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Fronleichnam 2021 - Was feiert man an diesem Feiertag?

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 02.06.2021 RP ONLINE

Wir beantworten Fragen rund um den Feiertag Fronleichnam. Was bedeutet der Tag? Warum ist er wichtig und wie feiert man das katholische Hochfest?

Für viele Menschen ist Fronleichnam ein stets willkommener gesetzlicher Feiertag, der irgendwann im Mai oder Juni in den katholisch geprägten Bundesländern stattfindet. Was der Name bedeutet, worum es bei dem katholischen Hochfest eigentlich geht und wie man den Tag feiert, ist aber zunehmend weniger Menschen bekannt. Wir wollen hier einige Antworten geben.

Wann findet Fronleichnam statt und wo ist der Tag ein Feiertag?

Da es sich bei Fronleichnam um ein katholisches Hochfest handelt, ist der Tag in Bundesländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung ein gesetzlicher Feiertag. Das sind konkret die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

In Sachsen und Thüringen ist Fronleichnam nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung ein Feiertag, und im übrigen Land gibt es für Katholiken Sonderregelungen, um frei zu bekommen – auch etwa für katholische Schulkinder.

Fronleichnam ist da, wo er ein Feiertag ist, auch beliebt bei der Urlaubsplanung – denn es ist immer ein Donnerstag. Ideal also, um mit einem Brückentag ein langes Wochenende zu planen.

Der genaue Termin richtet sich an Ostern aus. Fronleichnam gehört zu den Feiertagen des Osterkreises, so wie Pfingsten und Christi Himmelfahrt. Fronleichnam ist der dritte große Feiertag nach diesen beiden in der Folge des Osterfestes.

Da Ostern immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond fällt, ist auch das Datum für Fronleichnam variabel. Der früheste mögliche Termin ist der 21. Mai, der späteste der 24. Juni.

Konkret liegt der Tag immer auf dem ersten Donnerstag nach dem ersten Sonntag nach Pfingsten. Das ist immer der 60. Tag nach dem Ostersonntag.

Im Jahr 2021 fällt Fronleichnam damit auf den 3. Juni.

Was bedeutet das Wort Fronleichnam überhaupt?

Fragt man Passanten auf der Straße, was "Fronleichnam" eigentlich bedeuten soll, wird man wahrscheinlich ein ganzes Bündel lustiger Erklärungen bekommen. Mit Freude oder einem toten Körper hat das Ganze nicht direkt etwas zu tun – der verballhornte Wunsch "Happy Kadaver" ist definitiv nur lustig gemeint und hat mit der Bedeutung nichts zu tun.

Das Wort Fronleichnam ist alt und stammt bereits aus dem Mittelhochdeutschen. Dabei leitet sich Fron von vrôn ab mit der Bedeutung "was den Herrn betrifft". Fron, Frondienst, Fronarbeit sind verwandte Begriffe aus der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung – in dem Fall die Arbeit "für einen Herrn".

Der bei Fronleichnam gemeinte Herr ist dabei Jesus Christus.

Der Teil "Leichnam" leitet sich vom mittelhochdeutschen licham ab, was "der Leib" bedeutet. Unsere heutige Verwendung des Wortes Leichnam für einen toten menschlichen Körper leitet sich davon ab. Bei der Benennung des Feiertages ist aber "der Leib des Herrn" gemeint. Offiziell in der katholischen Liturgie heißt das Fest "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", auf Latein "Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi".

Damit bezieht sich Fronleichnam ganz konkret auf die Eucharistie, also das Sakrament der Kommunion, des Abendmahls, bei dem die Gaben von Brot und Wein sinnbildlich (und im katholischen Sinne auch tatsächlich "gewandelt") als Leib und Blut Christi gefeiert werden.

In einigen Regionen heißt der Tag bezogen auf die lateinische Bezeichnung auch "Corpus Christi". Die Stadt Corpus Christi in Texas in den Vereinigten Staaten hat ihren Namen auch daher – die Bucht, in der sie liegt, die "Corpus Christi Bay", wurde am Fronleichnamstag 1519 vom spanischen Konquistador Alonso Álvarez de Pineda entdeckt.

