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Fußball und Fäuste: Berlins Akte Hooligan

Berliner Kurier-Logo Berliner Kurier 27.03.2019 Christian Gehrke
© www.berliner-kurier.de

Gewalt, Hass und Pöbeleien sind in fast jedem deutschen Fußballstadion ein Problem. Hooligans gibt es überall, auch in Berlin.

Jetzt, wo die Polizei wieder aktuelle Zahlen unter dem Namen „Szenekunde Sport“ veröffentlicht hat, kommt das Thema erneut hoch. In dieser Saison hat sie knapp 1200 gewalttätige Fans gezählt– ein leichter Rückgang zu früheren Jahren. Die Zahlen gelten als umstritten.

Die meisten gewalttätigen Fans in Berlin zählt die Polizei aktuell bei Hertha BSC

Die Beamten frischen ihren Datensatz zur Berliner Hooligan-Szene regelmäßig auf, um sich auf mögliche Risikospiele gut vorzubereiten. Für die aktuelle Bundesliga-Saison 2018/19 hat sie in Berlin genau 1194 Fans registriert. 967 von ihnen sind demnach gewaltbereit, 227 sind gewaltsuchend, also Schläger. Der Datensatz „Szenekunde Sport“ kam nach einer parlamentarischen Anfrage der Grünen in die Öffentlichkeit.

Nicht bei jedem Union-Spiel geht es friedlich zu. © imago/Jan Huebner Nicht bei jedem Union-Spiel geht es friedlich zu.

Die meisten gewalttätigen Fans in der Hauptstadt zählt die Polizei aktuell bei Hertha BSC: 412 gehören demnach zur Kategorie B (gewaltbereit) und 61 zur Kategorie C (gewaltsuchend). Laut der Statistik gibt es beim 1. FC Union Berlin 342 gewaltbereite Anhänger. 55 Unioner sind gewaltsuchend.

Aber: Der BFC Dynamo hat prozentual gesehen den höchsten Anteil an Fans der Kategorie C: 111 sind gewaltsuchend. 213 der Dynamo-Anhänger wurde von der Polizei der Kategorie B zugeordnet.

Positiv ist, dass die Ermittler einen leichten Rückgang der Hooliganzahlen verzeichnen. Der aktuellen Zahl von 1194 Anhängern steht die Zahl der Vorsaison von 1235 gegenüber. In der Saison 2016/17 waren es sogar 1328 gewalttätige Fans.

Zu Berliner Hooligans sollen einzelne Rechtsextreme gehören

Die Grünen-Abgeordnete June Tomiak sagt, dass das Gefahrenpotenzial der Hooligans weiterhin sehr ernst zu nehmen sei. Der Senat teilt auf ihre Anfrage weiter mit, dass die Berliner Hooligans sehr aktiv sind. Zu ihnen sollen einzelne Rechtsextreme gehören.

Positiv ist, dass die Polizei einen leichten Rückgang der Hooliganzahlen verzeichnet. © Bernd Wüstneck/dpa Positiv ist, dass die Polizei einen leichten Rückgang der Hooliganzahlen verzeichnet.

„Einzelpersonen der Kategorie C haben wechselseitige Beziehungen in den Bereich krimineller Rockervereinigungen“, heißt es. Einzelpersonen der Kategorie C seien wegen Drogenhandels strafrechtlich verfolgt und verurteilt worden.

Einige der Hooligans arbeiten im Sicherheitsgewerbe, heißt es in der Antwort. Besonders im Visier sind die Hooligan-Gruppen namens „Kaliber 030“ und „Wannsee-Front“, die durch Straftaten außerhalb des Stadions auffallen.

Fans kritisieren „Szenekunde Sport“-Datensatz

Der Datensatz „Szenekunde Sport“ ist umstritten. Die Vorwürfe: Die Polizei sammle Daten, ohne Betroffene zu informieren. Fans klagen: Die Daten seien geschätzt. „Nicht jeder, der mal mit einem Hooligan ein Bier trinkt, ist gleich selbst einer“, sagt ein szenekundiger Fan. Union-Sprecher Christian Arbeit: „Bei diesen Zahlen handelt es sich um polizeiliche Einschätzungen, deren Zustandekommen uns nicht bekannt ist. Daher werden wir sie weder kommentieren noch bewerten.“

Marcus Jung, Sprecher von Hertha BSC, sagt: „Wir möchten die Zahlen der Polizei weder infrage stellen noch kommentieren. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit unserer organisierten Fan-Szene und Sicherheitsbehörden.“ Die Sicherheitsmaßnahmen würden angepasst. Der Verein arbeite an der Gewaltprävention.

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