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Familien-Bilder: Ein Blick in die Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ im Museum Frieder Burda

Harper's BAZAAR-Logo Harper's BAZAAR 12.05.2020 Miriam Stein
Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Max Beckmann, Nordsee III, 1937, Öl auf Leinwand, 85,5 x 103 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 © Max Beckmann, Nordsee III, 1937, Öl auf Leinwand, 85,5 x 103 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Max Beckmann, Nordsee III, 1937, Öl auf Leinwand, 85,5 x 103 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Frieder Burda wünschte sich immer, die Kunst aller drei Brüder in seinem Museum in Baden-Baden zu zeigen. Gemeinsam mit Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie Berlin, hat nun seine Tochter Patricia Kamp, Artistic Director des Salon Berlin des Museum Frieder Burda, eine Schau kuratiert, die beinahe 50 Werke des deutschen Expressionismus aus der Sammlung Burda zeigt.

Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda © Max Beckmann, Nordsee III, 1937, Öl auf Leinwand, 85,5 x 103 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda

Frau Kamp, Sie und Udo Kittelmann installieren Werke von Gabriele Münter und Max Beckmann in einer großflächigen Wandmalerei des amerikanischen Malers Carl Ostendarp. Ist das nicht ganz schön bunt?

Wir nehmen bewusst keine Rücksicht darauf, ob die Farben zusammenpassen. Darin liegt die Spannung. Wir möchten eine neue Erfahrung und Perspektive auf die Werke eröffnen.

Was macht den deutschen Expressionismus heute noch relevant?

Das Gefühlvolle, das Sinnliche und das zutiefst humanistische Anliegen der Expressionisten sich den verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, dem Schmerz und der Verantwortung zu stellen. Es darf nie ein Ende des Erinnerns geben.

Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Gabriele Münter, Bootsfahrt mit Kandinsky, 1909, Öl auf Spanplatte, 39 x 25,5 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 © Gabriele Münter, Bootsfahrt mit Kandinsky, 1909, Öl auf Spanplatte, 39 x 25,5 cm © VG Bild-Kunst, Bo... Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Gabriele Münter, Bootsfahrt mit Kandinsky, 1909, Öl auf Spanplatte, 39 x 25,5 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Relevanz ist also auch eine Frage der Vermittlung?

Es gibt immer mehr als nur einen Zugang. Die Frage ist: Was passiert in meinem Kopf, damit ich mich auf ein Werk einlassen kann? Man muss die Kontrolle loslassen können.

Welche Entwicklung interessiert Sie gerade in der Kunst?

Es heißt traditionell, Kunst entstehe aus Schmerz. Ich denke, sie kann auch aus Fürsorge entstehen. Von dort kommen ganz neue Stimmen, von Menschen, gerade Frauen, die fest im Leben verankert sind.

Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Max Beckmann, Nächtlicher Park in Baden-Baden (Landschaft mit Brücke), 1941, Öl auf Leinwand, 87 x 126 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 © Max Beckmann, Nächtlicher Park in Baden-Baden (Landschaft mit Brücke), 1941, Öl auf Leinwand, 87 x 1... Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Max Beckmann, Nächtlicher Park in Baden-Baden (Landschaft mit Brücke), 1941, Öl auf Leinwand, 87 x 126 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wie die Sammlung Burda entstand

– ein Text von Dr. Hubert Burda

Vom Senator, Franz Burda (1903 – 1986), wissen wir, dass er immer am 24. Dezember mit seinen Söhnen nach Colmar fuhr, um dem Künstler Martin Schongauer (1450 – 1491), der dort lebte und dort auch starb, zu gedenken.

Er erinnerte sie daran, dass es ohne den vom ihm erfundenen und meisterlich durchgeführten Kupferstich kein graphisches Gewerbe gegeben hätte. Denn das Wesentliche, die Zeichnung auf die Kupferplatte, die Ätzung, das Auftragen der Farbe, das Rakeln, mit dem man die zum Drucken nicht benötigte Farbe abzog, dann das Papier Darauflegen und das Gewichten, das eigentliche Drucken – das alles wurde in Colmar um 1483 entwickelt. Albrecht Dürer wollte von Martin Schongauer lernen,  aber als er ankam, war der große Meister schon tot.

Dieses betrübliche Erlebnis konnte Albrecht Dürer nicht davon abhalten, durch seinen Kupferstich wie durch seine Holzschnitte zum größten Verleger der damaligen Zeit zu werden.

Sein graphisches Werk zog nicht nur Kaiser Maximilian I., sondern auch alle großen Fürsten seiner Zeit an. Dürers Ruhm reichte weit über Venedig hinaus.

Franz Burda, mein Vater, sah sich ein Leben lang in der Tradition der Handwerker, zu denen eben nicht nur Albrecht Dürer, sondern auch Honoré Daumier und im 20. Jahrhundert Max Beckmann zählten. Sie alle vervielfältigten ihre Kunst auf Radierungen. Und natürlich war der größte unter Ihnen Rembrandt, als Zeichner und als Radierer.

So war es auch kein Zufall, dass die größte Kunstdruckanstalt des 19. Jahrhunderts schlussendlich von der Firma Burda gekauft wurde und noch heute als Burda Druck France einen Teil des großen Druckbereichs von Burda darstellt. Adolphe Braun hatte sich speziell über sein patentiertes Kohledruckverfahren im 19. Jahrhundert für die großen Sammlungen des Pariser Louvres und der Berliner Museen empfohlen. Die Drucke von Braun galten als die besten ihrer Zeit, lange bevor Friedrich Bruckmann in München aufholte.

So gründete Franz Burda, der Vater vom Senator, 1924 seinen Betrieb in Offenburg. Er nannte er ihn „künstlerisch-graphischer Großbetrieb“ oder „künstlerisch-graphische Druckanstalt“. Die ersten Druckaufträge von Franz Burda bei Braun wurden nach dessen Kupfertiefdruckverfahren realisiert. Es waren die großen Monographien über Picasso, Matisse und Braque.

Diesem künstlerischen Geist fühlte sich Franz Burda, der Senator, immer verbunden und er gab diese auch an seine drei Söhne weiter. Nach seinem Tod wurde die Sammlung unter ihnen kameradschaftlich und je nach Geschmack geteilt. Gerne erzählte der Senator, dass er seinen Sohn Hubert, der Kunstgeschichte studierte, Anfang der 1960er Jahre in das Galeriehaus Ketterer nach Stuttgart schickte und wie es dazu kam, dass er in Zeiten mit wenig Geld eine so schöne Sammlung anlegen konnte. Wann immer mein Vater ein Geschäftsjahr mit Gewinn abschloss, auch wenn es nur ein kleiner Gewinn war, nahm er das Geld und kaufte sich davon Expressionisten, die ihn beeindruckten, etwa Ernst Ludwig Kirchner.“

Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Museum Frieder Burda © Museum Frieder Burda Kunst-Tipp Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ Museum Frieder Burda Museum Frieder Burda

Franz Burda begegnete in den 70er-Jahren Andy Warhol, der ihn sehr bewunderte, und zwar wegen seiner graphischen Produktionen. Für Warhol zählte eben alles, was reproduzierbar war, sei es im Siebdruck oder mit anderen Verfahren. Tausendfach hergestellt wurden seine Siebdrucke von Marilyn Monroe oder Liz Taylor, den Ikonen seiner Zeit.“

„Die Bilder der Brüder. Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda“, 12.5. – 4.10.2020 im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, museum-frieder-burda.de.

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