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Die „deutschen Besserwisser“ haben laut Keller ihr Gesicht verloren

WELT-Logo WELT 09.12.2022
„Seit 2010 hat der DFB keine klare Haltung zu Katar“, sagt Fußball-Autor Dietrich Schulze Marmeling. Es habe erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten vor der WM gegeben, bei der nicht genau durchdekliniert wäre, wie gehandelt werden solle. Die Verantwortung sei so an den Spielern hängengeblieben. Quelle: WELT © WELT „Seit 2010 hat der DFB keine klare Haltung zu Katar“, sagt Fußball-Autor Dietrich Schulze Marmeling. Es habe erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten vor der WM gegeben, bei der nicht genau durchdekliniert wäre, wie gehandelt werden solle. Die Verantwortung sei so an den Spielern hängengeblieben. Quelle: WELT

Was bislang eher als sportlicher Randaspekt galt, ist für Fritz Keller ursächlich für das deutsche Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM in Katar. Der frühere DFB-Präsident Fritz Keller sieht in den Diskussionen um die „One Love“-Binde einen der Hauptgründe für das Scheitern der deutschen Nationalmannschaft.

Politiker und andere DFB-Funktionäre hätten „das Team zu Aktionen überredet, die „One-Love“-Binde zu tragen und dann ersatzweise diese Geste mit dem zugehaltenen Mund zu zeigen“, sagte Keller in einem Interview der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ und fügte hinzu: „Die Mannschaft war sich uneinig, der Kapitän und der Mannschaftsrat wurden gedrängt, es zu tun. Dann gibt es Diskussionen in der Mannschaft über Dinge, die nichts mit dem Sport zu tun haben – das geht nicht.“

Den handelnden Personen habe nach dem kurzfristigen Verbot der Fifa, die Binde auf dem Feld zu tragen, die Konsequenz gefehlt: „Wenn man sich so weit aus dem Fenster gelehnt hat, muss man das durchziehen, auch um das Gesicht nicht zu verlieren.“ Deutschland habe laut Keller nun international die Rolle als „Besserwisser“. Das Ganze werde auch noch für diplomatischen Druck sorgen. „Der eine macht den Kotau und andere gehen symbolisch dagegen. So kann man die Welt nicht von unseren Werten überzeugen“, betonte Keller.

Für Bierhoff findet Keller Lob

Der Südbadener, der von 2019 bis 2021 den DFB anführte, nahm aber explizit den zurückgetretenen Oliver Bierhoff in Schutz. Der langjährige Sportdirektor, der sein Amt nach dem Aus in Katar abgab, habe gute Arbeit geleistet. Oder es zumindest versucht, schließlich seien ihm im Verband immer wieder Steine in den Weg gelegt worden.

„Er war einer der Wenigen, die sich nicht nur hinter Zuständigkeiten versteckt, sondern auch Verantwortung übernommen haben“, sagte Keller: „Der Mann hat 18 Jahre lang versucht, Änderungen im Kinder- und im Jugendfußball hinzukriegen. Das wurde verhindert, weil viele ein G‘schäftle daraus machen und etwas für ihre Landesverbände oder Fußballschulen herausholen wollten.“

Fritz Keller Quelle: dpa/Arne Dedert © dpa/Arne Dedert Fritz Keller Quelle: dpa/Arne Dedert
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