter der wegen der Brandserie einberufenen Ermittlungskommission "Furth", und Staatsanwältin Britta Zur am Montag. Alle drei Verdächtigen sollen geständig sein und sitzen in Untersuchungshaft.

Als Tatmotiv haben sie laut Dirk Gütte die "Lust an Löscheinsätzen" angegeben. Die Untersuchungshaftbefehle wurden am Samstag erlassen. Den jungen Männern drohen mehrjährige Haftstrafen. Der Zugriff durch die Polizei war am Freitag erfolgt, am Freitagmorgen fanden zudem Wohnungsdurchsuchungen statt. Das dabei sichergestellte Material wird laut Polizeisprecherin Diane Drawe derzeit ausgewertet.

Ein brennendes Auto in Neuss. Auch dieses Feuer wird den drei Festgenommenen zur Last gelegt. (Archivbild) © woi/polizei Ein brennendes Auto in Neuss. Auch dieses Feuer wird den drei Festgenommenen zur Last gelegt. (Archivbild)

Täter legten Brände und warteten auf Alarmierung

Zwei junge Männer müssen sich wegen Brandstiftung in fünf Fällen demnächst vor Gericht verantworten, der dritte Neusser gar in neun Fällen. Die Taten hatten sie offenbar auch deshalb in verschiedenen Konstellationen durchgeführt, um sich notfalls ein Alibi geben zu können. Sie gingen laut Gütte meist ähnlich vor: Nachdem sie einen Brand gelegt hatten, begaben sie sich in die Wohnung des 21-Jährigen. "Dort haben sie dann auf die Alarmierung zum Löscheinsatz gewartet", sagt Gütte.

Am 24. Oktober allerdings ist dieser Plan zunächst nicht aufgegangen. Nachdem ein Opel "Am Kotthauser Weg" in Flammen stand, rückte der Löschzug Stadtmitte zum Einsatz an. "Er ist dem Löschzug Furth sozusagen zuvorgekommen", erklärt Gütte. Weil ihre "Lust an Löscheinsätzen" dadurch nicht befriedigt wurde, rückten die Tatverdächtigen in derselben Nacht offenbar noch einmal aus. Rund zwei Stunden nach dem ersten Feuer stand ein zweites Auto in Flammen – dieses Mal war es ein Ford an der Römerstraße. Dort rückte schließlich der Löschzug Furth an.

Verdächtige sind suspendiert

Polizeisprecherin Diane Drawe lobte, dass die Feuerwehr die Ermittlungen kooperativ unterstützt hat. Bürgermeister Reiner Breuer hat mit Bestürzung auf die Verhaftung der drei Mitglieder des Löschzugs Furth reagiert. Mit dem Leiter der Feuerwehr hat er die sofortige Suspendierung der drei Verdächtigen verfügt. Gleichzeitig brachte der Verwaltungschef seine Erleichterung zum Ausdruck, dass die Ermittlungen der Polizei zu einer Aufklärung der Brandserie geführt haben. Die Stadt Neuss werde die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit weiter aktiv unterstützen.

Nach einem Brand am 16. November hatte die Polizei dank Zeugenaussagen das Phantombild eines Verdächtigen anfertigen lassen. Nach Veröffentlichung hatte sich der 19-Jährige bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt, er sei unschuldig, doch der Mann auf dem Phantombild sehe ihm täuschend ähnlich. Die Polizei ging dem nach. "Er hat allen Maßnahmen freiwillig zugestimmt", sagt Gütte.

Inzwischen sei klar, dass es sich bei dem Mann auf dem Phantombild durchaus um den 19-Jährigen handle.

Die Fälle in der Übersicht:

  • 13. Oktober 2017 Ein Kleinwagen in einer Tiefgarage an der Kaarster Straße steht in Flammen.
  • 16. Oktober 2017 "Am Katzenberg" brennt ein Kleintransporter.
  • 24. Oktober 2017 Zunächst brennt "Am Kotthauser Weg" ein Opel. In derselben Nacht steht an der Römerstraße ein Ford in Flammen.
  • 2. November 2017 Die Feuerwehr muss einen brennenden Mazda an der Daimlerstraße löschen.
  • 7. November 2017 Zeugen melden gegen 21.20 Uhr starke Rauchentwicklung in einer Tiefgarage an der Kaarster Straße. Dort brennt ein Motorrad. In derselben Nacht brennt gegen 2 Uhr ein VW Golf an der Furtherhofstraße.
  • 16. November 2017 Mehrere Autos stehen gegen 2.30 Uhr in der Nähe des Further Kirmesplatzes in Flammen.
  • 22. November 2017 Ein VW Passat brennt an der Stingesbachstraße.
  • 7. Dezember 2017 Gegen 18 Uhr wird ein Opel Corsa an der Daimlerstraße durch Feuer nahezu vollständig zerstört.
  • 24. Dezember 2017 Auch an Heiligabend muss die Feuerwehr ausrücken. In den frühen Morgenstunden brennt ein Auto an der Osterather Straße/Xantener Straße in der Nähe der Diskothek "Revolution".
  • 27. Dezember 2017 Ein Lieferwagen an der Blücherstraße (nahe des Skaterparks) steht in Flammen.
  • 3. Januar 2018 Ein Sprinter an der Stingesbachstraße brennt.
  • 7. Januar 2018 Gegen 23.45 Uhr gehen bei Polizei und Feuerwehr Notrufe ein. Auf dem Gelände der Autovermietung Arndt brennen mehrere Lkw und Kleintransporter.

| Anzeige
| Anzeige

RP ONLINE

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon