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Krätze-Alarm: Milbeninfektion breitet sich in Düsseldorf aus

EXPRESS-Logo EXPRESS 06.02.2019 Marc Herriger
Ein Krankenwagen der Berliner Feuerwehr auf dem Weg zu einem Einsatz (Symbolbild). © picture alliance / dpa Ein Krankenwagen der Berliner Feuerwehr auf dem Weg zu einem Einsatz (Symbolbild).

Über Jahrtausende begleitete die fiese Krankheit den Menschen in Europa. Durch moderne Medikamente und Salben schien die fiese „Krätze“ vor knapp drei Jahren so gut wie ausgerottet.

Doch jetzt ist der menschenbefallende Parasit wieder da. So stark wie schon lange nicht mehr. Die Krätzmilbe (Sarcoptes scabei) erobert Düsseldorf!

„Wir haben eine stark steigende Fallzahl“, erklärt Stadtsprecher Michael Bergmann. Waren es 2015 nur 30 gemeldete Fälle, ist diese Zahl 2017 auf 368 hochgeschnellt.

Zwar werden seit 2017 nicht mehr nur die Schulen und Kitas erfasst, sondern auch Pflegeeinrichtungen. Aber man sieht auch alleine an der Zahl der Fälle aus Schulen und Kitas die enorme Steigerung.

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Denn von den 2018 gemeldeten Fällen stammen alleine 296 aus diesem Bereich. Zu den nach Infektionsschutzgesetz beim Jugendamt gemeldeten Fällen von „Skabies“ (so nennen Mediziner die Krätze), gibt es noch eine entsprechende Dunkelziffer. Denn alle, die sich nicht in Gemeinschaftseinrichtungen angesteckt haben, werden nicht erfasst.

Woher kommt die Krätze?

Doch warum steigen die Zahlen so plötzlich wieder? Dafür gibt es zwei Erklärungsansätze.

Forscher Bernhard Koge von der Uni Köln erklärte der Zeitung „Welt“: „Das klinische Erscheinungsbild der Erkrankung hat sich verändert“.

Die Betroffenen haben Symptome, die leichten Hautekzemen ähneln, die Krätze wird so entweder gar nicht oder spät diagnostiziert.

Dermatologe Dr. Herbert Kirchesch vom Bundesverband der deutschen Dermatologen (BVDD): „Es kann auch an der Flüchtlingsbewegung liegen. Vor allem in Nahen Osten gibt es Menschen, die eine sogenannte chronische Krätze haben. Sie leben seit Jahren damit, übertragen die Krankheit dann in den Gemeinschaftsunterkünften.“

Gegen diese Theorie spricht, dass die Zahl der Skabies-Fälle bei Flüchtlingen nicht signifikant höher ist als bei Einheimischen.

Dr. Kirchesch hat deshalb noch eine weitere Theorie zur Ausbreitung der Krätze: „Nach der Erstdiagnose kontrolliert niemand mehr, was die Patienten machen. Ob sie die Therapie gewissenhaft durchführen. Wenn nicht, sind sie natürlich weiterhin stark ansteckend. Die Gesundheitsämter müssten da mehr tun.“

Krätze ist hochinfektiös

Denn Krätze ist hoch infektiös. Sie kann durch Hautkontakt übertragen werden. Manchmal reicht schon Händeschütteln. Aber auch beim Sex springen die Milben auf einen anderen Wirt über.

Sie bohren kleine Kanäle in die Haut, legen dort ihre Eier und ihren Kot ab.

Das führt zu allergischen Reaktionen der Haut und sehr starkem Juckreiz. Die Betroffenen kratzen sich oft die Haut auf. Betroffen sind vor allem warme Körperstellen wie die Achseln oder der Genitalbereich.

Die Milben lieben Wärme. Deshalb verstärkt sich der Juckreiz gemeinerweise, wenn man sich ins Bett unter die warme Decke legt. Die Patienten können dann kaum schlafen.

„Der Nachweis der Krätze ist auch schwierig, es gibt keinen verlässlichen Test“, sagt Dr. Kirchesch.

Die Therapie ist simpel, muss aber eben gewissenhaft durchgeführt werden.

Salbe und Tabletten gegen die Krätze

„Die Patienten müssen ihren Körper mehrfach mit einer speziellen Salbe einreiben. Haben sie diese Therapie abgeschlossen, verschreibe ich den Betroffenen eine Tablette mit dem Wirkstoff Ivermectin“, sagt Dr. Kirchesch. Der tötet die letzten, übriggebliebenen Milben zuverlässig ab.

Das Problem: In einem Haushalt mit einem Erkrankten müssen alle mitbehandelt werden. Und die gesamte Wohnung muss intensiv geputzt und gesaugt werden. Bettwäsche und Handtücher sollten bei 60 Grad gewaschen werden.

Die Kleidung sollte man mehrere Tage in verschlossenen Plastiktüten aufbewahren. Außerhalb des Körpers ihres Wirts überleben die Milben nämlich kaum 48 Stunden.

Doch auch wenn alle Milben weg sind, kann es nach drei bis vier Wochen noch zu allergischen Reaktionen kommen. Dann stößt der Körper die Überreste von Eiern und Milben ab.

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