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Im Innersten des Engels

Süddeutsche Zeitung-Logo Süddeutsche Zeitung 29.04.2020 SZ vom 30.04.2020 / wet

Rezepte, Übungen und Rätsel für den Corona-Alltag daheim. Heute: Arbeiter zerlegen 1981 den Friedensengel und erleben dabei eine Überraschung - doch welche?

Dass der Friedensengel den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden überstehen würde, während der Rest der Stadt großteils in Schutt und Asche zerfiel, das war eigentlich nicht anders zu erwarten. Ein Monument des Friedens, aufgestellt, um nicht etwa den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu feiern, sondern dessen Ende, den im Anschluss vereinbarten (Sieg-)Frieden - welcher Bomberpilot sollte darauf schon zielen? Und welche Bombe sollte es treffen?

Der Friedensengel ist schließlich nicht mit einer Siegessäule wie jener in Berlin zu verwechseln. Gut, Vorbild für den Engel ist eine Figur der Nike gewesen, der griechischen Siegesgöttin, nicht etwa der Friedensgöttin Eirene. Doch in den Händen hält die Münchner Figur kein Feldzeichen und keinen Lorbeerkranz, sondern einen Ölzweig und ein Palladion, ein Symbol des Schutzes. Und die 23 Meter hohe Münchner Säule ist auch nicht mit Kanonen verziert.

Geschaffen haben das Denkmal die Bildhauer Heinrich Düll, Max Heilmaier und Georg Pezold, den Engel goss Ferdinand von Miller. 1899 wurde das "Friedensdenkmal", das erst im Volksmund zum "Friedensengel" wurde, eingeweiht.

Wer nicht an Zufälle glaubt, für den ist es vielleicht ein Omen gewesen, dass im Jahr 1934, kurz nach der Machtübernahme der Nazis, der Blitz in den Friedensengel einschlug. Doch für den wird es zugleich tröstlich gewesen sein, dass das Monument im Bombenhagel des Krieges unversehrt geblieben ist.

Zumindest dachten das die Münchner lange. 1981 aber machten Statiker eine beunruhigende Entdeckung: Die vergoldete Bronzefigur war durchzogen von Rissen. Nicht einmal 100 Jahre alt, drohte der Friedensengel von seiner Säule zu stürzen. In der Nacht auf den 18. Juli 1981 nahmen ihn Arbeiter deshalb herunter, zerlegten ihn, sanierten die Teile und setzten die Figur wieder zusammen. 1983 war der Friedensengel zurück.

Anfangs aber, als sie den Friedensengel untersuchten, hatten die Arbeiter die Figur auseinandergesägt - und dabei eine große Überraschung erlebt. Welche?

A - Sie fanden im Inneren drei volle Bierflaschen, die offenbar die Gehilfen Ferdinand von Millers dort vergessen hatten.

B - Aus dem Friedensengel krabbelten ihnen Tausende und Abertausende Insekten entgegen; die SZ schrieb vom "schönsten Ameisenbau der Welt".

C - Sie merkten: Sie hätten die Statue gar nicht auseinandersägen müssen, es hätte auch Schrauben gegeben.

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