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Coronavirus in Berlin in Grafiken: Fast 500 Infizierte in Kliniken, mehr als 100 auf Intensivstation

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 02.04.2020 Ingo Salmen, Michael Gegg, David Meidinger, Helena Wittlich, Hendrik Lehmann

In welchen Bezirken gibt es die meisten Coronavirus-Fälle? Wie steht Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern da? Grafiken zeigen die unsichtbare Gefahr.

Die Zufahrt zur zentralen Notaufnahme des Campus Charite Mitte. © Foto: imago images/Andreas Gora Die Zufahrt zur zentralen Notaufnahme des Campus Charite Mitte.

Die Kurve mit den Coronavirus-Infizierten in Berlin zeigt weiterhin steil nach oben. Derzeit gibt es in Berlin 2993 bestätigte Fälle (Stand: Mittwoch, 1. April, 16.15 Uhr), das sind 216 mehr als am Vortag, was einem Wachstum um 7,8 Prozent entspricht. 1568 Betroffene sind männlich, 1415 weiblich. Bei zehn Personen wurde das Geschlecht nicht übermittelt. 1369 der Infizierten gelten inzwischen als genesen, also knapp 46 Prozent. Den Großteil machen häuslich isolierte Patienten aus, die 14 Tage nach Erkrankungsbeginn nicht weiter behandelt werden mussten. 17 Berliner sind bislang am Coronavirus verstorben. Der erste Tote wurde am Freitag, 20. März, vermeldet, seitdem gab es beinahe täglich neue Opfer zu beklagen.

Ungewöhnlich stark ist die Zahl der Covid-19-Patienten im Krankenhaus gestiegen: von 380 auf 479, eine Zunahme von 26 Prozent im Vergleich zum Vortag. Erstmals sind mehr als 100 dieser Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, exakt 104. Anfang des Jahres gab es in Berlin 1045 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, von denen aber nur rund 200 kurzfristig verfügbar waren. Inzwischen sind mehrere hundert Beatmungsplätze hinzugekommen, mittelfristig soll die Gesamtzahl auf 2000 steigen. Spätestens Anfang Mai soll in einer Messehalle eine eigene Covid-19-Klinik für leichtere Fälle eröffnen, seit dem 1. April wird sie eingerichtet. Weitere solcher Behandlungszentren sind geplant.

Der erste Berliner Coronavirus-Fall hatte sich am 1. März bestätigt. Seit Mitte des Monats März steigen die Infizierten-Zahlen stark an. Allerdings hat das Robert-Koch-Institut (RKI) seit Dienstag, 24. März, seine Definition erweitert: Als Covid-19-Fall gilt jetzt auch, wer Kontaktperson eines bestätigten Falls ist und Symptome zeigt.

Auch wenn es sich zügig in Berlin ausbreitet, bleibt das Coronavirus eine unsichtbare Gefahr. Während der Frühling von der Stadt Besitz ergreift, sind lediglich die äußeren Folgen der Bekämpfung zu beobachten: Geschäfte und Kneipen bleiben geschlossen, der Verkehr hat abgenommen (das Tagesspiegel Innovation Lab hat das hier anschaulich dargestellt), es sind weniger Fußgänger unterwegs. Viele Menschen bleiben zu Hause.

Wie stark sich das Virus schon jetzt messbar in allen zwölf Bezirken ausgebreitet hat und wie Berlin im Vergleich zum Rest des Landes dasteht, zeigen die folgenden Grafiken aus dem Tagesspiegel Innovation Lab. Sie basieren überwiegend auf Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung und teilweise des RKI; geringe Abweichungen bei den Zahlen sind wegen Zeitversatzes möglich.

So breitet sich das Virus in Berlins Bezirken aus

Die Berlin-Karte zeigt, dass sich ein Großteil der Fälle in den Innenstadtbezirken ballt: innerhalb des S-Bahn-Rings. Hier leben die Menschen enger zusammen als am Stadtrand, gibt es tagsüber und nachts viel Austausch in Cafés und Clubs. Auch wenn diese inzwischen geschlossen sind, haben sie zuvor eine starke Ausbreitung des Virus begünstigt. Der Bezirk Pankow ist ein Zwitter: mit seinen nördlichen Ortsteilen Stadtrand, mit Prenzlauer Berg innerhalb des Rings zugleich szenig.

Berlins Bezirke sind in ihrer Größe durchaus vergleichbar. Die Einwohnerzahl bewegt sich zwischen knapp 250.000 (Spandau) und gut 400.000 (Pankow). Die Spreizung bei den Coronavirus-Fallzahlen fällt weit größer aus.

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Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sind am engsten besiedelt, sie liegen auch bei den Infizierten an der Spitze. Allerdings ist die Bevölkerungsdichte allein kein Kriterium: Charlottenburg-Wilmersdorf und Marzahn-Hellersdorf sind hier vergleichbar, liegen aber bei den Coronavirus-Fällen weit auseinander.

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die noch am ehesten östlich geprägten Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick sowie das immer schon ganz eigene Spandau tief im Westen anfangs kaum vom Coronavirus betroffen waren. Inzwischen gibt es jedoch flächendeckend höhere Fallzahlen. Treptow-Köpenick hat sogar zu anderen Bezirken aufgeschlossen. Durch Klicken können Sie sich in der Tabelle die einzelnen Werte jedes Bezirks Tag für Tag anzeigen lassen.

Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern bewegt sich Berlin sowohl hinsichtlich der absoluten Zahlen, als auch im Verhältnis zur Größe im Mittelfeld. Hamburg sticht mit einer ungewöhnlich hohen Fallzahl pro 100.000 Einwohner heraus.

Die Verdopplungsrate gilt in einer Pandemie als wichtiger Maßstab für die Ausbreitung eines Erregers. Sie gibt an, wie viele Tage es dauert, bis sich die Zahl der Infizierten verdoppelt hat. Berlin liegt auch hier im Mittelfeld, zuletzt stieg die Verdopplungsrate von sechs auf acht Tage an. Allerdings sind die Fallzahlen inzwischen so hoch, dass auch bei einer Bremsung des Wachstums immer noch eine gehörige Belastung für das Gesundheitssystem damit einhergeht.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) gab im Interview mit dem Tagesspiegel als Ziel aus, die Infektionsgeschwindigkeit in Deutschland so zu verlangsamen, dass es mindestens zehn bis zwölf Tage bis zu einer Verdopplung dauert.

Wer sich für die Zahlen im Detail interessiert, sollte sich unser Interaktiv-Angebot mit allen Daten aus den Städten und Landkreisen in einer übersichtlichen Karte und in Tabellen ansehen. Darin enthalten ist auch eine separate Berlin-Karte, der einzelne Werte und Verläufe für jeden Bezirk zu entnehmen sind. 

Um alle aktuellen Entwicklungen aus Berlin in der Coronakrise zu verfolgen, empfehlen wir unseren Newsblog. Den tagesaktuellen Stand der Virus-Ausbreitung und der staatlichen Gegenmaßnahmen sowie eine Liste mit Hotlines und Anlaufstellen finden Sie hier. Auf Handy und Tablet bleiben Sie am besten mit unserer runderneuten App immer auf dem Laufenden. Sie lässt sich hier für Apple-Geräte herunterladen und hier für Android-Geräte.

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