Was ist die Bedeutung von Fronleichnam als Feiertag für die Kirche und die Gläubigen?

"Fronleichnam ist ein Hochfest – also in der Kategorie wie Ostern und Weihnachten, aber längst nicht so bekannt. Das Zentrum der katholischen Liturgie ist die Feier der Eucharistie, das heißt die Gegenwart Christi in Brot und Wein. Das, was wir jeden Sonntag feiern, heben wir mit Fronleichnam noch einmal besonders hervor, in dem das Altarsakrament verehrt wird", erklärt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

"Thomas von Aquin hat das im Umfeld der Entstehung des Festes in einem eindrucksvollen Hymnus ausgedrückt: ,Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir'. Da stecken viel Theologie und Frömmigkeit drin", sagt Kopp.

Von großer Bedeutung ist Fronleichnam besonders im katholisch geprägten ländlichen Raum. Die Fronleichnams-Prozession ist in einigen Orten ein Höhepunkt im Kalender und wird festlich begangen. Blumenschmuck, geschmückte Wegkreuze und Wegaltäre oder Fahnenschmuck entlang des Prozessionsweges gehören in vielen Orten dazu.

Neben der Monstranz, dem prunkvollen Schaugefäß mit einer geweihten Hostie, dem "Leib des Herrn", die meist unter einem Baldachin von einem Priester umhergetragen wird, werden regional auch etwa andere Reliquien durch die Straßen getragen – oft auch unter Anteilnahme der Kommunionkinder des jeweiligen Jahrgangs.

Einige Prozessionen sind dabei Anziehungspunkte für viele Menschen aus dem Umland und haben auch überregional Bedeutung. So gibt es etwa Prozessionen zu Pferd oder Schiffsprozessionen. In Nordrhein-Westfalen ist die "Mülheimer Gottestracht" als Schiffsprozession auf dem Rhein im Kölner Stadtteil Mülheim dabei bekannt. In Bayern gibt es unter anderem eine Seeprozession – auf dem Staffelsee in Seehausen bei Murnau.


Video: Fronleichnam 2021: Was steckt hinter dem katholischem Fest? (glomex)

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In vielen Regionen rankt sich um den Feiertag auch viel an lokalem Brauchtum wie etwa besonders gestaltete Umzüge, Kanonenschüsse und Glockenläuten oder auch in einigen Regionen Fronleichnamsspiele. In einigen Regionen findet auch eine Fronleichnamskirmes statt.

Weltweit ist Fronleichnam besonders in römisch-katholisch geprägten Ländern ein Feiertag wie etwa in Österreich, Liechtenstein, Monaco, Polen, Kroatien, Portugal, Brasilien, Bolivien, Chile oder Kolumbien. Auch in der Dominikanischen Republik, auf Trinidad und Tobago, in Osttimor und auf St. Lucia ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag. In der Schweiz gibt es regionale Regeln.

Besonders gefeiert wird der Tag in Spanien, ist aber kein genereller gesetzlicher Feiertag. In manchen Ländern wie etwa in Italien wird der Tag am nachfolgenden Sonntag nachgefeiert und entfällt damit als arbeitsfreier Tag.

Wie ist Fronleichnam als Feiertag entstanden?

"Erste Vorgänger von Fronleichnam gab es schon im 12. Jahrhundert, erstmals wird das Fest durch Bischof Robert von Lüttich 1246 (im Bistum Lüttich) eingeführt. Knapp 20 Jahre später hat es Papst Urban IV. für die ganze Kirche festgelegt. Das Fest hat eine solche Popularität erlangt, dass insbesondere die Prozession mit dem Allerheiligsten durch die Straßen sich schnell verbreitet hat", erklärt Kopp.

