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Kampf gegen Voyeurismus: Drastische Maßnahme gegen Gaffer: Polizist will Schaulustigen Leiche zeigen

stern-Logo stern 22.05.2019 wue
Gaffer an Unfallstellen sind für Rettungskräfte inzwischen ein ebenso gewohntes wie trauriges Bild (im Foto: ein Unfall auf der A100 in Berlin 2017) © Picture Alliance/Lino Mirgeler / DPA Gaffer an Unfallstellen sind für Rettungskräfte inzwischen ein ebenso gewohntes wie trauriges Bild (im Foto: ein Unfall auf der A100 in Berlin 2017)

Ein Mann stirbt bei einem Verkehrsunfall. Gaffer schleichen vorbei und machen Fotos. Die Polizei in Bayern hat nun zu einem drastischen Schritt gegriffen: "Sie wollen Tote sehen? Dann kommen Sie!"

Sichtschutzwände, Bußgelder oder das Bespritzen mit Wasser – im Kampf gegen Gaffer bei Verkehrsunfällen haben Einsatzkräfte schon viel Fantasie bewiesen, leider oftmals ohne Erfolg. Immer noch kann regelmäßig beobachtet werden, wie Autofahrer im Schritttempo an Unfallstellen vorbeifahren, Fotos machen oder die Rettungskräfte behindern.

Die Polizei in Bayern hat nun mit einer neuen Methode versucht, dem pietätlosen Verhalten von Schaulustigen Einhalt zu gebieten. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, stellte der Einsatzleiter der Verkehrspolizei Feucht Gaffer bei einem Unfall auf der A6 zwischen Roth und dem Kreuz Nürnberg-Süd direkt zur Rede – und wollte sie zu dem tödlich verunglückten Unfallopfer führen.

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Polizist konfrontiert Gaffer mit ihrem Verhalten

Ein 47-jähriger Lkw-Fahrer war dort gestorben, nachdem er laut Polizei aus ungeklärter Ursache mit seinem Sattelzug auf einen anderen Lastwagen aufgefahren war.

Direkt an der Unfallstelle forderte  Einsatzleiter Stefan Pfeiffer einen mutmaßlichen Gaffer auf, aus seinem weißen Kastenwagen auszusteigen.

"Kommen Sie raus, ich zeigen Ihnen etwas", sagte der Beamte in Englisch vor laufender BR-Kamera zu dem tschechischen Fahrer des Kleintransporters – um ihn dann mit seinem Verhalten zu konfrontieren: "Sie wollen Tote sehen? Fotos von ihnen machen? Dann kommen Sie!", so der Polizist, während er den Tschechen in Richtung des Unfallopfers führte. "Da drüben liegt er. Wollen Sie ihn sehen?" – "Nein." – "Nein? Warum machen Sie dann Fotos? Wenn Sie wollen, können Sie ihm auch 'hallo' sagen (...) Schämen Sie sich!" 

Wenig später stellte der Autobahnpolizist einen weiteren mutmaßlichen Gaffer zur Rede. "Sehen Sie sich ihn an! (...) Sie wollen ihn nicht sehen? Warum machen Sie Fotos von ihm? (...) Schämen Sie sich."

Die beiden gezeigten Männer gaben sich nach der Konfrontation kleinlaut und möglicherweise einsichtig – genau das ist das Ziel der Polizei: "Sie müssen merken, was sie eigentlich tun und wir stellen fest, dass das direkte Konfrontieren mit der Situation die Leute schockiert und klar macht, dass das kein Spiel ist. Das ist bittere Realität", sagte Einsatzleiter Pfeiffer zum BR.

Der Beamte wird nahezu täglich mit schweren Verkehrsunfällen und Gaffern konfrontiert. Bereits 2017 schilderte er im stern-Interview den Wahnsinn auf den Autobahnen: "Vorbeifahrende Autofahrer bremsen abrupt ab und schleichen dann im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei, halten das Handy aus dem Fenster, filmen und fotografieren drauflos. Das ist leider mittlerweile üblich."

Die nach dem jüngsten Unfall  auf der A6 erwischten Gaffer am Mittwoch müssen nun ein Bußgeld von 128,50 Euro zahlen. Viel wichtiger als Strafen sei Pfeiffer jedoch die Einsicht der Verkehrsteilnehmer, sagte er 2017. "Das grenzt schon an Geschmacklosigkeit. Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären schwerverletzt und andere filmen die Szene, um das Video dann im Freundeskreis herumzuzeigen oder bei Facebook hochzuladen."(Lesen Sie dazu hier im stern: "Polizei geht gegen Gaffer vor – und schlägt sie mit ihren eigenen Waffen")

Quellen: Bayerischer RundfunkPolizeipräsidium Mittelfranken

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