Die Vision einer Nonne, der heiligen Juliana von Lüttich, im Jahr 1209 soll dabei das auslösende Moment für das Fronleichnamsfest gewesen sei. Der Legende nach habe sie den Mond gesehen, der an einer Stelle dunkel war. Jesus habe ihr in der Vision erklärt, der Mond stehe für das Kirchenjahr und die dunkle Stelle für das Fehlen eines "Festes des Altarsakraments", der heiligen Kommunion.

Eine Fronleichnamsprozession werde erstmals für Köln im Jahr 1274 bezeugt. "Das 12. und 13. Jahrhundert ist kirchengeschichtlich von der Frage nach der Realpräsenz Christi in den Gaben von Brot und Wein geprägt. Man wird Fronleichnam als eine Antwort auf diese Debatte verstehen, das Fest dieses komplexen theologischen Diskurses 'einfach' sichtbar zu machen", sagt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

Unter anderem war das "Blutwunder von Bolsena" ein Auslöser zur Einrichtung des Festes. 1263 wurde diese Erscheinung, bei der im italienischen Bolsena das Brot für die Eucharistie geblutet haben soll, als ein echtes Wunder durch die katholische Kirche anerkannt. Ein Priester soll dabei an der mystischen Wandlung des Brotes während der heiligen Kommunion zum tatsächlichen Leib Jesu gezweifelt haben – als Reaktion sei das Blut aus dem gebrochenen Brot getropft.

Diese Wandlung, lateinisch "Transsubstantiation" ist ein zentrales Element katholischer Glaubenslehre – und in der Geschichte oft Anlass für Streit. Als "Abendmahlsstreit" wird die Frage über den Charakter der Eucharistie mehrfach in der nun über 2000-jährigen Kirchengeschichte diskutiert – unter anderem auch als ein Element der Reformation durch Martin Luther 1517. Die Einrichtung des Fronleichnamsfests als eine "Feier der Eucharistie" gehört historisch betrachtet zu diesem Streit und untermauerte damals die Haltung des Papstes, dass Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Jesu gewandelt werden.

Wie feiert man Fronleichnam? Welche Besonderheiten gibt es? Was hat es mit der Prozession und den vier Außenaltären auf sich?

Fronleichnam stellt als Fest die heilige Kommunion und den Glauben an die tatsächliche Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi in den Mittelpunkt. Daher ist der festliche Gottesdienst mit einer besonderen Liturgie, also einem besonderen Ablauf, das erste wichtige Element des Fronleichnam-Festes. Vielerorts findet die heilige Messe dann im Freien statt.

In der Regel schließt sich an den Gottesdienst die Fronleichnams-Prozession an. "Die Gestaltung der Prozession ist jeder Gemeinde selbst überlassen. In vielen Teilen Deutschlands finden die Prozessionen in den Innenstädten statt – selbst in Berlin –, im Süden oft in Feldern", erklärt Kopp.

Blütenteppiche, Schmuck mit Birken- oder anderen Zweigen entlang der Prozessionsstrecke sowie Fahnenschmuck sind dabei häufig - und auch zum Teil sehr prunkvoll.

Bei der Prozession steht das Allerheiligste im Mittelpunkt, die geweihte und gewandelte Hostie – man nennt das auch "konsekrierte Hostie". Sie befindet sich in einem Schaugefäß, einer Monstranz, die in der Regel mit Gold und Silber reich verziert ist. Unter einem Himmel, einem Baldachin aus Stoff, wird sie von einem Priester durch die Gemeinde getragen, die Gläubigen folgen dem an der Spitze laufenden Priester. Dabei werden Gesänge und Gebete angestimmt.

Vier Außenaltäre, mancherorts auch vier Stadttore oder vier Wegaltäre gehören meist als feste Stationen zum Weg der Fronleichnams-Prozession.

"Die vier Außenaltäre sind symbolisch zu verstehen: Bei ihnen werden die vier Evangelienanfänge nach den vier Himmelsrichtungen gelesen. Allerdings hat sich die Zahl der vier Altäre oft in den Städten reduziert", sagt Kopp.

In der Regel schließt die Prozession mit einem abschließenden Gebet in der Pfarrkirche. In der römisch-katholischen Kirche gehört die Teilnahme der Erstkommunionkinder meist – manchmal sogar verpflichtend – zur Prozession. In einigen Regionen tragen sie beispielsweise die Reliquien der örtlichen Kirche während der Prozession oder haben andere feste Aufgaben dabei.

Wie hat sich aus Sicht der Kirche die Bedeutung und/oder der Stellenwert des Feiertages verändert?

"Wir müssen das Fest wieder neu erklären. Vielen Menschen sagt der Feiertag nichts mehr", sagt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

Über Jahrhunderte sei das Fest in einer tiefen Volksfrömmigkeit gefestigt gewesen. "Die gibt es so heute längst nicht mehr. Aber vielleicht ist es gut, wenn wir in der Hektik des Alltags mit dem Feiertag eine Auszeit nehmen und uns noch einmal ganz bewusst konzentrieren und klar machen: Gott kommt in der Eucharistie – in Brot und Wein – zu den Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Erstkommunionkinder an dem Fest teilnehmen – sie haben wenige Wochen zuvor in der ersten heiligen Kommunion den Leib Christi empfangen – der jetzt in den Straßen verehrt wird", erklärt Kopp.

Welche Bedeutung hatte Fronleichnam im Laufe der Geschichte?

Bei seiner Entstehung sollte Fronleichnam sicherlich die Bedeutung der Eucharistie untermauern und die Position des Papstes im Abendmahlstreit festigen. Im Jahr 1215 war die Lehre, dass Brot und Wein "wahrhaft" zu Leib und Blut Christi gewandelt würden, zum Dogma erhoben worden, 1264 wurde der Feiertag der erste von einem Papst (in dem Fall Papst Urban IV.) in den Kirchenkalender eingeführte Festtag.

Der Abendmahlstreit zog sich aber durch die Jahrhunderte. Martin Luther und die Reformation ab 1517 lehnten Fronleichnam als Feiertag ab – worauf sich der Feiertag und die Fronleichnams-Prozessionen als besonders katholische Elemente entwickelten.

Protestanten lehnen bis heute den Feiertag in der Regel ab – aber auch etwa die orthodoxe Kirche.

Historisch-politisch bekamen Fronleichnams-Prozessionen so besondere Bedeutungen. Auf der Ebene der Bevölkerung etwa dadurch, dass in einigen Regionen nach dem dreißigjährigen Krieg protestantische Bauern als Provokation den Mist an Fronleichnam auf die Felder ausbrachten. Katholische Bauern taten dies im Gegenzug am für Protestanten besonders heiligen Karfreitag.

Während des Kulturkriegs, den im 19. Jahrhundert der Staat Preußen mit der katholischen Kirche ausfocht, und in dem es um die Stellung von Kirche und Staat ging, wurden Fronleichnams-Prozessionen geradezu zum Protest gegen den Staat.

Im Nationalsozialismus bekamen die Prozessionen den Stellenwert von gezeigtem Widerstand der Katholiken und ihres Glaubens gegen die Ideologie der Nationalsozialisten. Zum Teil wurden Verbote ausgesprochen.

Fronleichnam und Covid-19 – was sind die Auswirkungen?

Die Corona-Pandemie hatte im Jahr 2020 Auswirkungen auf die Fronleichnams-Traditionen. Vielerorts durften keine Gottesdienste in der Kirche stattfinden, etliche Prozessionen wurden abgesagt. Darunter auch große bekannte wie die Schiffprozession der Mülheimer Gottestracht.

Auch im Jahr 2021 wird es Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie geben. Mit Sicherheit werden Veranstaltungen nur unter Einhaltung der Hygiene-Regeln wie Maske tragen und Abstandhalten stattfinden können. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Teilnehmerzahlen begrenzt werden.

Ob Gottesdienste und Prozessionen stattfinden, wird sich teilweise erst kurzfristig entscheiden. Einige größere traditionellen Veranstaltungen wie Fronleichnamskirmes und Co. sind zum Teil bereits abgesagt worden – oder fallen deutlich kleiner aus als in der Zeit vor der Pandemie.

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